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Gachenbach

23.06.2020

Musiker aus der Region holen St. Tropez an den Baggersee

So sieht das Cover zum Remake „St. Tropez am Baggersee“ von Kennt kein Schwein aus. Das Original stammt aus den 1980er- Jahren von den Rodgau Monotones.
Bild: Conny Türk

Plus Ein Produzent aus Gachenbach und die Gruppe "Kennt kein Schwein" verhelfen einem 36 Jahre alten Lied zu neuem Glanz. Mit guter Laune gegen den Corona-Blues.

Maskenpflicht, Abstandsregeln, Angst um den eigenen Job und die Gesundheit, dazu die langen Ausgangsbeschränkungen – die vergangenen Wochen und Monate waren für viele Menschen wenig Anlass zu guter Laune. Genau diesem Corona-Trübsal wollen nun Musiker aus der Region mit einem besonderen Projekt entgegenwirken. Sie haben den Hit „St. Tropez am Baggersee“ der Rodgau Monotones aus den Achtzigerjahren umgetextet und neu aufgenommen. Heraus kam ein Gute-Laune-Lied, das die Schönheit der Ferien zu Hause beschwört und Trauer über den möglicherweise ausfallenden Urlaub in der Ferne keine Chance lässt.

Was so lässig daherkommt, hat durchaus einen ernsthaften Hintergrund. Musikproduzent Carsten Enghardt aus Gachenbach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) von Enghardt Media hat das Lied produziert, das Schlagzeug eingespielt und das Lied im hauseigenen Label veröffentlicht. Der 51-Jährige sagt: „Es ging darum, einen Impuls zu setzen, der etwas Positives hat für die Wochen, die vor uns liegen.“

Musikproduzent ist aus Gachenbach im Kreis Neuburg-Schrobenhausen

Die Ungewissheit, wie lange Corona noch den Alltag bestimmt, und die wirtschaftlichen Sorgen machten vielen zu schaffen, so Enghardt. Auch er hat, ebenso wie die von ihm betreuten Künstler, derzeit finanzielle Einbußen. „Aber als Musiker und als Produzenten geht es uns um Positivität. (...) Negativität ist kein guter Partner.“ Die Menschen sollten trotz allem „nicht mit Angst in die Zukunft gehen“. Er erinnert an den Hunger und die Wasserknappheit auf anderen Kontinenten: „Es gibt viele Menschen, denen es so, so unendlich schlecht geht in dieser Welt.“ Im Vergleich dazu lebten die Menschen im Aichacher Land – trotz aller berechtigter Sorgen – geradezu im Paradies.

Musiker aus der Region holen St. Tropez an den Baggersee

Über einen Aufruf im Internet lernten er und der Ideengeber zu dem Projekt sich kennen. Dieser hatte nach jemandem gesucht, der ihm helfen könnte, das Lied zu veröffentlichen. Enghardt sagte zu. Viele Freiwillige machten mit. Der Song wurde eingespielt, ein Video aufgenommen. Unter dem Namen Kennt kein Schwein luden sie das Lied unter anderem im Internetkanal Youtube hoch. Erste Radiosender spielen es bereits.

Unter dem Namen "Kennt kein Schwein" haben Illerrieder Hobbymusiker den 80er Jahre Hit "St. Tropez am Baggersee" mit zum Sommer 2020 passenden Text neu aufgenommen.

Lied soll mit guter Laune gegen den Corona-Blues helfen

Kennt kein Schwein deshalb, weil die Macher anonym bleiben wollen. So auch der Ideengeber, ein Hobbymusiker aus Illerrieden (Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg). Er ist eigentlich Arzt. Durch seine Patienten bekam er mit, wie belastend die Corona-Pandemie für viele Menschen ist. Dagegen wollte er etwas unternehmen. Die Idee, einen Song passend zur Krise umzutexten, war geboren. Dass es „St. Tropez am Baggersee“ wurde, war mehr oder weniger Zufall. Der Arzt erzählt: Er hatte am Handy Musik gehört. Als sich das Gerät beim Einsteigen ins Auto mit dem Radio verband, ging wohl technisch etwas schief. Statt seiner Playlist lief plötzlich „St. Tropez am Baggersee“.

Der Mann betont: Niemand wolle mit dem Lied berühmt werden oder Geld verdienen. Mit einem Lächeln in der Stimme fügt er hinzu: „Ich bin sowieso zu alt, um noch Rockstar zu werden.“ Es gehe darum, trotz Pandemie die Lebensfreude nicht zu verlieren.

Rodgau Monotones gaben "St. Tropez am Baggersee" für das Remake frei

Nicht nur die Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote machten den Menschen das Leben schwer. „Das Klima ist gerade sehr vergiftet“, sagt der Arzt. In sozialen Netzwerken und auf der Straße beharken sich Gegner und Befürworter der Pandemieschutzmaßnahmen. Dazu schreiben Kennt kein Schwein auf ihrer Internetseite: „Die einen werden zu Aluhutträgern herunterstigmatisiert, die anderen als ,Vernichter‘ unserer gesellschaftlichen Freiheit bezeichnet. Besonders schlimm ist die Wortwahl, mit der aufeinander losgegangen wird.“

Die Mitglieder der Rodgau Monotones sehen das ähnlich und gaben ihr Lied ohne zu zögern für das Remake frei. Die Band hatte ihren Durchbruch in den 1980er-Jahren geschafft und ist unter anderem bekannt für den Dauerbrenner „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Damals spielte sie auf den gleichen Bühnen wie Deep Purple, Meatloaf, Joan Baez oder Santana.

Enghardt, nach eigenen Angaben seit 1986 Musiker und seit 1995 Musikproduzent, ist begeistert, wie schnell alles ging: „Das erlebt man ganz selten, dass das so reibungslos geht, wenn man von anderen Künstlern Nummern spielt.“ Die Rodgau Monotones hingegen hätten das Remake sofort in ihren Gruppen geteilt, in ihre Playlist gestellt und auf Facebook gepostet. Auch viele andere waren sofort dabei, mixten den Song, kümmerten sich um Cover und Video. Gedreht wurde in Baden-Württemberg. Aus zahlreichen Videoschnipseln wurde ein großes Ganzes. Enghardt sagt, normalerweise dauere es „eine halbe Ewigkeit“, ein Lied einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. „Aber wir kriegen wahnsinnig gute Reaktionen auf den Titel. Die Leute freuen sich.“ Bei Youtube erhielt das Video in nur wenigen Tagen über 6.000 Klicks.

Die Musikgruppe im Internet: www.kenntkeinschwein.de

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