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Mittelalterliche Markttage

02.09.2018

Ludwig im Barte: Ein Streithansl und Kriegstreiber

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Nach der Entmachtung durch seinen Sohn wurde Herzog Ludwig im Barte gefangen genommen und in unwürdiger Weise seinem Erzfeind Heinrich von Niederbayern überlassen. Dieser hielt ihn in der Feste zu Burghausen fest, die auf dem Bild zu sehen ist. Dort starb Ludwig im Barte am 1. Mai 1447 in Gefangenschaft.
Bild: Erich Echter

Aichach erinnert bei den Mittelalterlichen Markttagen vom 7. bis. 9. September an Herzog Ludwig im Barte. Er prägte das Stadtbild. Zu Lebzeiten war er verhasst.

Genau 600 Jahre ist es heuer her, dass der Ingolstädter Herzog Ludwig im Barte die Aichacher Stadtbefestigung massiv ausbauen ließ. Bei den Mittelalterlichen Markttagen am nächsten Wochenende in Aichach wird daran erinnert. Auf einem Wappenstein an der Spitalkirche ließ er die Bauarbeiten verewigen (siehe Infokasten). Dass er die Stadt befestigen ließ, geschah nicht ohne Eigennutz.

Aichach wurde denn auch zu einer bedeutenden Stadt jener Zeit ausgebaut. Sie lag an der wichtigen Handelsstraße zwischen Augsburg und Ingolstadt. Durch die Dreiteilung des Herzogtums Bayern gehörte sie zum Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt. Die Geschichte Aichachs ist eng mit Ludwig im Barte verbunden. Er scheint eine merkwürdige Gestalt unter den bayerischen Fürsten seiner Zeit gewesen zu sein. Von vielen wurde er gehasst – meist aus eigenem Verschulden.

Ludwig im Barte wird meist bartlos dargestellt

Durch seinen Beinamen „im Barte“ glaubte man, er habe einen kräftigen Bartwuchs. Auf dem bereits zu seinen Lebzeiten geschaffenen Grabsteinmodell, das im Bayerischen Nationalmuseum steht, ist er mit einem starken Schnurrbart zu sehen. Ansonsten wird er meist bartlos dargestellt. Dem Historiker Lorenz von Westenrieder zufolge, der im 18./19. Jahrhundert lebte, dürfte der Beiname von einer geistlichen Bruderschaft herrühren, den „Bärtlingen“ oder „Bartbrüdern“ – einer Art Bet- oder Andachtsbrüder, denen mehrere fränkische und bayerische Regenten beitraten.

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Die Dreiteilung Bayerns 1392 löste die Bayerischen Hauskriege und Streitigkeiten unter den Bayernherzögen aus. Sie dauerte bis 1445/47. Die Landesteilungen finden sich in so mancher in Aichach ausgestellten Urkunde wider. 1393 entstand ein Streit zwischen Ludwig im Barte und Herzog Johann von München wegen der Vormundschaft über die unmündigen Kinder des in Landshut verstorbenen Herzogs Friederich. In dessen Verlauf wurde Aichach von Herzog Johann belagert. Die Erstürmung schlug fehl. Doch die Belagerer brannten die Vorstadt sowie die umliegenden Dörfer und Mühlen nieder.

Kriegerische Auseinandersetzungen mit seinen Vettern

Am 6. April 1398 wurde in Aichach ein Ritter- und Städtetag abgehalten, bei dem man einen Vergleich zwischen Herzog Ludwig im Barte sowie den Herzögen Ernst und Wilhelm von München aushandelte. Diese Vereinbarung aber wurde von Ludwig nicht akzeptiert. Er nahm daher die Stadt München in Besitz. „Dessen Bürger seien ihm Ergeben gewesen“, ist in den Urkunden zu lesen. Aufgebracht zogen Ernst und Wilhelm, Ludwigs Münchener Verwandte, gegen Aichach. Am 21. April 1403 unterschrieb Herzog Ludwig zu Aichach einen Vertrag, den sein Vater Stephan III. mit den Münchnern Vettern zur Landverteilung ausgehandelt hatte.

Aichach war unter den Ingolstädter Herzögen ein beliebter Aufenthaltsort. Genannt sei besonders Herzog Stephan III., der 1407 hier zu Gericht saß und verschiedene wichtige Entscheidungen traf. Um diese Zeit erhielt Aichach eine eigene Münzstätte, in der die sogenannten Aichacher Dickpfennige geschlagen wurden. Damals genehmigte man den Aichacher Bürgern auch zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt. Regelungen gab es außerdem für die Blutgerichtsbarkeit. Die letzten Lebensjahre des alternden Herzogs Stephan standen im Zeichen des Friedens.

Als er 1413 starb, gastierte Ludwig im Barte – sein einziger Sohn und Erbe – am Hofe seiner Schwester: Isabeau de Bavière war die Gattin des französischen Königs Karls VI.. Durch sie mit französischen Reichlehen versehen und Kostbarkeiten überhäuft, kehrte Ludwig im Barte 1415 nach Bayern zurück. Hier brachen durch seine Streitlust wieder unruhige Zeiten an. Als er ankam, schlug er für einige Wochen sein Quartier in Aichach auf.

Ludwig im Barte ließ Befestigungsanlagen von Aichach ausbauen

Als schlimmsten seiner vielen Feinde machte er seinen Münchner Vetter Herzog Heinrich von Niederbayern-Landshut aus. Ludwig sah sich durch die Landesteilung 1392 benachteiligt. Mit Nachdruck brachte er die Befestigungsanlagen der Städte Friedberg (1409), Wasserburg am Inn (1415), Aichach (1418) und Schrobenhausen (1419) auf den neuesten Stand.

Militärisch war Ludwig im Barte seinem Kontrahenten Heinrich XVI. unterlegen. Dieser verübte 1417 während des Konstanzer Konzils sogar einen Mordanschlag auf ihn. Er war gezwungen, nach Verbündeten zu suchen. Im Januar 1420 lud er Vertreter eines 1416 gegründeten Ritterbundes sowie der Städte und Märkte Oberbayerns nach Aichach ein. Bei der Gelegenheit wollte er seinen Verbündeten mit der gut befestigten Stadt imponieren. Insgesamt versammelten sich 61 Adelige mit Pferden und Dienern sowie die Vertreter von 16 Städten und Märkten. Mit dabei auch sein Sohn Ludwig VIII., genannt der Bucklige. Ein riesiges Treiben durchzog Aichachs Gassen, Wirtshäuser und das Schloss. In der „Aichacher Einung“ schloss man im Januar 1420 einen Schutzbund. Sieben Siegel zieren den noch vorhandenen Einigungsbrief.

Bald danach entbrannte in Bayern und Franken ein „Verwüstungsfeldzug“. Zuerst spielten sich die kriegerischen Auseinandersetzungen in den fränkischen Besitzungen des Marktgrafen Friederich ab, wo Ludwigs Truppen einfielen. 1421 begannen die Feindseligkeiten gegen Heinrich von Niederbayern. Um Aichach herum versammelten sich Ludwigs Truppen. Sie marschierten gegen Niederbayern und brannten hunderte Dörfer nieder.

Ludwig musste Waffenstillstand mit seinem Erzfeind schließen

Die Auseinandersetzungen waren verheerend. Nicht nur die Fürsten schickten sich Fehdebriefe, auch die Städte standen gegeneinander. Pfaffenhofen stand gegen Schrobenhausen, Rosenheim gegen Wasserburg. Bald aber hatten Ludwigs Feinde die Übermacht und er musste im August 1422 einen Waffenstillstand mit Marktgraf Friederich und Herzog Heinrich schließen.

Trotz des Friedensangebotes von König Sigismund versuchte er, München einzunehmen. Nach der Brandschatzung und Einnahme Friedbergs durch die Münchner Herzöge hatte er mit diesen noch eine Rechnung offen. Nachdem der Überfall auf München misslungen war, wurden seine Ritter und Bauern am 19. September 1422 bei Alling vernichtend geschlagen. Ludwig floh und suchte bei Sigismund Unterschlupf. Erst 1425 konnte er nach Bayern zurückkehren.

Vom eigenen Sohn entmachtet, in Gefangenschaft gestorben

Bis zu seiner Entmachtung durch seinen Sohn Ludwig 1439 führte er viele Prozesse. Die Städte Ingolstadt, Aichach, Schrobenhausen und Rain unterwarfen sich dem jungen Herzog. Ludwig im Barte floh in das befestigte Neuburg, das 1443 von seinem Sohn und von Marktgraf Albrecht Achillis von Ansbach erobert wurde. Der alte Herzog Ludwig wurde gefangen genommen und in unwürdiger Weise seinem Erzfeind Heinrich von Niederbayern überlassen. Dieser hielt ihn in der Feste zu Burghausen fest.

Dort starb er in Gefangenschaft am 1. Mai 1447. Nach seinem Tod riss der Niederbayer Heinrich XVI. Ludwigs Herzogtum an sich. So wurde Aichach niederbayerisch und blieb es bis 1506. Ludwigs Sohn konnte sich nicht lange seiner Herrschaft erfreuen. Er starb noch vor seinem Vater im Jahr 1445.

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