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Brauchtum

01.03.2018

Mit Hellebarde und Laterne auf nächtlicher Runde

Bernhard Rössner ist seit 25 Jahren als historischer Nachtwächter in Aichach unterwegs.
Bild: Gerlinde Drexler

Nachtwächter der Gilde treffen sich am Wochenende in Aichach. Höhepunkt ist eine Vorstellungsrunde

Mit Leib und Seele ist Bernhard Rössner historischer Nachtwächter. Der 72-jährige Aichacher macht Führungen in seinem traditionellen Gewand und ist fester Bestandteil der Mittelalterlichen Markttage in Aichach. Seit zehn Jahren gehört er auch der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren an. Rund 20 Mitglieder der Regionen Süd und Österreich kommen an diesem Wochenende, 3. und 4. März, zu einem Treffen nach Aichach. Höhepunkt ist eine besondere Vorstellung der Nachtwächter. Mittelalterlich gewandet und mit Hellebarde, Laterne und dem Horn zum Blasen ist Rössner als Nachtwächter unterwegs. Wie es dazu kam, dass er diesen Posten übernahm, wird er am Samstag um 20 Uhr am alten Rathaus in Aichach erzählen. Dann stellen sich alle Nachtwächter, die zu dem Treffen kommen, mit mehr oder weniger wahren Geschichten vor.

Um es gleich vorwegzunehmen: die von Rössner ist erfunden. Tatsächlich war es sein inzwischen verstorbener Bruder, der ihn zum Nachtwächter machte. Der Bruder gehörte 1993 bei den ersten Mittelalterlichen Markttagen in Aichach zum Organisationskomitee und hielt den heute 72-Jährigen für die ideale Besetzung, weil er Trompete spielen konnte und „ein gutes Organ“ hat.

Das wird aber nicht die Geschichte sein, die Rössner bei der Vorstellung erzählen wird. Da hat er sich eine ganz andere „Version“ ausgedacht: Als Penner habe er unter der Paarbrücke in Aichach geschlafen. Als die Stadt einen Nachtwächter suchte, erinnerte sich ein Mitglied des Stadtrates an den Trompete spielenden Penner. Als der Stadtrat ihn fragte, ob er an dem Posten Interesse habe, brummte Rössner immer nur als Antwort: Warum? Weil er keine Zähne hatte. Also schickte die Stadt ihn zum Zahnarzt, wo er neue Beißerchen bekam. Bei seinem ersten nächtlichen Einsatz war er allerdings wieder ohne Gebiss unterwegs. „Weil ich die Zähne nachts rausnehmen soll.“

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Zurück zur „echten“ Geschichte des Nachtwächters Bernhard Rössner. Der hielt seinen Bruder im ersten Moment für verrückt, als der ihm den Vorschlag machte. Fand dann aber schnell Gefallen an der Idee und informierte sich über den „Beruf“. Seine erste Kleidung habe er sich selbst geschneidert, erzählt der 72- Jährige. Auch seine Hellebarde ist Marke Eigenbau. Zugute kam dem Aichacher, dass er neben Müller und Graveur auch den Beruf des Stahlbauschlossers gelernt hat und das Schneidern eines seiner vielen Hobbys ist. Seine erste Runde als Nachtwächter wollte Rössner 1993 auf den Markttagen nicht allein drehen. Sein ehemaliger Feuerwehrkollege Walter Schmidbauer begleitete ihn.

Neben den Utensilien, die zu einem Nachtwächter gehören, hatten die beiden auch ein großes Trinkhorn dabei. Rund 2,5 Liter hätten in dem Horn eines afrikanischen Rindes Platz, erzählt Rössner. Als „Bezahlung“ ließen sich die beiden nach dem Singen der Stundenlieder in den Wirtschaften das Horn gerne mit Bier auffüllen. Inzwischen wird der 72-Jährige bei seinen Auftritten meistens von seinem Nachtwächterkollegen Manuel Hegner begleitet. Auch beim Treffen der Gilde-Mitglieder am Wochenende wird Hegner dabei sein. Ebenso wie Franz Gutmann aus dem Aichacher Stadtteil Untergriesbach, der immer wieder als Ersatz einspringt, wenn Rössner verhindert ist.

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