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Paartalbahn

09.05.2018

Nach Zugunglück: Notbusse bringen Pendler zur Arbeit

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Der Tag nach dem Unglück: „Kein Zugverkehr!“ steht auf einem Zettel am Bahnsteig des Bahnhofes.

Am Tag nach dem Zugunglück ist die Paartalbahnstrecke zwischen Dasing und Radersdorf gesperrt. Die Fahrgäste steigen in Busse um.

8.14 Uhr, Abfahrt Bayerische Regiobahn vom Augsburger Hauptbahnhof. Das Ziel ist Aichach, so wie immer um diese Uhrzeit. Einzig ein Gleiswechsel und das Laufband auf den elektronischen Anzeigetafeln weisen darauf hin, dass an diesem Dienstag auf der Strecke Augsburg-Ingolstadt einiges anders ist.

„So leer habe ich den Zug noch nie gesehen“, saget Thomas Hiemer, der täglich von Augsburg nach Friedberg pendelt. Ein paar Plätze weiter sitzt ein Schüler der Fachoberschule Friedberg mit Kopfhörern auf den Ohren. Freunde hatten ihn am Montagabend wegen des Zugunglücks angerufen. „Ich schreibe heute Englisch-Abi. Sie wollten mir Bescheid sagen, falls der Zug ausfällt oder so.“

Am Friedberger Bahnhof steht eine Frau, die immer noch nicht fassen kann, was in Aichach passiert ist. Sie fühlt sich den Menschen dort verbunden. Die Friedbergerin Andrea Schmid runzelt die Stirn. „Ist das der Zug nach Augsburg?“, fragt sie andere Fahrgäste. „Ja“, antworten die im Chor. Sie springt hinein. „Ich muss heute noch nach Frankfurt und hoffe, dass ich meinen Anschluss bekomme.“ Rachel Zöpfl steigt aus dem Zug Richtung Augsburg aus. Eigentlich war sie am Morgen aus Friedberg aufgebrochen wegen eines Termins in Würzburg. Vom Schienenersatzverkehr ab Dasing war sie überrascht. Sie habe sich aufgeregt, weil sie realisiert habe, dass sie den Anschluss in Ingolstadt verpassen werde. „Dann hat mir eine Passagierin erklärt, was los ist. Ich hatte davon keine Ahnung. Dann habe ich mich auf einmal ganz schlecht gefühlt, mich über so etwas Banales wie einen geplatzten Termin aufzuregen.“

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So ist die Situation an den Bahnhöfen in der Region

Am Bahnhof Ingolstadt füllt sich derweil der Zug in Richtung Augsburg – gefühlt sind es nicht weniger Reisende und Pendler als sonst um 8.11 Uhr. Auch hier weist nur die elektronische Anzeige auf den „Busnotverkehr“ zwischen Radersdorf und Dasing hin, „wegen Streckensperrung“. Zwei Passagiere aus Fürth bei Nürnberg, die nach Augsburg wollen, wundern sich ein wenig. Sie hätten zwar im Radio vom Zugunglück gehört und sich gedacht, dass die Strecke gesperrt sei. Weder am Info-Schalter der Deutschen Bahn in Fürth noch im ICE in Richtung Ingolstadt hätten sie dazu aber etwas herausfinden können: „Es hieß nur, man weiß nichts. Und im ICE hat man uns sogar noch gesagt, dass der Anschlusszug nach Augsburg erreicht wird, sonst nichts“, sagt der Mann.

Kurz vor Radersdorf kommt die Durchsage. Für alle heißt es nun: aussteigen. Die Menschen nehmen das gelassen hin. Zwei Busse stehen am Bahnhof bereit, es ist genügend Platz für alle da. Etwa 30 Minuten länger dauert die Fahrt an diesem Tag von Ingolstadt bis nach Augsburg, weiß eine 38-Jährige, die hier täglich pendelt. Sie hat beim Einsteigen den Zugbegleiter gefragt.

Eine junge Pendlerin aus Schrobenhausen setzt sich in die hinterste Reihe, sie ist nachdenklich: „Ich fahre jeden Tag mit diesem Zug. Ich hätte da genauso drin sitzen können.“ Sie schüttelt den Kopf, so als könne sie es noch nicht recht fassen. Über Oberbernbach fahren die Busse nach Aichach. Im neuen Kreisverkehr an der Bahnunterführung verpasst der vordere der beiden die richtige Ausfahrt und muss sich plötzlich durch die engen Wohnstraßen in Algertshausen schlängeln. „Der hat sich doch verfahren“, sagt die junge Pendlerin erstaunt. Das Navigationsgerät lotst den Busfahrer zurück in Richtung Bahnhof. Dort können die ersten Fahrgäste aussteigen, nur 15 Minuten später als sonst.

Für die anderen geht die Fahrt im Schienenersatzverkehr weiter, bis nach Dasing. Erst dort können sie wieder in die Paartalbahn einsteigen. Tobias Engelschalk ist einer der vielen, die an diesem Tag in Aichach auf den Bus warten. Er muss nach Augsburg zur Arbeit. Sorge um sich selbst macht er sich nicht. Eine vollständige Sicherheit gebe es im Leben nie, findet er, und das Unglück zeige, wie schnell das Leben vorbei sein könne. „Man ist betroffen. Mir tun die Menschen total leid“, sagt Engelschalk. Aufregen, dass der Zug nicht kommt, kann er sich da nicht. (mit schr-/jca)

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