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Tierwelt

01.02.2018

Mildes Wetter ist schlecht für „Kugeln des Glücks“

Elke Schroll aus dem Aichacher Stadtteil Oberbernbach päppelt in ihrer Igelstation hilfsbedürftige Igel auf.
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Elke Schroll aus dem Aichacher Stadtteil Oberbernbach päppelt in ihrer Igelstation hilfsbedürftige Igel auf.
Bild: Gerlinde Drexler

Elke Schroll betreibt seit rund 24 Jahren ehrenamtlich eine Igelstation im Aichacher Stadtteil Oberbernbach. Warum milde Wintertemperaturen für die Tiere gefährlich sein können.

Gerade mal 21 Gramm wog der kleine Igel, als er im Januar bei Elke Schroll im Aichacher Ortsteil Oberbernbach landete. Viel zu wenig Gewicht, um damit über den Winter zu kommen. Schroll, die Leiterin einer Igelauffangstation in Oberbernbach, hat dieses Jahr besonders viel zu tun. Wegen des milden Winters wachen sogar Igel auf, die eigentlich schon im Winterschlaf waren. Das ist für das nachtaktive Wildtier lebensgefährlich.

Schroll ist schon seit langem die Ansprechpartnerin in der Region, wenn es um Igel geht. Vor 27 Jahren war das noch ganz anders. Damals wusste sie nicht besonders viel über die stacheligen Tiere. Das änderte sich abrupt, als sie im November in ihrem Garten einen Igel fand. „Mein Hund hat mich darauf aufmerksam gemacht“, erinnert sie sich. 250 Gramm schwer war der kleine Igel und Schroll war klar, dass er Hilfe brauchte, um lebend über den Winter zu kommen. Schroll rückblickend: „Das war die Geburtsstunde der Igelberatungsstelle.“ Denn es gab nicht viel Informationsmaterial über die stacheligen Gesellen. Mit Unterstützung eines Tierarztes eignete sich Schroll autodidaktisch viel Wissen an. Außerdem suchte sie im In- und Ausland nach Fachliteratur und übersetzte sich die Texte aus dem englischen teilweise sogar selbst. Relativ schnell sei sie außerdem einem Fachexpertenkreis beigetreten, erzählt die Oberbernbacherin. Im Laufe der Jahre eignete sie sich einen immensen Wissensschatz an.

Inzwischen sind es rund 24 Jahre, in denen sie ehrenamtlich eine Igelstation betreibt, wo sie hilfsbedürftige Igel ambulant und stationär betreut. Manchmal bis spät in die Nacht hinein. Jedes einzelne Tier wird untersucht und nach Bedarf entlaust, entzeckt oder entwurmt. Wenn nötig, verabreicht Schroll Medikamente oder Aufbauspritzen. Auf einem „Krankenblatt“ dokumentiert sie alles. Diese Daten fließen auch in die Igelforschung ein. „Etwa 1200 dokumentierte Tierbehandlungen haben zu einer Doktorarbeit beigetragen“, erzählt Schroll.

Die Igel kommen teilweise in jämmerlichem Zustand bei ihr an. Sie habe schon Tiere bekommen, deren Füße in Gartennetzen verheddert waren, erzählt sie. Erst kürzlich brachte jemand einen Igel, der an die 700 Zecken hatte. Sechs Stunden habe sie gesessen, bis sie alle abgesammelt hatte, so Schroll. „Kugeln des Glücks“ nennt sie ihre stacheligen Pensionsgäste. Weil es die Seele berühre, wenn man einem Igel zum ersten Mal ins Gesicht sehe, sagt sie. „Selbst wenn man mit einem Igel nichts am Hut hat.“ Ob sie die Tiere liebt? Nein, so würde die Oberbernbacherin es nicht bezeichnen. „Ich empfinde eine zeitweise Verantwortung für das Tier und Fürsorge, damit es im optimalen Zustand wieder in die Natur zurückgeführt werden kann.“ Das ist Schroll, die 2009 für ihr Engagement den Umweltpreis des Landkreises erhielt, wichtig: Sie behält die Igel nur so lange bei sich, bis sie sich stabilisiert haben. Dann übergibt sie sie wieder den Findern, denen sie mit Rat und Tat beisteht.

Normalerweise werden die meisten Igel im Herbst gefunden. Die milden Wintertemperaturen sorgen jedoch dafür, dass bei Schroll seit Weihnachten kontinuierlich immer wieder Tiere abgegeben werden. Knapp 20 Pensionsgäste hat sie derzeit. „Das ist ganz atypisch“, sagt sie. Bei den momentanen Temperaturen würden auch Igel, die Winterschlaf halten, nur oberflächlich schlafen, weiß die Fachfrau. Das Gefährliche daran: Die Tiere verbrauchen dabei mehr Energie als im normalen Winterschlaf und wachen im Frühjahr geschwächt auf.

Was tun, wenn man einen Igel findet

Hilfe Hilfsbedürftig sind verletzte Igel, verwaiste Igelsäuglinge und Igel, die nach Wintereinbruch, das heißt bei Dauerfrost und/oder Schnee, herumlaufen.

Ausnahmen Ausnahmen bilden aufgestörte Igel. Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, in Garten und Parks gearbeitet, Baumaßnahmen begonnen werden oder Hunde herumstöbern, können Igelnester zerstört sein. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf. Manchmal wechseln säugende Igelweibchen tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem Tagesschlafplatz.

Unterkunft Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigene Unterkunft von etwa zwei Quadratmeter Fläche und 50 Zentimeter Höhe und ein Schlafhäuschen.

Ernährung Neben der medizinischen Versorgung und artgerechter Unterbringung ist die richtige Fütterung das A und O der Igelpflege. Grundnahrungsmittel sind Katzen- oder Hundedosenfutter, Eier (hart gekocht oder als Rührei), Geflügelfleisch (gekocht), Hackfleisch (kurz anbraten, bis es durchgegart ist). Als Ballaststoffe eignen sich Weizenkleie, Haferflocken oder Igeltrockenfutter. Zu Trinken bekommt der Igel frisches Wasser.

Winterschlaf Erreicht ein in Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (600 bis 700 Gramm) erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muss man bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entlässt. Aber auch ein Igelpflegling, der bei Menschen überwintern muss, soll Winterschlaf halten dürfen. (drx)

Quelle: www.pro-igel.de

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