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17.06.2009

"Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen"

Aichach-Friedberg (bac) - Nach einem Jahr ist ihr Gastspiel bei den Freien Wählern vorbei: Gabriele Pauli wurde gestern aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen. Die Freien Wähler im Landkreis Aichach-Friedberg unterstützen diese Entscheidung, wie unsere Umfrage ergab. Es gibt aber auch Bedauern.

Für Georg Robert Jung, Fraktionssprecher der Freien Wählergemeinschaft im Aichacher Stadtrat, ist der Ausschluss "ein normaler Vorgang". Jemand, der Freier Wähler ist, könne nicht Mitglied einer Partei sein und umgekehrt. Gefallen hat Jung an Pauli, wie sie noch als CSU-Mitglied im Streit um den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ihre Meinung vertreten und sich nicht der Parteiräson unterworfen hat. "Damit wäre sie schon auf der Linie der Freien Wähler gewesen", so Jung. Doch wenn sie jetzt eine eigene Partei gründen wolle, "dann passt das nicht mehr zusammen". Paulis bundespolitischen Plänen räumt Jung wenig Chancen ein: "Das hat schon einen selbstzerstörerischen Charakter, was sie da tut."

"Politischer Selbstmord"

Von "politischem Selbstmord" spricht Aichachs zweite Bürgermeisterin Dr. Renate Magoley (Freie Wählergemeinschaft): "Ich glaube nicht, dass sie da auf die Füße kommt." Obwohl auch für sie der Ausschluss von Pauli eine logische Folge ist, bedauert sie die Entwicklung: "Sie hätte bei uns gute Chancen gehabt." Und auch die Freien Wähler hätten von der erfahrenen Politikerin profitieren können. Aber: "Es wäre gut gewesen, wenn sie mit vollem Herzen dabei gewesen wäre." Bis jetzt habe sie ganz richtig gefunden, was Pauli gemacht habe, abgesehen von der Idee, die Ehe auf sieben Jahre zu beschränken, oder die Parteigründungspläne, so Magoley: "Da weiß ich nicht, ob Profilierungssucht dahintersteckt oder ein leichter Defekt in der Beurteilung, was gut ist und was nicht." Dass Pauli in der Vergangenheit oft nur als "schöne Landrätin" bezeichnet wurde, ist für Magoley aber "eine Gemeinheit". Bei Frauen würde oft nur das Aussehen statt der Leistung gesehen. Schließlich sei Pauli als Landrätin mehrmals wiedergewählt worden. "Dass sie aktiv ist und ihre Meinung vertritt", schätzt die Aichacherin an Pauli: "Wir brauchen solche aktiven Frauen überall."

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Claudia Beckerbauer, Kreisvorsitzende der Freien Wähler, hätte sich gewünscht, dass Pauli weniger ihre eigene Person, sondern mehr die Politik für die Menschen in den Vordergrund gestellt hätte. Wie sich Pauli zuletzt verhalten habe, habe den Freien Wählern eher geschadet, als genutzt, so die Kissingerin. "Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen", sagt Beckerbauer: "Die Wähler wollen klare und ehrliche Verhältnisse." Deshalb befürworte sie den Ausschluss.

Auch ihr Stellvertreter im Kreisverband, der Pöttmeser Helmut Schenke, findet den Ausschluss Paulis richtig: "Wir brauchen Ordnung und nicht ständig Unruhe." Persönlich sei er aber schon "ein bisschen traurig". Er habe Pauli als intelligente, fachkundige Politikerin kennengelernt, die sehr gut bei den Menschen angekommen sei, auch wenn er mit mancher ihrer Ideen, zum Beispiel der Ehe auf Zeit, schon seine Probleme gehabt hätte. Es sei "schade, dass nicht alles zusammenpasst, was zusammengehört", sagt Schenke. Er hätte sich gewünscht, "dass wir weiter miteinander streiten und die Politik verändern".

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