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Prozess in Aichach

22.11.2019

Messerstecherei in Aichacher Asylunterkunft: Täter muss in Haft

Bei einer Messerstecherei in einer Aichacher Asylunterkunft im Mai 2018 überlebte das Opfer nur knapp. Nun ist das Urteil gegen den Täter rechtskräftig.
Foto: Katja Röderer/Archivbild

Plus Bei einer Messerstecherei in einer Aichacher Asylunterkunft im Mai 2018 überlebte das Opfer nur knapp. Nun ist das Urteil gegen den Täter rechtskräftig.

Rund anderthalb Jahre, nachdem ein Bewohner einer Aichacher Asylunterkunft mit einem Küchenmesser auf einen Mitbewohner losging und ihn lebensgefährlich verletzt hat, ist das Urteil gegen den Mann rechtskräftig.

Das Landgericht Augsburg hatte ihn im Februar wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verteidigung legte daraufhin Revision ein.Jedoch ohne Erfolg. Der Bundesgerichtshof verwarf die Revision als unbegründet. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Augsburg auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Vergeblich hatte der Angeklagte vor Gericht auf Knien um Verzeihung gebeten.

Opfer überlebte nur dank der Hilfe der Notärzte

Sein Opfer hatte im Mai 2018 nur mit viel Glück und dank des schnellen Eingreifens der Notärzte überlebt. Nach Überzeugung der achten Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser attackierte der Angeklagte mit einem Küchenmesser den Mitbewohner und verletzte ihn schwer. Ein Rettungsassistent und ein Arzt sprachen vor Gericht rückblickend von „akuter Lebensgefahr“.

Als die Einsatzkräfte im Mai vergangenen Jahres an der Aichacher Asylunterkunft eintrafen, lag das Opfer in einer großen Blutlache am Boden und hatte eine tiefe Stichwunde im Rücken. Der damals 36-jährige Mann wurde später mit dem Rettungshubschrauber ins Uniklinikum Augsburg geflogen.

Mehrere Polizeistreifen, die Kriminalpolizei, die Freiwillige Feuerwehr Aichach, Rettungsdienst und Notarzt waren vor Ort. Die Polizei suchte fieberhaft nach dem Täter. Er tauchte später selbst in der Aichacher Polizeiinspektion auf.

Richterin: Tötungsvorsatz steht außer Zweifel

Für Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser stand mit Blick auf den Angeklagten "außer Zweifel, dass Sie mit Tötungsvorsatz gehandelt haben".Sie räumte am letzten Verhandlungstag mit Behauptungen des Mannes auf, wonach das Opfer ihn mit einer Axt angegriffen habe und versehentlich in das Messer gefallen sei, mit dem er sich habe wehren wollen. Auch seine Vermutung, die Zeugen hätten sich gegen ihn verschworen und ihre Aussagen abgesprochen, bezeichnete Riedel-Mitterwieser als „nicht glaubhaft“.

Der Angeklagte hatte mit seiner Verlobten und mit der Familie des Opfers das Erdgeschoss der Asylunterkunft bewohnt. Beide Männer stammen aus Nigeria. Zunächst gerieten die Partnerinnen der Männer in der Küche aneinander. Auf den verbalen Streit folgte ein Gerangel, in das sich schließlich der Angeklagte einmischte.

Tat hat für Opfer gravierende Folgen

Wie Riedel-Mitterwieser in ihrer Urteilsbegründung rekapitulierte, verpasste er seinem späteren Opfer und dessen Frau zunächst Ohrfeigen. Dann schlug er mit einem Stock auf die Ehefrau seines Opfers ein – in seiner Wut traf er sogar seine eigene Verlobte. Danach griff er sich das insgesamt 32 Zentimeter lange Küchenmesser und stach zu. Einen zweiten Stich wehrte das Opfer ab. Erst ein dritter Mann nahm dem Angreifer das Messer ab, ehe dieser seinem Opfer noch zwei Kopfstöße verpasste. „Sie waren bis zuletzt gewillt, die Messerstiche (...) fortzusetzen“, so die Richterin zu dem Angeklagten.

Das Opfer schilderte im Gerichtssaal die gravierenden seelischen und körperlichen Folgen der Attacke – auch anhand eines Rucksacks voller Medikamente, die es seither einnehmen muss.

Ein Sachverständiger erklärte den Angeklagten für schuldfähig. Der Staatsanwalt und der Vertreter der Nebenklage forderten sieben Jahre und zehn Monate Haft, der Verteidiger zwei Jahre auf Bewährung.

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