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Beratung

20.04.2013

Lotsen durch den Pflegedschungel

Die Pflege im Alter muss gut organisiert sein. Dabei hilft der Kreis.
Bild: Alexander Raths/Fotalia (Symbolbild)

Die Fachstelle des Landkreises hilft vor allem Angehörigen. Sie sind gefragt, wenn vor allem alte Menschen Hilfe und Betreuung brauchen. Doch der Trend geht zum Heim.

Alte Menschen sollen, wenn es nach der Politik geht, möglichst lange zu Hause wohnen bleiben, umsorgt von ihren Lieben. Die Erfahrung der Fachstelle für pflegende Angehörige und Seniorenberatung des Landkreises Aichach-Friedberg zeigt aber, dass die Entwicklung im Wittelsbacher Land umgekehrt läuft. Von 1999 bis 2009, dem aktuellen Stand der Erhebung, ist die Zahl der Senioren in Heimen um 40 Prozent gestiegen. Die Bezieher von Pflegegeld, also wer Unterstützung für Pflege durch Angehörige erhält, ist um fast 15 Prozent gesunken. Durch Pflegedienste werden 23 Prozent mehr Menschen betreut.

„Der Trend geht zum Heim“, erklärte Alf Neumeier. Bei der Vorstellung des Jahresberichts der Fachstelle sagte der Leiter der Kreis-Heimaufsicht, dass die häusliche Pflege vom Gesetzgeber eigentlich gestärkt werden sollte. Doch das funktioniere nicht. Vor allem die sich verändernden Familienstrukturen seien das Problem. „Das ist die Kehrseite der mobilen Gesellschaft“, ergänzte Christina Albes, die zusammen mit ihrer Kollegin Johanna Möst für die Beratung zuständig ist. „Es gibt immer mehr Single-Haushalte, und die Kinder müssen zum Arbeiten weiter wegziehen. Sie können sich nicht mal schnell um die Eltern kümmern.“ Noch sei das gerade in der Region Aichach kein allzu großes Problem, doch das werde sich in absehbarer Zeit wohl ändern, befürchtet Albes.

Der Job sei für viele Angehörige ungeheuer wichtig, um wenigstens für ein paar Stunden eine Auszeit nehmen zu können. „Und das müssen sie auch“, betonte Albes. Gerade der Umgang mit Demenzkranken sei schwierig, weil sich ihr Wesen verändert. Aber auch wer neu mit der Situation konfrontiert ist, kann sich an die Fachstelle wenden. „Denn dann müssen in wenigen Tagen oder Stunden Entscheidungen getroffen werden, die die ganze Familie betreffen und viele Tausend Euro an Kosten mit sich bringen“, erläuterte Alf Neumeier. Da die Thematik stetig komplexer werde, sei diese Beratung auch so wichtig. „Wir sind mit immer mehr Bürokratie und Papierkram konfrontiert“, so Albes. „Die Bescheide der Krankenkassen werden immer komplizierter, viele verstehen nicht, was da überhaupt drin steht.“ Sie und ihre Kollegin seien daher so etwas wie Lotsen durch den Pflegedschungel und helfen, wer mit der Situation überfordert ist.

Lotsen durch den Pflegedschungel

Bereits bei der Hälfte der Pflegebedürftigen, die bei der Fachstelle bekannt sind, handelt es sich demnach um Demenzkranke. Damit sich deren Angehörige nicht allein gelassen fühlen, gibt es in Aichach, Friedberg und Mering Treffs, die wie Selbsthilfegruppen funktionieren. „Mit Dementen umzugehen, ist eine Herausforderung für die Gesellschaft“, sagt Christina Albes. Doch auch generell müsse sich in der Gesellschaft etwas ändern, da die Menschen immer älter werden, fügte Johanna Möst hinzu. Wenn gerade in kleinen Orten der Bäcker oder der Lebensmittelladen schließen, schränke das die Selbstständigkeit der Senioren erheblich ein. Wenn die alten Menschen weiter am Leben in der Gemeinde teilnehmen sollten, müsse endlich ein Umdenken einsetzen.

Hilfe Wer sich an die Beraterinnen Christina Albes und Johanna Möst wenden möchte, muss einen Termin mit ihnen vereinbaren. Sie sind täglich von acht bis zwölf Uhr unter der Telefonnumer 08251/872233 zu erreichen.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Wochenendausgabe der Aichacher Nachrichten.

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