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Gemeinderat

05.12.2019

Lücken im Mobilfunknetz sollen verschwinden

So sieht die Mobilfunkversorgung im Markt Pöttmes vor dem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Netzbetreiber aus: Die blauen und grünen Flecken zeigen die unter- beziehungsweise nicht versorgten Gebiete – vor allem im Raum Kühnhausen, Echsheim, Ebenried und Osterzhausen (links). Rechts ist die Versorgung nach dem eigenwirtschaftlichen Ausbau bis in circa drei Jahren zu sehen.
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So sieht die Mobilfunkversorgung im Markt Pöttmes vor dem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Netzbetreiber aus: Die blauen und grünen Flecken zeigen die unter- beziehungsweise nicht versorgten Gebiete – vor allem im Raum Kühnhausen, Echsheim, Ebenried und Osterzhausen (links). Rechts ist die Versorgung nach dem eigenwirtschaftlichen Ausbau bis in circa drei Jahren zu sehen.

Der Markt Pöttmes hat Aussicht auf hohe Fördergelder des Freistaats, um mit neuen Mobilfunkmasten die letzten weißen Flecken im Gemeindegebiet auszubauen. Warum er dennoch zögert, sich darauf einzulassen

Mal schnell mit dem Handy telefonieren, eine SMS oder E-Mail verschicken oder im Internet etwas nachschauen – in der heutigen Zeit eigentlich selbstverständlich. Eigentlich, denn noch immer gibt es in ländlichen Gebieten weiße Flecken, in denen das nicht möglich ist. Auch im Markt Pöttmes gibt es nach wie vor solche Funklöcher – sehr zum Leidwesen der dortigen Bewohner und Gewerbetreibenden.

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Nun hat der Freistaat ein Förderprogramm aufgelegt, um genau die Gebiete zu versorgen, deren Ausbau für Netzbetreiber bislang unwirtschaftlich ist. Der Markt Pöttmes hat sein Interesse daran bekundet. Zwei Vertreter des in Regensburg angesiedelten Mobilfunk-Zentrums Bayern stellten das Programm im Gemeinderat vor. Es läuft bis 2022 und hat einen Ausbau in LTE-Technik zum Ziel, die laut Mobilfunk-Zentrum ihrerseits die Basistechnologie für 5G ist. Je Gemeinde ist ein Zuschuss von bis zu 80 Prozent und in einer Gesamthöhe von bis zu 500000 Euro für den Bau von Funkmasten möglich. Dabei sind sowohl kleinere Masten auf Dächern als auch größere auf dem Boden denkbar. Gefördert werden zum Beispiel die Antennenträger, Stromzuführung und Leerrohre, die Antennentechnik kommt von den Netzbetreibern. 20 Prozent der Kosten trägt die Gemeinde.

Es gibt zwei Varianten: Die Gemeinde kann den Mobilfunkmasten selbst errichten, wobei der Netzbetreiber die Grobplanung und das Mobilfunkzentrum Musterverträge zur Verfügung stellen. Oder die Gemeinde beauftragt einen Konzessionär – zum Beispiel die Tochterfirma eines Netzbetreibers – mit Planung, Bau und den weiteren Arbeiten.

Lücken im Mobilfunknetz sollen verschwinden

Bürgermeister Franz Schindele sagte: „Wir müssen schauen, dass wir möglichst schnell zu einem flächendeckenden Mobilfunk kommen.“ Eigentlich sei das eine staatliche Aufgabe. Doch der Staat habe versäumt, die Netzbetreiber zu einem flächendeckenden Mobilfunk zu verpflichten. Die Zweite Bürgermeisterin Sissi Veit-Wiedemann (CSU) hingegen sagte, sie habe am wenigsten ein Problem mit den Lücken im Mobilfunknetz. „Ich nutze das nicht so. Manchmal ist es ganz gut, wenn man nicht erreichbar ist“, so Veit-Wiedemann. Schindele widersprach: Eine flächendeckende Mobilfunkversorgung sei allein schon eine Sache der Sicherheit, beispielsweise nach einem Unfall.

Allerdings warnte er davor, sich vorschnell auf das Förderprogramm des Freistaats festzulegen. Zum einen habe die Gemeinde nicht das erforderliche technische Wissen, zum anderen hatte die Bundesregierung erst im November ein 1,1 Milliarden schweres Förderprogramm beschlossen, bei dem 5000 Funkmasten in Funklöchern aufgestellt werden sollen. Dadurch sollen bis in fünf Jahren fast alle Haushalte bundesweit mit 4G- oder LTE-Technik versorgt sein. Wenn der Staat mit seinem Know-how den Ausbau komplett übernehme, sei es für Pöttmes unrentabel, jetzt in ein Förderprogramm mit einem Fünftel Eigenanteil einzusteigen, so Schindele.

Dritter Bürgermeister Thomas Huber (Bürgerblock) hatte Zweifel, ob überhaupt ein Netzbetreiber einen Funkmast in den unterversorgten Pöttmeser Gebieten aufstellen würde. Sie liegen vor allem im westlichen Teil der Gemeinde (siehe Grafik). Er stellte zudem den Zeitplan infrage: Seit zwei Jahren sei ein Funkmast bei Gundelsdorf vorgesehen, und noch immer sei die Genehmigung nicht durch. Am Ende werde es so laufen wie beim Internetausbau, befürchtete er: Mit Start des Förderprogramms häuften sich die Anträge und die Firmen seien überlastet.

Zwar versicherten die beiden Vertreter des Mobilfunk-Zentrums, sie unterstützten die Gemeinden und seien an einer schnellen Abwicklung interessiert. Dennoch entschloss sich der Marktgemeinderat nach längerer Abwägung einstimmig, schrittweise vorzugehen. Er will vorerst kostenlos über das Mobilfunk-Zentrum die Funkmast-Standorte abfragen, die die Netzbetreiber vorschlagen. Erst dann will er sich für eines der Förderprogramme entscheiden.

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