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Mobilität: Sind die Bankerl in Sielenbach naiv?

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Kommentar Von Carmen Jung
05.05.2018

Das neue Mitfahrkonzept wirft einige Fragen auf, und Befürchtungen.

I steh’ in da Köd’n und woart auf a Taxi und es kummt ned.“ So heißt es in einem Lied der deutsch-österreichischen NDW-Gruppe DÖF aus den 80ern. In der Kälte stehen und vergeblich auf ein Taxi warten, ist nicht schön. Ein Taxi aber kann man immerhin bestellen. Beim Mitfahrbankerl ist das nicht möglich. Mitgenommen wird der Passagier nur, wenn ein Auto anhält. Und so was soll funktionieren?

Die Idee mutet naiv an. Da stellt einer eine Bank auf und wenn irgendwer darauf sitzt, heißt das: Er will mitfahren. Muss nur noch ein Autofahrer so nett sein... Ein solches Bankerl steht nun in Sielenbach. Es ist der Anschluss an eine Initiative aus dem Dachauer Hinterland. Der Altlandkreis Aichach, aufgelöst 1972, verbindet sich damit auf neue Weise. Momentan kann der Sielenbacher nach Altomünster, Wollomoos, Thalhausen oder Pfaffenhofen „reisen“. Denn nur dort gibt’s weitere Bankerl. Auch dadurch wirkt die Idee naiv.

Trotzdem ist sie gut. Richtig gut sogar. Denn wie oft sitzt heutzutage ein Fahrer allein im Auto? Es geht um Umweltschutz. Es geht darum, dass Menschen ohne Auto auf dem Land nicht den Anschluss verlieren. Den Initiatoren geht es sogar um noch mehr: Sie wollen Menschen zusammenbringen. Denn wer miteinander im Auto sitzt, der spricht auch miteinander.

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Das Sielenbacher Bankerl ist noch einzigartig im Wittelsbacher Land. In Ried steckt die Idee fest. Gerade für Senioren, die besonders an einem Bankerl interessiert sein könnten, sei es ungeeignet, weil damit zum Beispiel ein Arztbesuch nicht planbar sei, lautet ein Gegenargument. Ein weiteres wäre: Man weiß ja nicht, wer da anhält. Stimmt alles. Doch: Einsteigen muss keiner, wenn er sich nicht wohl fühlt. Das ist eine der Spielregeln.

Hoffentlich gibt’s bald mehr von diesen Bankerln und viele Autofahrer, die anhalten. Dann wird aus einer naiven Idee ein Selbstläufer und ein starkes Zeichen gegen den Zeitgeist, der da lautet: Jeder sorgt sich in erster Linie um sich selbst.

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05.05.2018

Sielenbach ist nun nicht gerade groß.
Wenn Senioren sich einzig auf diese Möglichkeit verlassen müssen, stimmt etwas nicht.
Aber die meisten der Senioren wissen sicher noch wie man sich an die Strasse
(als Tramper) stellt, und den Daumen in die gewünschte Fahrtrichtung hält.

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05.05.2018

Und wie sind diese "Bänkerl" für einen Autofahrer der die Durchgangsstrasse befährt erkennbar?
Oder wer mitfahren will, oder sich nur einfach Ausruht?

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