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06.07.2010

Mit Krawall statt leiser Töne gegen Drogen

Vollen Körpereinsatz zeigt Kabarettist Eisi Gulp mit "Hacke dicht!" am Aichacher Deutschherren-Gymnasium. Foto: Barbara Worschech
Bild: Barbara Worschech

Aichach Laute Musik dröhnt aus der Aula des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums (DHG). Es klingt eher nach Party als nach Kabarett. Und schon gar nicht nach einem Vortrag zur Suchtprävention. Doch Comedian Eisi Gulp ist gestern gelungen, all das zu vereinen. Krawall durchzieht sein Programm "Hacke dicht!" Dass er auch anders kann, beweist er im Lauf des Vormittags.

Durch seine Tanzeinlage zu Beginn ist Gulp, der auch ausgebildeter Tänzer und Schauspieler ist, auf jeden Fall die Aufmerksamkeit seines Publikums sicher. Diese verlässt ihn auch in den folgenden knapp zwei Stunden nicht. Er nimmt sich Zeit, hampelt herum, bis er zu seinem Thema kommt, dem Umgang mit Alltagsdrogen wie Nikotin und Alkohol, aber auch harten Drogen. Doch dann wird der Kabarettist umso deutlicher: "Was gibt es Dümmeres, als Zigaretten zu rauchen?", fragt er die Schüler der achten und neunten Klassen. Sie sollen sich nicht von der Tabakindustrie "verarschen" lassen, denn es gehe nur um Kohle. Raucher seien keine besseren oder schlechteren Menschen, aber "ganz einfach Junkies", so Gulp. Cool sei daran gar nichts.

Wegen des aktuellen Volksentscheids nimmt er auch den "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" in die Mangel: "Gelbe Zähne und Finger sowie Gestank, was soll das mit Kultur zu tun haben?" Zudem ballerten Zigaretten noch nicht einmal, "dann schon lieber kiffen".

Bei derartigen Kommentaren scheint so manchem Lehrer das Lachen im Halse stecken zu bleiben. Doch Gulp lässt die Aussage so nicht stehen. Mit drastischen Worten, "das killt Eure Struktur im Gehirn", warnt er die Jugendlichen vor dem Cannabis-Konsum.

Mit Krawall statt leiser Töne gegen Drogen

Natürlich vergisst er nicht die Volksdroge Nummer eins: Alkohol. Wie auch bei den anderen Themen spricht er nicht einfach darüber, sondern spielt die Auswirkungen. Verschiedene Typen von Betrunkenen stellt er dar, torkelt, hüpft, würgt vor der imaginären Kloschüssel. "Und dann kniest Du nieder vor diesem kleinen weißen Porzellanaltar und steckst Dein Gesicht da rein, wo es nie sein sollte", sagt er ins Publikum. Das verstohlene Grinsen mancher Schüler verrät, dass solche Situationen für sie nicht neu sind.

Gulp warnt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger

Mit ernsten Worten und der Aufforderung, die Birne einzuschalten und kommerzielle Mechanismen zu durchschauen, verabschiedet sich der 54-Jährige von seinen rund 200 Zuhörern. Bernd Ganster, Lehrer und Beauftragter für Suchtprävention am DHG, ist von der Wirkung des Programms überzeugt. Er sei beeindruckt, dass es Gulp gelungen ist, "über 90 Minuten eine so große Gruppe von Schülern nur mit seiner Person zu fesseln".

Der Erfolg gibt Gulp jedenfalls recht. Schon mehr als 200 Mal ist er mit der Show an Schulen, Jugendzentren oder anderen Einrichtungen aufgetreten. Dass er den moralischen Zeigefinger dabei nie auf sie richtet, danken ihm die DHG-Schüler mit ihrer Konzentration, Gelächter und viel Applaus. (bawo)

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