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Konzert

14.01.2020

Musikalische Reise zu den eigenen Wurzeln

Quadro Nuevo begeisterte im Aichacher Pfarrzentrum: (von links) Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Trompete), Mulo Francel (Saxofon, Klarinette), D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion) und Evelyn Huber (Harfe).
Bild: M. Zeiselmair

Das Ensemble Quadro Nuevo interpretiert auf seiner neuen CD alte Volkslieder überraschend neu. So wird der Abend im ausverkauften Aichacher Pfarrzentrum für viele Zuhörer zum unterhaltsamen Ratespiel

Sie haben sich der „Weltmusik“ verschrieben. Fremde Kulturen, deren Menschen und Geschichten inspirieren sie zu einer Musik, die ihren Ursprung im Jazz findet und seit mehr als 25 Jahren ihr Publikum begeistert. Nach vielen Reisen in Europa, Asien, Afrika und Amerika gastieren die vier außergewöhnlichen Musiker von Quadro Nuevo bereits zum dritten Mal in Aichach. Zu verdanken ist dies den guten und fast freundschaftlichen Kontakten von Konzert-Veranstalter Gustl P. Reil (GPR) aus dem Aichacher Ortsteil Klingen.

Quadro Nuevo trifft im seit Monaten ausverkauften Pfarrzentrum auf viele treue Fans. Im Gepäck haben sie ihre neue CD „Volkslied reloaded“. Saxofonist Mulo Francel beschreibt die rein instrumentale Interpretation alter deutscher Volkslieder als „Reise zu den eigenen Wurzeln“. Der Abend werde „exotischer als alles andere“, was Quadro Nuevo bisher auf die Bühne gebracht hat, kündigt er an.

Dass ihre Musik so ganz und gar nicht in eine Schublade passt, beweisen die vier Instrumentalisten gleich bei ihrer ersten Nummer. Geheimnisvoll leise und voll wohlig klingender Gefühle ertönt die Version eines alten Kinderliedes, das kaum einer auf Anhieb als „Maikäfer flieg“ erkennt. Voller Aufbruchstimmung und treibend entwickelt sich das Abschiedslied „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ zu einer swingenden Jazz-Nummer. Quadro Nuevos Version von „Der Mond ist aufgegangen“ ertönt als mystische Tango-Ballade. Das wegen des traurigen Textes als Tango prädestinierte „In einem kühlen Grunde“ spielen sie „erleichtert und voller Zuversicht“. Für manch einen Besucher wird der Abend zu einem kurzweiligen musikalischen Ratespiel.

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„Die Gedanken sind frei“ sind jazzig-frei interpretiert und veranlassen Mulo Francel zu einem „Friday for Future“-Statement für die Jugend. Seine Geschichten und die lockere Art, wie er von einem Stück zum anderen überleitet, kommen an beim Publikum. Dieses ist von der ersten Minute an in den Bann gezogen von der Perfektion und Leichtigkeit, mit der die Profis Gefühle und Stimmungen ausdrücken. Sie verzichten auf Gesang und Text und transportieren den Inhalt der Lieder auf instrumental-poetische Weise. Das Publikum lauscht entspannt, aber konzentriert, schenkt auch den leisesten Tönen Aufmerksamkeit, ohne zur rechten Zeit auf spontanen Zwischenapplaus zu verzichten. Man spürt, dass sich auch die Musiker wohlfühlen. In meisterhafter Vielfältigkeit und größter Spielfreude entlocken sie ihren Instrumenten die erstaunlichsten Töne.

Jeder Einzelne bekommt seinen musikalischen Freiraum, ohne die Mitspieler aus den Augen zu verlieren. Mulo Francel spielt begeisternde Soli auf mehreren Saxofonen und Klarinetten, D. D. Lowka treibt am Kontrabass und den Percussions den Rhythmus an und Andreas Hinterseher wechselt vom Akkordeon zum Vibrandoneon, einer Art Blasharmonika, und zur Jazztrompete. Evelyn Huber bleibt bis zum vorletzten Lied bei ihrer mit Blattgold belegten Harfe, leidenschaftlich und mit voller Hingabe. Nur für ein neapolitanisches Abschieds-Mondlied wechselt sie zum Hackbrett.

An die „Flying Carpet“-Reise ihrer vorangegangenen Tour erinnert der große orientalische Teppich, der vorne über den Bühnenrand hängt. Ebenso das Stück eines befreundeten Musikers aus Kairo. Dessen Verlauf entführt tänzelnd in einen arabischen Basar und entlockt Francels Klarinette und Hubers Harfe intensivste arabische Töne, zum Teil in atemberaubender Geschwindigkeit. „Ikarus Dreams“ entführt nach Samos und lässt Sehnsuchts-Träume erahnen.

Zum Gelingen des kurzweiligen Abends trägt in großem Maße Chef-Beleuchter Franz Heller bei, der das Quartett seit zehn Jahren begleitet und ihre Stücke kennt wie kein anderer. Mit seiner an- und abschwellenden Licht-Choreografie baut er gefühlvoll die Stimmungen auf und setzt die Protagonisten bei ihren Soli gekonnt in den richtigen Fokus. Quadro Nuevos „Reise zu den eigenen Wurzeln“, mit ihrer etwas anderen Interpretation der deutschen Volksmusik, kommt an beim Aichacher Publikum, das am Ende sogar mit Bravo-Rufen nicht geizt. Die am weitesten angereiste Besucherin kam vom anderen Ende der Welt. Die Chinesin Ding Jie wohnt im australischen Sidney und ist seit Jahren begeisterter Fan von Quadro Nuevo. Weil sie deren Konzert in ihrer Heimat in Peking verpasst hatte, kam sie mit Freund Huang während ihrer 35-tägigen Europareise am Samstagabend extra nach Aichach. Und war so begeistert, dass sie sich in der Konzertpause gleich sechs CDs der „Weltmusiker“ gekauft hat.

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