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Konzert

05.06.2018

Musik mal ganz zart und mal dramatisch

Die Aichacher Sängerin Isabelle Pabst (Zweite von links) präsentierte mit Tired Eyes Kingdom ihr neues Musikprojekt im Blumenthaler Freiraum.
Bild: Manfred Zeiselmair

Isabelle Pabst feiert mit ihrer neuen Band Tired Eyes Kingdom in Blumenthal ein fulminantes „Heimspiel“

Die Aichacher Sängerin Isabelle Pabst ist ein Mensch voller Gefühle. Und das drückt sich auch, seit sie auf der Bühne steht, immer wieder in ihrer Musik und ihren Liedern aus. „Endlich wieder in der Heimat zu spielen – das ist für mich wie Geburtstag haben“, sagte sie jetzt in Blumenthal. Zusammen mit ihrer neuen Band Tired Eyes Kingdom, die sich zu Beginn ihres Masterstudiengangs vor knapp drei Jahren auf der Pop-Akademie in Bochum formiert hat, begeisterte sie am Freitagabend im Blumenthaler Freiraum ihr heimisches Publikum.

Der Sound von Tired Eyed Kingdom ist elektronisch bestimmt, hat aber wenig mit experimenteller Musik zu tun. Er wirkt ausgereift und sehr professionell. Ein eigener Stil zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Alle Songs werden live eingespielt, nichts kommt aus der Konserve.

Und die vier studierten Musiker können mit klassischen Instrumenten umgehen: Der Israeli Yotam Schlezinger, der die Rockelemente einbringt, bedient neben seiner Live-Ableton, einer mit dem Laptop verbundenen speziellen Musiktastatur, auch eine Bassgitarre. Bei Isabelle Pabst kommt zu ihrem Gesang und einem Effekt-Gerät eine klassische Gitarre zum Einsatz. Die Türkin Elif Dikec, die in Istanbul klassisches Piano studiert hat, beweist neben ihren Gesangsqualitäten, dass eine Konzertmusikerin auch Synthesizer bedienen kann. Einzig der Berliner Techno-DJ Felix Nisblé bleibt seiner Drum-machine treu, die er wie ein Spielzeug behandelt und aus der er eine unglaubliche Bandbreite an Percussions hervorzaubert – mal sanft-zart und schleppend, mal durchdringend und treibend.

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Wer nun glaubt, dass elektronisch bestimmte Musik nur was für Techno-Freaks ist und dabei Gefühle außen vor bleiben, der wird bei Tired Eyes Kingdom eines Besseren belehrt. Der aufmerksame Zuhörer erkennt viel Feingefühl, oft verbunden mit dramatischen Elementen, in den Stücken. Man glaubt, rhythmisch aufbrausendes Meeresrauschen zu hören, vermischt mit mystischen Synthesizerklängen.

Immer wiederkehrende und intensiver werdende Sequenzen treiben durch den elektronischen Einsatz von Glockenspielen, Trommel- und Bassinstrumenten dem Höhepunkt zu, um dann plötzlich abzuebben und den Raum für Isabelle Pabst mit ihrer glasklaren Stimme freizugeben.

Viele Stücke trägt sie zusammen mit Elif Dikec zweistimmig vor. Ein Schlaflied zum Träumen, „das von Piraten handelt“, beginnt im Zeitlupen-Tempo, um dann mit einsetzendem Stampfen immer intensiver zu werden und mit dem Gesang der Meerjungfrauen Isabelle und Elif zu enden. Auch viele rockige Elemente stecken in den Songs der jungen Truppe, wozu Isabelle Pabst ausdrücklich das „Mittanzen erlaubt“. Einmal schlagen sie in einem brandneuen Song, den sie zum fünften Jahrestag der sogenannten Gezi-Park-Proteste gegen die Regierung des türkischen Präsidenten Erdogan geschrieben haben, sogar politische Töne an.

Die meisten Songs von Tired Eyes Kingdom stammen aus der Feder der beiden weiblichen Bandmitglieder, wurden aber gemeinsam ausgereift. Mit „Daydreaming“ von Radiohead haben sie auch einen – elektronisch aufgepeppten – Coversong im Programm, der mit Isabelle Pabst an der Bassgitarre so gut ankommt, dass das Publikum genau diesen als allerletzte Zugabe einfordert.

Schon am Freitag, 22. Juni, wird Isabelle Pabst erneut in Aichach zu sehen und zu hören sein. Zusammen mit ihrem ehemaligen Musiklehrer Arnold Fritscher präsentiert sie ab 20.30 Uhr in der Wandelbar „Jazz-Classics and more“.

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