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Reaktionen auf Anschläge

16.11.2015

„Man hat nur geweint“

In Friedberg gab es gestern eine Mahnwache für die Terroropfer von Paris. Schnell füllte sich am Abend der Marienplatz. Das Frauenforum Aichach-Friedberg hatte spontan dazu aufgerufen.
Bild: Foto: Anton Schlickenrieder

So fühlen Menschen in der Region mit ihren französischen Freunden

Aindling/Pöttmes/Sielenbach Wenn sie darüber spricht, kommen Angela Mayer die Tränen. Die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Pöttmes kann nicht fassen, was in Paris passiert ist. Und sie weiß, wie es den französischen Freunden geht. „Es ist schwer, es ist wirklich schwer“, sagt sie gestern am zweiten Tag nach den schrecklichen Anschlägen.

Um eines vorwegzunehmen: Aus La Haye-Pesnel, Pöttmeser Partnergemeinde, kommt offenbar keines der Opfer. Auch die Partner von Sielenbach (Saint Fraimbault de Prières) und Aindling (Avord) sind nach jetzigem Stand der Dinge so gesehen verschont geblieben. Dennoch ist die Betroffenheit groß. So groß, dass Mayer sagt: „Die sind alle so verzweifelt.“ Mit Freunden telefonierte sie gleich am Samstag. Ein Gespräch war kaum möglich. „Man hat nur geweint“, erzählt Mayer.

Die Gefühle sprudeln auch bei Michael Ritter, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Sielenbach über. Gleich nach dem Schlusspfiff des Fußballspiels Frankreich gegen Deutschland ging er zu Bett. Die Dimension der Anschläge hatte er nicht mehr mitbekommen. Am Samstagvormittag wollte er den französischen Freunden per Mail zum Sieg gratulieren. Doch zuvor hörte er Radio. Danach verfasste er ein völlig anderes Schreiben an seine französische Kollegin Valérie Moutel. Er brachte sein Mitgefühl und seine Betroffenheit zum Ausdruck. In Telefonaten haben auch die Sielenbacher aus erster Hand erfahren, wie es den Menschen in Frankreich geht. „Die sind alle ganz fassungslos“, fasst Ritter zusammen.

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Sein Mitgefühl an die Freunde in Avord will Tomas Zinnecker diese Woche zum Ausdruck bringen. Der Aindlinger Bürgermeister sagte gestern: „Das ist natürlich schon bedrückend. Ich gehe davon aus, dass es auch bei uns passieren könnte.“

Für Angela Mayer sind die Pariser Ereignisse ganz nah. Dort hat sie mit französischen Freunden herrliche Tage verbracht, auch Orte besucht, wo Extremisten nun Grauen verbreitet haben. „Jeder von uns hätte da sitzen können“, sagt Mayer. Aktivitäten wie das Friedensfest in Pöttmes im Sommer, hält sie für wichtiger denn je: „Das ist eine große Aufgabe für uns alle.“

Die Sielenbacher wollten am Samstagabend bei einem Treffen eigentlich nur einen gemütlichen Fotorückblick auf die Frankreichreise im Sommer halten. Die Erinnerung an die schöne Zeit sei unter diesen Vorzeichen schwergefallen, erzählt Ritter, der an dem Abend zu einer Schweigeminute aufrief. Wie Mayer sieht er in den Ereignissen von Paris eine Verpflichtung zu Toleranz und Völkerverständigung, wie sie mit den Partnerschaften gepflegt werden. Es sei wichtig, einen Gegenpol zu setzen. Gerade auch mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingswelle stellt Ritter fest, man dürfe das Feld nicht den Schreiern überlassen, die nur Vorurteile säten.

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