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Vernissage

12.05.2015

Mit der Kunst segeln gehen

Begehbare Kunst, so gewollt von Antje Sträter: Ihre bunten Segel kommen im großen Raum des San-Depots in Aichach besonders zur Geltung.
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Begehbare Kunst, so gewollt von Antje Sträter: Ihre bunten Segel kommen im großen Raum des San-Depots in Aichach besonders zur Geltung.

Unter dem Titel „Der Elefant läuft und lässt die Hunde bellen“ präsentiert der Kunstverein Aichach Schlüsselwerke aus Antje Sträters Schaffen. In ihren Werken verbirgt sich immer mehr, als das Auge sieht

Der letzte Satz der Laudatio von Nikolai Vogel im großen Raum des San-Depots mit Blick auf Antje Sträters farbenprächtige Segel hätte passender nicht sein können. „Gehen wir segeln“, sagte er, im Sinne von: „Treiben wir hinein in die unbeschwerte Vielfarbigkeit dieser kunstvollen Segel, genießen wir die leichte Brise, und, vor allem, erleben wir hautnah diese frei schwebenden, berückenden Kunstwerke.“ Die zahlreichen Vernissage-Gäste taten genau dies.

Antje Sträter zeigt unter dem ungewöhnlichen Titel „Der Elefant läuft und lässt die Hunde bellen“ im San-Depot als Retrospektive Schlüsselwerke ihres künstlerischen Schaffens aus den vergangenen 30 Jahren. Momente ihres bewegten Künstlerdaseins, dem sie erst 1983 als freischaffende Künstlerin die entscheidende Richtung gab. Kurator Andreas Stucken ging gleich nach Jakob Steinberger, dem Vorsitzenden des Aichacher Kunstvereins, auf die Schaffensetappen im Künstlerleben Sträters ein. Eine Reise in deren künstlerische Vergangenheit, die in Italien ihren Ursprung nahm. Hier grub Sträter in der Erde, hier brannte sie Terrakotta-Ziegel, hier war sie eine Künstler-Archäologin, die aus Ruinen ihr Eigenes machte und archaischen Völkern auf die Spur kommen wollte, um ihnen, kunstvoll, Form und Ausdruck zu geben.

Wie intensiv das vor sich ging, mit welchem Impetus und Anspruch Antje Sträter zu Werke ging, das erläuterte Laudator Nikolai Vogel wortreich und wortgewandt. Die Exponate – „Die Stadt der Säulen“, die Steine, die Bambusrohre, die Zeichnungen, die „Sockelmenschen“, die Etrusker-Serie, die Segel – sie spiegeln Sträters Kunstfertigkeit, ihr individuelles Kunstverständnis und ihren besonderen Blick auf den Menschen wider. Immer wieder geht es ihr um Bewegung, Zwischenräume, die es zu füllen gilt, um neue Wahrnehmungsimpulse zu geben. Wichtig sind ihr die elementaren Dinge. Sträter verwendet Abfallholz, um ihr Modell einer Tempel-Ruine zu bauen. Aus Erden verschiedener Länder und unterschiedlicher Beschaffenheit hat sie ihr „Erdbuch“ geformt, mit dem sie 2000 den ersten Aichacher Kunstpreis gewann.

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Nikolai Vogel ging auf die Metaphorik einzelner Werke ein, hinter denen sich immer mehr verbirgt als das, was das Auge sieht. Eine Säule ist keine Säule in Sträters „Die Stadt der Säulen“. Ihre Säule hat ein „Rückgrat“ aus durchsichtigem Wellplastik, fällt leicht um und stellt, mit Friedrich Schillers Worten, das menschliche Wissen infrage. Genauso sind Sträters Steine keine Steine, wiewohl sie genauso daliegen. Sie sind innen hohl, Sträter hat sie aus Schamott und Ton geformt. Indem sie ihnen die Schwere nimmt, bekommt das Hohle Übergewicht, das es wiederum zu füllen gilt. Anreiz zur Imagination. Nikolai Vogel sprach hier von einer „Mimesis als raffiniertes Spiel“, mit der das Gegebene ins Gegenteil verkehrt wird.

Im großen Raum des San-Depots dominieren die Segel. An ihren „Ufern“, so Vogel, hatte Sträter Bilder gehängt, die zum Teil Projektionen, Ergänzungen der farbigen Gehänge waren. Ganz besondere „Wächter“ an diesem Ufer waren, so Vogel, Sträters „Sockelmenschen“. Von denen eigentlich nur die selbstbewusst gestreckten Köpfe deutlich zu erkennen waren. Zumindest einer von ihnen hat dabei das Gesicht verloren: Sträter malte eine weiße Fläche.

Weiter hinten im Raum, hinter all den Segeln, harrte der „Elefant“. Dicht behangen mit bunten Streifen, alles Abfälle aus Sträters Segelkollektion. Ein künstlerisches Zufallsprodukt, das eines Tages, so die Künstlerin, plötzlich in ihrem Atelier „da war“.

Nikolai entschlüsselte ganz am Schluss seiner Laudatio den Kunstausstellungs-Titel: „Wir alle sind die Elefanten“, den „bellenden Hunden“, die uns vom Weg abbringen wollen, sollten wir Paroli bieten. Eben: „Gehen wir segeln.“

Die Ausstellung ist im San-Depot in Aichach, Donauwörther Straße 36, bis Sonntag, 21. Juni, zu folgenden Zeiten geöffnet: Samstag, Sonntag und Feiertag jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie auf Anfrage. Der Eintritt ist frei.

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