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Dekanat Aichach

08.10.2011

Missbrauchsverdacht: Staatsanwälte stellen Verfahren gegen Pater ein

Symbolbild
Bild: DPA

Ein Pater aus dem Dekanat Aichach stand unter Verdacht, eine 13-Jährige begrapscht zu haben. Doch die Anschuldigung stimmt nicht mit den Zeugenaussagen überein.

Wegen nicht ausreichender Beweise hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ihre Ermittlungen gegen einen Pater aus dem Dekanat Aichach eingestellt. Der Ordensgeistliche stand im Verdacht, ein damals 13-jähriges Mädchen vor über einem Jahrzehnt in einer Pfarrei bei Schrobenhausen sexuell missbraucht zu haben. Seit 2006 wirkte er in den Pfarreien Willprechtszell (Gemeinde Petersdorf) und Gundelsdorf (Markt Pöttmes) seelsorgerisch mit.

Auf Anfrage der Aichacher Nachrichten teilte Ingolstadts Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Helmut Walter am gestrigen Freitag mit: „Die Anschuldigungen haben nicht mit den Zeugenaussagen übereingestimmt.“ Deshalb sei das Verfahren „zugunsten des Beschuldigten“ eingestellt worden, ohne dass es zu einer Anklage kam. Wie berichtet, hatte die Betroffene dem Priester erst im Sommer Berührungen und Begrapschungen vorgeworfen. Sie sollen sich in einem kirchlichen Unterricht zugetragen haben. Die Diözese hatte den Mann daraufhin am 29. Juli mit sofortiger Wirkung vom Dienst entpflichtet und beurlaubt.

Markus Kremser, Pressesprecher der Diözese Augsburg, erfuhr am gestrigen Freitag durch unsere Zeitung von dem eingestellten Verfahren. Er wollte sich zu diesem frühen Zeitpunkt nicht dazu äußern, wie die Diözese nun verfährt und wann entschieden wird, wo der aus Indien stammende Pater seinen Dienst wieder aufnehmen kann. Der Missbrauchsbeauftragte der Diözese Augsburg, Otto Kocherscheidt, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Auch Dekan Stefan Gast aus Inchenhofen wurde gestern durch die Nachfrage unserer Zeitung überrascht. „Das erfahre ich zum ersten Mal“, sagte er über das eingestellte Verfahren. „Aber ich freue mich, dass es so ausgegangen ist.“ Er habe jedoch „fast damit gerechnet, dass es so kommt“ und hoffe nun, „dass die Sache beigelegt werden kann“.

Bei Ordensbrüdern Zuflucht gesucht

Gast wusste ebenso wenig wie der Pressesprecher der Diözese eine Antwort darauf, wie es nun mit dem Pater weitergeht. Vor allem, da dieser nach dem Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen unter Umständen noch mit kirchenrechtlichen Folgen rechnen muss. Zu dem Priester, der nach seiner Beurlaubung den Pfarrhof in Willprechtszell verließ und bei seinen Ordensbrüdern Zuflucht gesucht haben soll, hatte Gast nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen keinen Kontakt mehr. „Ich weiß nicht, wo er ist. Aber ich hoffe, dass er rehabilitiert wird. Die Frage ist natürlich, was bei den Leuten hängen bleibt“, so Gast.

Nur eine Woche, nachdem er im August sein Amt als Dekan angetreten hatte, hatte ihn die Nachricht über den Missbrauchsverdacht gegen den Pater erreicht. Ein schwerer Einstand, wie Gast einräumte. Dass das Verfahren gegen den Pater eingestellt wurde, werde für ein „Aufatmen im Dekanat“ sorgen, hofft er.

Der Pater gehört seit 1975 seiner Kongregation der heiligen Teresa vom Kinde Jesu an. Der Orden hat seine deutsche Niederlassung bei Karlskron (Kreis Neuburg-Schrobenhausen). Der Mann wurde nach Philosophie- und Theologiestudium 1982 in seiner Heimat zum Priester geweiht. Er arbeitete im Ordens-Mutterhaus in der Finanzverwaltung und später 13 Jahre als Schuldirektor in Nordindien. Die Kongregation schickte ihn 1997 nach Deutschland. Hier war er als Kaplan in der Diözese in Augsburg-Oberhausen, Aresing und Violau tätig. Der Missbrauchsvorwurf fällt in seine Zeit in Aresing-Oberlauterbach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen).

2004 folgte die erste Pfarrstelle in Asbach-Bäumenheim (Donau-Ries). Der Priester verließ die Pfarrei nach nur einem Jahr. Dazu gab das Augsburger Ordinariat unserer Zeitung damals keine näheren Auskünfte. Nach unseren Informationen sollen Probleme zwischen Pfarrer und Gremien der Pfarrgemeinde Grund für den schnellen Abschied gewesen sein. Seit 2006 arbeitete er in der Pfarrei Willprechtszell (mit Hohenried) und half bei Gottesdiensten in der Pfarrei Gundelsdorf mit den Filialen aus.

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