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Aichach-Friedberg

29.08.2015

Nach ihrer Flucht kommen sie heute in Friedberg an

Thomas Winter vom Bayerischen Roten Kreuz und Kathrin Stachon von der Caritas haben eine Spielstraße für Flüchtlingskinder zwischen den Zelten aufgebaut.
Bild: Andreas Schmidt

In der Sporthalle des Friedberger Gymnasiums werden an diesem Samstag bis zu 275 Asylbewerber erwartet.

Aichach-Friedberg Wo nach den Ferien wieder Friedberger Gymnasiasten in ihre Sporthalle gehen, werden heute Flüchtlinge als Asylbewerber registriert. Für die meisten wird es nach einer oft langen strapaziösen Flucht ihr erster Tag in Deutschland sein.

Landrat Klaus Metzger ist es wichtig, dass sich um die Flüchtlinge im Wittelsbacher Land nicht nur gekümmert, sondern gut gekümmert wird. Das soll schon die farbenfrohe Bettwäsche signalisieren, die die Ausländerbehörde des Landratsamtes für die Notfall-Erstaufnahmeunterkunft eingekauft hat. Die Einrichtung ist auf eine Woche befristet.

Voll wird es trotzdem werden in der Schulturnhalle. Mittlerweile rechnet das Landratsamt dort mit bis zu 275 künftigen Asylbewerbern. Vor einer Woche war ihre Zahl noch auf etwa 200 geschätzt worden. Am Donnerstag haben 30 Rotkreuzhelfer darum noch zusätzliche Betten in der Halle aufgebaut.

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Am Tag bevor es heute ernst wird, waren selbst für die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, Katharina Redcay, viele Fragen offen: Wie viele Flüchtlinge kommen, aus welchen Herkunftsländern und wann? Die Antworten hängen davon ab, wen die Polizei kurz zuvor im niederbayerischen Grenzland bei Passau und Deggendorf aufgegriffen hat. Nach einer ersten Kurzregistrierung durch die Polizei folgt die Busfahrt nach Friedberg.

Die Neuankömmlinge durchlaufen heute am Friedberger Gymnasium verschiedene Stationen. Vertreter von Landratsamt, Stadt Friedberg und Hilfsorganisationen durchliefen sie am Freitag schon einmal vorab mit Medienvertretern. Am Wochenende soll die Ankunft ungestört ablaufen. Und am Sonntag wünscht sich Landrat Metzger, dass die Flüchtlinge Gelegenheit bekommen, etwas zur Ruhe zu kommen.

Ein Sicherheitsdienst wird Schaulustige nicht auf das Schulgelände lassen. „Das ist ja kein Zoo“, erklärt der Landrat, warum die Hallentüren zu bleiben. Nach ihrem Busstopp vor dem Friedberger Gymnasium werden die Flüchtlinge nach und nach in Gruppen zwei Zelte durchlaufen.

Zunächst erfolgt eine Vorregistrierung durch Mitarbeiter des Landratsamtes. Im nächsten Zelt übernehmen Gesundheitsamt und Rotes Kreuz eine erste kurze Gesundheitsuntersuchung. Falls eine Behandlung nötig sein sollte, steht ein Sanitätscontainer des Roten Kreuzes auf dem Schulgelände bereit. Im Eingangsbereich der Schulturnhalle erfassen Mitarbeiter der Regierung von Schwaben die Flüchtlinge dann als Asylsuchende. Außerdem werden ihnen Bettennummern zugewiesen. Letzte Station vor der Halle ist das Turnlehrerzimmer. Dort bekommen die Flüchtlinge Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Zahnpasta, Duschgel, Windeln usw.

Dann ist die Turnhalle erreicht, die für die Neuankömmlinge für höchstens eine Woche zu einer provisorischen Heimat wird. Obwohl hier 275 Betten teils dicht an dicht stehen, haben die Helfer versucht – so weit es möglich ist – ein bisschen Privatsphäre zu gewährleisten. So stehen fünf Rotkreuzzelte, die vor allem für Familien gedacht sind, in der Halle. Außerdem wurden Trennwände aufgestellt.

Zwischen den Zelten verläuft eine kleine Spielstraße. Asylsozialberaterin Kathrin Stachon von der Caritas und Rettungsdienstleiter Thomas Winter vom Roten Kreuz bestücken sie mit Plüschtieren, Bilderbüchern und anderem Spielzeug. Die Kinder sollen auf andere Gedanken kommen.

Am Rande der Halle dienen die Geräteräume als Essensausgabe, Speisesaal und Aufenthaltsraum. Mahlzeiten und Getränke sind bei einem Caterer bestellt. Genutzt werden die Toiletten und Duschen der Sporthalle sowie draußen ein zusätzlich aufgestellter Sanitärcontainer. Friedbergs dritte Bürgermeisterin Martha Reißner geht davon aus, dass die Kapazität ausreicht wie früher bei Sport-Großereignissen.

Etwa 30 Leute eines Notfallteams des Landratsamtes, Gesundheitsamtes, der Regierung von Schwaben, des Roten Kreuzes und der Caritas werden sich am Wochenende um die Neuankömmlinge kümmern. Hilfsbereit sind auch weiterhin Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, nachdem sie schon beim Aufbau geholfen haben. Landrat Metzger findet es vorbildlich, was die Hilfsorganisationen bei der Einrichtung der Notaufnahme geleistet haben.

Engagement Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, wird gebeten, nicht direkt zur Notaufnahmeeinrichtung zu kommen. Stattdessen kann man sich vorab beispielsweise an die Asylbeauftragte der Stadt Friedberg, Ulrike Proeller, wenden, ab Montag unter Telefon 0821/65073654 oder per E-Mail an ulrike.proeller@friedberg.de

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