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Auftritt

27.03.2015

Mordsspaß mit Jörg Maurer

Autor liest in Aichacher Buchhandlung Rupprecht aus seinem druckfrischen Alpenkrimi „Der Tod greift nicht daneben“.

Bislang beschränkte sich Jörg Maurer bei den Titeln seiner Krimis auf ein einziges Wort. Nach „Föhnlage“, „Hochsaison“, „Niedertracht“, „Oberwasser“, „Unterholz“ und „Felsenfest“ hat der Garmischer Bestsellerautor für seinen siebten Alpenkrimi gleich einen ganzen Satz gewählt: „Der Tod greift nicht daneben“. Der passt sogar auf ein Maibaumtaferl und ziert den Buchdeckel.

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Im idyllischen Kurort mitten in der schaurig-schönen bayerischen Vorgebirgslandschaft ermittelt Kommissar Hubertus Jennerwein samt bewährter Mannschaft in einem unheimlichen Fall. Im Fokus steht ein gemeiner Häcksler.

Nur so viel wie nötig, um dem Leser Lust auf mehr zu machen, gab Jörg Maurer in der Aichacher Buchhandlung Rupprecht von seinem neuem Mords-Buch preis: Ein Ex-Nobelpreisjuror, Dr. Bertil Carlsson, endet im Häcksler. Was dabei heraus kommt, las Maurer mit unüberhörbarer voyeuristischer Lüsternheit und genauso viel Ekel vor. Auch wie sein Chef-Ermittler Jennerwein zwischenzeitlich selbst in ärgste Bedrängnis gerät – mit einer Hand baumelt er über einem mit spitzen Messern bestückten Walzenwerk –, endete just in dem Moment, als die Spannung am höchsten war.

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Maurer sprang in seinem Buch hin und her, verriet weder Beweggrund noch Tatverdächtige. Die rund 180 Zuhörer waren völlig damit zufrieden, dass er nur auszugsweise vorlas. So blieb genug Zeit, um aus der Maurer-Lesung die typische Maurer-Show zu machen. Bestens gelaunt und aufgedreht, so als ob er alles zum ersten Mal zum Besten gäbe, mimte er sich in alles und jedes hinein, was ihm in den Sinn kam. Sich selbst inbegriffen. Improvisierte, kabarettisierte, schien die Worte gelegentlich genüsslich zu zermalmen, um sie dann im Wortschwall aufs Publikum loszulassen.

Er kann ziemlich viel sehr gut – der Ex-Lehrer, Drehbuchautor, Musiker, Kabarettist, Theatermann und mehrfache Preisträger. Trotz angeschlagener Stimme sprach er in Aichach aus dem Vollen. Ließ als Zugabe Günter Grass einen Schüleraufsatz über „Mein schönster Zoobesuch“ als Auftragsarbeit schreiben und auszugsweise aus der 50-seitigen Novelle laut vorlesen.

Gleiches Thema bei Charles Bukowski, hier mit nonstop kopulierenden Spatzen. Während Luis Trenkers Sippe sich abwechselnd am Pythongulasch und dem Geckoschäufele ergötzte, bis der örtliche Zoo im Grödnertal leer gefressen war. Das Ganze trug Maurer jeweils im spezifischen Sprachduktus oder Originaldialekt vor, den er samt Tonhöhen und gutturalen Stoßlauten perfekt beherrscht. Er gab Einblicke in den Schaffensprozess seines Schreibens und verriet seine bevorzugten Inspirationsquellen: Fußgängerzone und Fußballkommentare. Kein Wunder, dass dieses Dem-Volk-aufs-Maul-schauen sich in seinem Schriftstellertum schräg, witzig, bitterböse und höchst vergnüglich verdreht wiederfindet.

Angereichert mit Maurers reicher Fantasie und lustvoller sprachlicher Kreativität, ist auch sein neues Werk kein linearer Krimi, bei dem zügig zum Ende hin ermittelt wird. Die Menschen mit den vielversprechenden Namen Hubertus Jennerwein, Maria Schmalfuß, Annamirl Amsel, Sebastian Pirxl, Frau Schnitzy, Motte Viskacz, Ursel und Ignaz Grasegger ... agieren kreuz und quer. Sie werden nach allen Regeln der Kunst losgeschickt.

Diesmal, so verspricht der Vorspann, basieren die Ereignisse „auf einem wahren Fall“. Maurers nächster Fall bahnt sich auf der letzten Seite seines bisher letzten Werkes an: „Wer kommt da den Kramerhangweg entlanggestapft? ... Ist das der Autor? Grimmig hat er ein Beil geschultert … Er bewegt sich genau auf mich zu … Er holt mit dem Beil aus … Schlägt zu …“ Man darf mordsmäßig gespannt bleiben.

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