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Auftritt

21.10.2019

Mit Humor und Liebe zur bayrischen Heimat

Maxi Pongratz hat mit seinem Akkordeon im Freiraum in Blumenthal seine Fans begeistert.
Bild: Manuela Rieger

Wer Oberbairisch kann, ist im Vorteil: Maxi Pongratz solo im Freiraum in Blumenthal

Der humorvolle Umgang mit Überlieferung hat Tradition in Bayern: Bis zu ihrer viel betrauerten Auflösung im vergangenen Jahr füllten die vier Musiker von Kofelgschroa noch die Hallen. Nun gehen die Musiker eigene Wege und musizieren nur noch zeitweilig miteinander. Nur Maxi Pongratz, der Texter und Komponist der ehemaligen Gruppe, versucht sich mit einem Alleingang und stellte nun seine neue CD und deren Lieder im Freiraum in Blumenthal vor.

Am liebsten war Maxi Pongratz während seiner Gärtnerlehre die Arbeit auf dem Friedhof, weil man ihn dort als Lehrling alleine arbeiten ließ. Wie er es in seinem vertrauten oberbayerischen Idiom singt, nutzte er diese Arbeit dazu, manchmal hinter den Grabsteinen zu schlafen. Geschrieben hatte Pongratz die meisten der 13 Stücke eigentlich für Kofelgschroa, die von ihm zusammen mit Matthias Meichelböck und den Brüdern Michael und Martin von Mücke gegründete Volksmusiktruppe, die sich vielleicht nicht gänzlich aufgelöst hat. Wer weiß?

Das tägliche Leben ist ein anstrengendes. „Es geistert“ spielt Pongratz zu Beginn auf seinem Akkordeon und zum Ende des Stückes erklärt er, was da spukt: viele Gedanken durcheinander. Und nachdem er mit Kofelgschroa über eine Wäscheleine gesungen hat, macht Pongratz die „Regenrinne“ am Haus zum dichterisch-musikalischen Objekt und lässt die Tropfen in die Tonne purzeln. Seine poetischen, mit trockenem Wortwitz durchsetzten Texte begeistern, wie etwa im „Augenlied“ über das Augenlid, mit dem man, außer mit den Wimpern klimpern, wie mit einem Fensterladen die Welt aussperren kann. Oder in „Leiden“ über die Qual der unzähligen Entscheidungen, die jeder Tag so mit sich bringen kann. Oder über einen „sonnigen Sonntag“, der für einen anonymen Obdachlosen zu seinem letzten wird, irgendjemandem muss er doch fehlen. In „D’Nocht is miad“ freut sich die Nacht darauf, dass am Morgen auch sie endlich schlafen darf.

Was den Sprachwitz in den Liedern von Pongratz angeht, da können ein paar Oberbairischkenntnisse nicht schaden. Dabei gibt es unter den Stücken auch komplette Instrumentalnummern. Er ist leiser als die alte Combo, trägt Jeans und T-Shirt statt Lederhose, aber in seinen Liedern und den Texten schwingt unverkennbar die Liebe zur Heimat mit. Auch wenn die sich nicht immer einfach gestaltet. Wie bei vielen anderen Künstlern wird es da, wo die Musik vermeintlich typisch marschähnlich wird, eher humoristisch. Bei Pongratz geht es nicht um Nationalstolz, sondern vielmehr um die augenzwinkernde Betrachtung des Alltäglichen: Die Wäsche trocknet an der Sonne, aber auch im Wind.

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