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Aichach

22.07.2010

Mutter klagt ihre beiden Söhne an

So voll besetzt ist das Aichacher Amtsgericht selten: zwei Angeklagte, zwei Nebenkläger und ein Dolmetscher. Das Brisante dabei: Nebenklägerin ist die Mutter der beiden angeklagten Brüder. Zur Sicherheit bleibt auch ein Polizist mit im Saal. Von Barbara Worschech

Aichach. So voll besetzt sind die Stühle der Anklage und der Verteidigung am Aichacher Amtsgericht selten: zwei Angeklagte mit ihren Verteidigern sitzen dem Staatsanwalt, zwei Nebenklägern mit ihren Anwälten und einem Dolmetscher gegenüber. Das Brisante dabei: Nebenklägerin ist die Mutter der beiden angeklagten Brüder. Zur Sicherheit bleibt auch ein Polizist mit im Saal.

Im Juni 2009 sollen die Brüder den Untermieter der Mutter in deren Wohnung in Aichach verprügelt, beschimpft und mit einer Waffe bedroht haben. Dieser Tat ist laut Anklage einige Tage zuvor ein Familienstreit vorausgegangen, bei dem die Söhne ihre Mutter beschimpft haben sollen. Vor Richterin Nadine Grimm müssen sich die Brüder daher wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Doch beide streiten alles ab. Ein Urteil kann Richterin Nadine Grimm nicht fällen, da bei einem weiteren Termin weitere Zeugen gehört werden sollen.

Sachliche Diskussion

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Der jüngere Bruder, ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg, schildert vor Gericht das Familienleben als harmonisch. Nur über Erbgrundstücke in der Türkei habe es am 21. Juni 2009 bei einer Familienfeier eine sachliche Diskussion gegeben. Angeblich habe die Mutter ihren Untermieter, den die Söhne für ihren Lebensgefährten halten, an dem Besitz in der Türkei beteiligen wollen. Das hätte der Sohn nicht gewollt. Diese Version eines ruhigen Gesprächs bestätigt sein 30-jähriger Bruder, der im Landkreis Dachau wohnt.

Ganz anders beschreibt die Mutter die Geschehnisse bei der Feier. Schwer beleidigt sei sie geworden. Neben Ausdrücken soll auch der Satz "wir schämen uns, dass Du unsere Mutter bist", gefallen sein. Zudem betont die 52-Jährige vor Gericht, die Grundstücke seien Familiensache. Ihrem Untermieter, mit dem sie sich die Wohnung mit Ausnahme der Schlafzimmer teilt, habe sie nie etwas davon versprochen.

Fünf Tage nach der Feier wurde der Untermieter nach seiner Aussage von den zwei Brüdern zuhause überrascht. Wegen Kreislaufproblemen habe er sich mittags hingelegt. Er sei aufgewacht, als ihm einer der Beiden das Knie in den Bauch rammte. Weitere Schläge mit der Faust ins Gesicht waren nach Angaben des 50-Jährigen begleitet von Beschimpfungen. Die genannten Ausdrücke sind so derb, dass der Dolmetscher im Gericht sie kaum übersetzen mag.

An diesem 26. Juni soll der 26-Jährige auch seinen älteren Bruder aufgefordert haben: "Hol' mal die Pistole raus." Der 30-Jährige habe diese dann in der Hand gehabt und dem Untermieter gedroht, ihm "14 Schüsse in den Kopf reinzuschießen". Auch habe der 26-Jährige gesagt: "Die Grundstücke, die meinem Vater gehören, werde ich Dir nicht geben." An das Ende des Überfalls kann sich der 50-Jährige nicht erinnen, eine Nachbarin rief den Notarzt. Fest steht, dass der 50-Jährige mit schweren Prellungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort drei Tage lag.

Fortsetzung im August

Die Polizei durchsuchte die Wohnungen der Brüder, eine Waffe fand sie allerdings nicht. Konnte sie auch nicht, weil sie unschuldig seien, so die beiden Angeklagten. Sie hätten jenen Nachmittag gemeinsam mit ihren Familien im Landkreis Augsburg verbracht. Wer dem Untermieter das angetan haben soll, könnten sie nicht erklären. Die Verhandlung wird am 5. August fortgesetzt. Von Barbara Worschech

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