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DSL-Versorgung auf dem Land

04.06.2011

Mit dem „Breitband-Porsche“ durchs Netz

Schnelles Internet ist auf dem Land oft ein vergeblicher Wunsch. Altomünster geht nun neue Wege.
Bild: Archivfoto: privat

Marktgemeinde Altomünster schlägt im Verein mit einer Bürgerinitiative neue Wege ein. 100-Megabit-Luxus-Anschluss soll ohne extra Kosten möglich sein. Im Aichacher Land gibt’s meist nur 16 Megabit

Altomünster/Aichach-Friedberg Für Internetnutzer vom Lande klingt es einfach nur phantastisch: Ein Glasfaserkabel bringt das weltweite Netz mit Hochgeschwindigkeit ins eigene Wohnzimmer. Und das zu üblichen monatlichen Gebühren. Der Markt Altomünster im Nachbarlandkreis Dachau hat einen neuen Weg eingeschlagen, um seine vielen Ortsteile gut an das Internet anzuschließen. Klappt es, könnten die Surfer in Wollomoos, Thalhausen und Co. bald mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (siehe Infoartikel) über die Datenautobahn sausen. Sie hätten dann praktisch den „Breitband-Porsche“ zur Verfügung.

Wie häufig berichtet, können im Wittelsbacher Land viele Gemeinden ein Lied vom DSL-Problem singen. In der Flächengemeinde Altomünster mit 33 Ortsteilen ist es besonders ausgeprägt. Viele Dörfer liegen buchstäblich in der DSL-Diaspora. Die Übertragungsmöglichkeit liegt bei „teilweise fast Null“, erzählt Bürgermeister Konrad Wagner. Unternehmen wie die Telekom winken ab: „kein Interesse“. Einige Bürger wollten das nicht mehr hinnehmen. Im Ortsteil Thalhausen machte sich eine Bürgerinitiative auf die Suche nach einer Alternative.

Das Ergebnis hat Hand und Fuß, wie sich Bürger jüngst bei Informationsabenden überzeugen konnten. Als „absolut überzeugend“ schildert eine Mitarbeiterin der Stadt Aichach das Konzept. Sie selbst lebt in einem kleinen Altomünsterer Ortsteil und wäre beim unterbreiteten Angebot sofort mit von der Partie. Mit der Erwartung, 600 bis 1000 Euro Anschlussgebühr für eine gute Internetleitung bezahlen zu müssen, ging sie in den Abend. Heraus kam sie mit der verlockenden Möglichkeit: keine Anschlussgebühr, sondern nur monatlich 54 Euro für Telefon und für sie passendes Internet.

Mit dem „Breitband-Porsche“ durchs Netz

Wie das funktionieren soll? Der Altomünsterer Weg auf die Datenautobahn hat drei Komponenten: die Marktgemeinde, die ProviderFirma Mygate und eine private Netzbetreibergesellschaft. Sie starten ein Pilotprojekt für Thalhausen, Wollomoos und Pfaffenhofen. Bedingung: 75 Prozent aller Haushalte müssen anschließen. Damit steht und fällt das Konzept, das Modellcharakter haben könnte.

Gemeinden wie Aindling, Todtenweis und Petersdorf brauchen es nicht mehr. Sie bedienen sich nach der Pleite mit Mvox der neuen LTE-Technik. Für Pöttmes war das keine Alternative. Die Funkmasten fehlen. Im Markt gibt es nun ein Mischkonzept aus Glasfaserkabeln und Richtfunk. 260000 Euro nimmt die Gemeinde dafür in die Hand. 100000 Euro Zuschuss gibt es. Bürgermeister Franz Schindele kann sich darüber nicht freuen. Ihn ärgert, dass der Markt mit seinen vielen Ortsteilen genau so viel (oder wenig) Förderung bekommt wie kleinere Kommunen, die nicht so große Distanzen überwinden müssen. Schindele freut aber, dass zumindest in drei Dörfern, die „Datenautobahn ins Wohnzimmer“ angeboten werden kann: In Au, Pertenau und Eiselsried können Glasfaserkabel weitgehend die alten Telefon-Kupferkabel ersetzen, weil Eon eine Starkstromleitung baut. Noch heuer sollen dort bis zu 50 Megabit pro Sekunde möglich sein. Der Anschließer bezahlt eine einmalige Gebühr von knapp 300 Euro.

Günstige Tarife

Beim Altomünsterer Pilotprojekt ist das nicht nötig. Dort soll’s Internet in Hochgeschwindigkeit zu derzeit gängigen Tarifen geben. Der Altomünsterer Gemeinderat und Straßenbauunternehmer Christian Schwaiger unterstützt den Sonderweg. Er will als Privatperson selbst in die Netzbetreibergesellschaft einsteigen. Denn Schweiger ist überzeugt: In Zukunft werden sogar Geschwindigkeiten über 100 Megabit/s gefragt sein. Dann sei die Glasfaserleitung ohne Probleme erweiterbar. Die heutigen Standardnutzer, die, wie in vielen Aichacher Ortsteilen, gerade erst die 16 Megabit-Versorgung ergattert haben, sind dann abgehängt. Die alten Kupfer-Telefonleitungen lassen keine größeren Datenmengen durch. Da sei die Zukunft über Jahre hinaus verbaut, sagt Schweiger.

Ende Juni zeigt sich, ob sich das Altomünsterer Land von der DSL-Diaspora zum DSL-Dorado mausert. Bis dahin müssen sich die Haushalte entschieden haben, ob sie den „Breitband-Porsche“ haben wollen, von dem viele Internetnutzer nicht nur auf dem flachen Land träumen. "ANsichtssache Seite 1

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