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Justiz

14.01.2015

Letzte Tage vor dem Franziska-Prozess

Landgerichtspräsidentin Sybille Dworazik und Pressesprecher Gerhard Reicherl zeigten den großen Sitzungssaal, in dem es ab kommenden Montag zum wohl bislang größten Medien-Spektakel und Publikumsinteresse in der Geschichte der Justizbehörde kommen wird. Dann beginnt der Mordprozess Franziska, der mit 18 Verhandlungstagen, 102 Zeugen und 18 Sachverständigen Seinesgleichen sucht.

Das Landgericht Ingolstadt bereitet sich auf die Verhandlung gegen Stefan B. vor, der des Mordes an der Schülerin aus Möckenlohe angeklagt ist. Dazu gibt es vier weitere Vorwürfe.

Das Landgericht Ingolstadt rüstet sich zu seinem bislang größten Prozess, der ob seiner Dimension und der Tragik des Falles, um den es geht, einmalig in der Geschichte der Justizbehörde ist. Neben der juristisch höchst diffizilen Aufbereitung dieses Indizienprozesses geht es auch darum, sich auf den zu erwartenden enormen Zuhörer- und Medienansturm vorzubereiten. Jetzt wurden Pressevertreter aus dem gesamten Bundesgebiet mit den Modalitäten vertraut gemacht.

Denn ab kommenden Montag, 19. Januar, wird eine 18-tägige Verhandlung mit 102 Zeugen und 18 Sachverständigen eröffnet, deren zugrunde liegendes Kapitalverbrechen die Menschen weit über die Region hinaus erschüttert. Es geht um den Mord an der zwölfjährigen Franziska aus Möckenlohe. Das Mädchen hatte, wie berichtet, am 15. Februar 2014 auf dem Skaterplatz in Nassenfels mit Freundinnen gespielt und war dann auf dem Heimweg vom damals 26-jährigen Stefan B. abgefangen, sexuell schwer missbraucht und mit massiven Hieben gegen den Kopf erschlagen worden. Dabei muss der Täter unglaublich brutal vorgegangen sein, wie sich aus der Spurenlage ergeben hat.

Stefan B., der aus Egweil stammt und zuletzt im Neuburger Obdachlosenheim gelebt hat, legte die Leiche des Kindes im Rathei-Weiher bei Zell ab, wo Angler sie tags darauf fanden. Der mutmaßliche Mörder entkam der Polizei jedoch nicht. Schon rund vier Stunden nachdem das Verbrechen entdeckt worden war, machten die Beamten den justizbekannten Stefan B. nach einer Verfolgungsjagd in der Nähe von Donauwörth dingfest.

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Er gab damals auch zu, Franziska getötet zu haben, hüllt sich seitdem jedoch in Schweigen. Ob und – wenn ja – wie er sich jetzt im Prozess zu den Vorwürfen stellt, ist nach wie vor offen, wie der Landgerichts-Pressesprecher Gerhard Reicherl gestern den Medienvertretern sagte. Der mutmaßliche Mörder sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft im Kaisheimer Gefängnis. Seine Verteidigung hat der Münchner Anwalt Adam Ahmed übernommen.

Für Franziskas Eltern wird ab Montag eine besonders schwere Zeit anbrechen. Sie treten als Nebenkläger auf, werden aber wohl dem Vernehmen nach nicht persönlich an den Verhandlungstagen im Gerichtssaal erscheinen. Ihre Interessen nimmt die Ingolstädter Rechtsanwältin Petra Kerschner wahr.

Wann es im Prozess um das Verbrechen an der kleinen Franziska gehen wird, ist derzeit noch fraglich und hängt ganz davon ab, ob Stefan B. bereit ist auszusagen. Möglicherweise aber wird sich die Große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl nach Verlesung der Anklageschrift an den ersten Verhandlungstagen vor allem mit anderen Vorwürfen beschäftigen.

Denn Stefan B. werden im selben Verfahren vier weitere Taten zur Last gelegt. Es geht darin sämtlich um Sexualdelikte, die sich alle relativ kurz vor dem Mord an Franziska zugetragen haben.

So soll Stefan B. 2013 eine 21-jährige Bekannte vergewaltigt haben und über soziale Netzwerke im Internet sexuelle Kontakte zu mehreren Mädchen unter 14 Jahren gesucht und gepflegt haben. Außerdem soll er sich im Januar 2014 an einem weiteren 13-jährigen Mädchen vergangen haben.

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