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Natur

26.10.2017

Mehr Einsatz für mehr Insekten im Landkreis Aichach-Friedberg

Eine Hummel sammelt auf einer Wiese noch Nektar und Pollen ein. Forscher sagen: In manchen Teilen Deutschlands gibt es deutlich weniger Insekten als früher.
Bild: Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Eine große Studie hat gezeigt, dass die Zahl der Insekten in Deutschland rapide sinkt. Was Landwirte und Umweltschützer im Wittelsbacher Land dazu sagen.

In den vergangenen 30 Jahren ist der Insektenbestand in Deutschland um mehr als drei Viertel gesunken. Das hat eine groß angelegte Studie eines internationalen Expertenteams herausgefunden (wir berichteten im Hauptteil). Auch im Landkreis Aichach-Friedberg werden diese Meldungen mit großer Sorge beobachtet. Insekten wie Bienen dienen als Bestäuber von Pflanzen. Sie sind daher sehr wichtig für das gesamte Ökosystem und auch für die Landwirtschaft. Umweltschützer machen jedoch gerade die konventionelle Landwirtschaft für den Insektenschwund verantwortlich.

Dem tritt Reinhard Herb, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), entgegen. Seiner Ansicht nach ist das Insektensterben kein alleiniges Phänomen auf landwirtschaftlich genutzten Feldern. Er sagt: „Auch auf Naturschutzflächen, wo die meisten Messungen stattfinden, hat die Artenvielfalt drastisch abgenommen.“ Die Forscher in der besagten Studie haben zwischen 1989 und 2016 das Insektenaufkommen in 63 Naturschutzgebieten untersucht. Herb ist deshalb der Meinung, dass jeder einen kleinen Teil zum Schwund beitrage. So blieben beispielsweise viele Insekten auf den Windschutzscheiben fahrender Autos kleben.

Ernst Haile ist da anderer Ansicht. Der Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) in Pöttmes macht gerade die Pestizide der Landwirte für das Insektensterben verantwortlich: „Durch Pestizide werden nicht nur Schädlinge vernichtet, sondern auch Unkraut.“ Das diene Insekten als Nahrung. Haile mahnt: „Stirbt beispielsweise die Gattung der Wildbiene aus, kann sich der Ertrag der Äpfel und Birnen um bis zu 70 Prozent reduzieren.“

Bauern-Kreisobmann erkennt bei Ernte noch keine Auswirkungen

Reinhard Herb kann derzeit keine großen Auswirkungen bei der Ernte durch das Insektensterben erkennen, räumt aber ein: „Mittelfristig haben wir Probleme mit der Befruchtung.“ Neue Agrartechnik versuche zwar, diesen Trend auszugleichen, weiß Ernst Haile. Das geschieht aber oft mittels Genmanipulation. Er plädiert deshalb dafür, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten, wie es Biobauern bereits machen. Er sieht aber nicht nur Landwirte in der Pflicht, von Pestiziden abzulassen, sondern auch Privatpersonen. Haile erklärt: „Es gibt mechanische Methoden, um Unkraut zu entfernen.“ Hier sei eine bessere Aufklärung nötig – auch um zu vermitteln, was man gegen Wespen oder Ameisen im Garten unternehmen kann. Nützten diese Appelle nichts, fordert er den Landkreis auf, Pestizide ganz zu verbieten.

Im Wittelsbacher Land gibt es bereits einige Projekte, um dem Insektensterben entgegenzutreten. Wolfgang Grinzinger, Sachgebietsleiter im Landratsamt für Naturschutz, Gartenkultur und Landespflege, sagt: „Durch Neuanlegung, Schutz und Pflege von Biotopen, soll neuer Lebensraum für Insekten geschaffen werden.“ Eine dieser Flächen rief der Landschaftspflegeverband in der Dasinger Sandgrube ins Leben (wir berichteten). Eine andere ist im Gemeindegebiet Pöttmes zu finden. Wichtig sei, diese zahlreichen Biotope miteinander zu verbinden. Denn „ein isoliertes Biotop auf einem Feld macht keinen Sinn“, stellt Grinzinger fest. Allerdings müsste erst die Inhaber bereit sein, Ackerland dafür aufzugeben.

Naturschützer: Nicht genug Ausgleichsflächen vorhanden

Auch Haile spricht sich für eine Erweiterung solcher Biotope aus. Er beklagt aber, dass die nötigen Flächen fehlten: „Die Gewerbegebiete werden überbaut und es sind nicht ausreichend ökologische Ausgleichsflächen in Bebauungsplänen vorgesehen.“ Umso wichtiger sei die Entscheidung vieler Kommunen, Wiesen und Straßenränder zu mähen und nicht zu mulchen.

Wolfgang Grinzinger erläutert den Sinn dieses Projektes, das der Landesbund für Vogelschutz initiiert hat: Beim Mulchen wird das abgemähte Gras gehäckselt und anschließend auf der Wiese oder dem Randstreifen verstreut. So werden dem Boden Nährstoffe zugeführt. Das gemulchte Gras überdeckt allerdings Blühpflanzen und auf nährstoffarmen (mageren) Böden wachsen zum Beispiel Sauerampfer, Wiesensalbei und Margeriten. Von diesen und anderen Blühpflanzen ernähren sich Insekten. Diese sind wiederum Nahrung für viele Vögel. Ernst Haile prognostiziert deshalb: „Gibt es weniger Insekten, gibt es auch weniger Vögel.“ So sei es kein Wunder, dass das Vorkommen von Spatzen und Meisen zurückgehe.

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