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Prozess in Aichach

22.11.2017

Männer werfen Dixi-Klo mit Frau um

Nach dem Faschingsumzug wollte eine heute 27-jährige Frau eine mobile Toilette benutzen. Doch in diesem Moment kamen zwei Männer auf eine Idee, die sie jetzt vor Gericht brachte.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Nach dem Faschingsumzug in Aichach-Griesbeckerzell warfen zwei Männer ein Dixi-Klo mit einer Frau um. Sie leidet bis heute unter den Folgen. Nun standen die Männer vor Gericht.

Der Schreck sitzt noch immer tief bei der 27-Jährigen. Sie wollte nach dem großen Faschingsumzug in Griesbeckerzell (Stadt Aichach) eine Dixi-Toilette benutzen, als zwei Umzugsteilnehmer sie „aus Spaß“ umwarfen – während die Frau noch drin war. Sie verletzte sich dabei schwer und leidet noch heute unter den psychischen Folgen. Die beiden heute 17 und 26 Jahre alten „Spaßvögel“ standen am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendgericht Aichach.

Das Lachen war den Angeklagten gründlich vergangen. Ihre „irgendwie ganz spontane“ Aktion, wie sie vor Gericht aussagten, war ordentlich nach hinten losgegangen. Am Faschingssonntag hielten sie es wahrscheinlich für einen lustigen Einfall, das letzte Toilettenhäuschen entlang der Umzugsstrecke, das noch nicht umgeworfen worden war, auch zu Fall zu bringen.

Schlüssig erklären konnten beide vor Gericht ihre Aktion nicht. „Es war einfach ohne Hirn“, sagte der 17-Jährige aus dem nördlichen Landkreis. Beide kletterten nach dem Umzug „mittelmäßig betrunken“ vom Wagen, standen zuerst noch mit anderen aus der Gruppe zusammen und liefen gemeinsam auf das Toilettenhäuschen zu. „Ohne Absprache“, betonten beide.

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Dass wenige Augenblicke vorher die 27-Jährige hineingegangen war, hatten die beiden Angeklagten anscheinend nicht bemerkt. Unter Tränen schilderte die 27-Jährige, wie sie den Moment erlebte, als die Toilette plötzlich zu wackeln anfing und dann umfiel. „Ich war in einem kompletten Schockzustand“, erklärte sie, warum sie sich nicht bemerkbar machte.

Opfer: „Es ist so eine Demütigung“

Alle möglichen Szenarien seien ihr in dem Moment durch den Kopf geschossen, erinnerte sich die 27-Jährige: „Es ist so eine Demütigung. Das kann man sich gar nicht vorstellen, was in einem vorgeht.“ Bei dem Sturz zog sie sich ein Schleudertrauma zu, hatte Prellungen an Steißbein und Rücken und die ganze linke Seite war blau. Wochenlang habe sie danach noch Kopfweh gehabt, sagte die 27-Jährige aus. Aus Loyalität gegenüber ihren Kollegen ging sie trotz der Schmerzen in die Arbeit.

Die beiden Angeklagten beteuerten vor Gericht, dass sie nicht gewusst hätten, dass jemand in der Toilette war. „Das habe ich ihnen auch abgenommen“, sagte der Polizeibeamte aus, der ihre Aussage aufgenommen hatte. Auch gegenüber Wolfgang Nuspl von der Jugendgerichtshilfe sprach der 17-Jährige von einer „dummen Aktion“. Nuspls Eindruck war, dass der Angeklagte mit seiner Mutter den Vorfall gut aufgearbeitet hat. Er sprach sich für Sozialstunden oder eine Geldstrafe im unteren Bereich aus.

Einer der Angeklagten ist schon vorbestraft

Staatsanwältin Yvonne Möller wertete zugunsten der beiden Angeklagten, dass sie sich bei der 27-Jährigen entschuldigt und Schmerzensgeld gezahlt hatten. Die relativ schweren Verletzungen sowie die demütigende Situation sprachen aus Möllers Sicht gegen die Angeklagten. Dazu kam, dass der 26-jährige aus dem südlichen Landkreis schon verschiedene Vorstrafen hat.

Die Staatsanwältin plädierte für eine zehnmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro für den 26-Jährigen. Für den 17-jährigen Angeklagten forderte sie eine Verwarnung, Freizeitarrest und 200 Euro Geldauflage. Eine Verwarnung sei ausreichend, fand hingegen Gabriele Ammer-Borwitz, die Verteidigerin des 17-Jährigen.

Ihrer Argumentation, dass ihr Mandant fahrlässig gehandelt habe, schloss sich Richterin Eva-Maria Grosse nicht an. Sie verurteilte die beiden Männer wegen gefährlicher Körperverletzung. Der 26-Jährige bekam eine achtmonatige Bewährungsstrafe und muss 800 Euro an den Verein Frauenhaft zahlen. Seinen Kompagnon verwarnte die Richterin. Er muss 500 Euro an den Verein Brücke zahlen.

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