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Aichach-Friedberg

12.07.2019

Neue Förderschule soll zum Energiesparprojekt werden

So soll die Förderschule am Friedberger Volksfestplatz aussehen.
Bild: Skizze: Architektei Mey

Die Schule in Friedberg kommt dem Standard des Effizienzhaus Plus sehr nahe. Das kostet aber etwas mehr.

Die neue Vinzenz-Pallotti-Schule in Friedberg wird garantiert keine Maßstäbe für kostenoptimiertes Bauen setzen. In Sachen Energieeffizienz soll das Projekt aber zum Vorzeigeobjekt für kommunale Gebäude im Wittelsbacher Land werden. Schon in der im Mai im Bauausschuss des Kreistags beschlossenen Ausführung (geschätzte Baukosten: 34 Millionen Euro) erreicht das Gebäude den Standard Effizienzhaus 55 und liegt um 40 Prozent besser als die Mindestanforderung der Energiesparverordnung.

Jetzt legt der Kreis noch mal 0,6 Millionen Euro drauf, und die Förderschule am Volksfestplatz ist dann 77 Prozent besser als die Energiesparverordnung. Der Umweltausschuss hat dies jetzt einstimmig beschlossen. Das Gebäude kommt dem sogenannten Effizienzhaus Plus damit sehr nahe. Das sind Gebäude, die selbst mehr Energie erzeugen, als sie für Wärme, Lüftung, Licht und Strom verbrauchen.

Energiehaus Plus-Standard kostet fast fünf Millionen Euro mehr

Um auf diesen Standard zu kommen, müsste der Kreis noch ganz anders in die Tasche langen. Das Architekturbüro Mey kam auf 4,8 Millionen Euro, und es würde 50 bis 60 Jahre dauern, bis sich diese Mehrkosten durch den Betrieb amortisieren. Das dauert selbst dem „Effizienzhaus Plus-Fan“ Klaus Becker (Grüne) viel zu lang. Dafür müssten auch energietechnische Finessen wie Eisspeicher oder eine Sol-Wasser-Wärmepumpe eingebaut werden. Im bereits beschlossenen Standard wird mit Holzpellets geheizt. Die 0,6 Millionen Euro zusätzlich investiert der Landkreis in eine bessere Dämmung und Verglasung des Stahlbetonbaus, vor allem aber in rund 1400 Quadratmeter Photovoltaik-Module auf Schule und Turnhalle, einen Stromspeicher (Batterie) und eine verbesserte Wärmerückgewinnung der Lüftung. Amortisationszeit hier: etwa 15 Jahre.

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Zeigten sich die Räte in der Energiediskussion noch sehr zufrieden, waren die Wortbeiträge in Sachen Kostenentwicklung und Bauart durchaus kritisch. Wie berichtet, scheiterte der Vorstoß der Freien Wähler für einen Holzbau bei der Sitzung im Mai vor allem am Zeit-Argument. Für einen Holzbau müsse deutlich länger geplant werden. Der Termin für die Einreichung des Förderantrags bei der Regierung im Herbst könne nicht eingehalten werden. Das bedeute ein ganzes Jahr Zeitverlust, so Verwaltung und Planungsbüro.

FW-Kreisrat Erhard: Ein Schulplatz kostet 110000 Euro

FW-Kreisrat Peter Erhard, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Aichach, wollte dennoch wissen, wie eine Holzbauweise im Vergleich energetisch abgeschnitten hätte. Eine Diskussion, die Landrat Klaus Metzger nicht mehr führen wollte. Das sei doch durch. Matthias Stegmeir (CSU) und Martin Echter (Unabhängige), selbst Bauplaner, fragten sich, warum eine Ziegelbauweise nicht in Betracht kommt. Ginge bei solchen Spannweiten nicht, winkten Architekturbüro und Bauverwaltung ab. Der Sielenbacher Bürgermeister Echter ließ sich nicht beirren: „Ich hätte mich schon getraut.“

Stegmeir und Erhard hakten auch in Sachen Kosten nach. Den Rechenansatz von Erhard („bei 300 Schülern kostet ein Platz 110000 Euro“) akzeptierte der Landrat überhaupt nicht: „Das ist eine besondere Schule.“ Wie viel die zweigeschossige Schule plus Sporthalle wirklich kosten wird, ist offen. Im aktuellen Kreisetat stehen noch 29 Millionen als Hausnummer. Jetzt liegt die Kostenschätzung bei 34,6 Millionen. Bei der erwarteten staatlichen Förderung von elf Millionen, bleibt für das Wittelsbacher Land rund 24 Millionen. Vorausgesetzt, die Baukosten steigen nicht weiter. Rainer Hurler, Leiter der Bauabteilung im Landratsamt, kann sich das nicht vorstellen. Im schlimmsten Szenario geht er von 23 Prozent mehr bis zur Fertigstellung 2022 aus. Das wären dann satte 42,5 Millionen Euro. Die Kreispolitiker wollen das aber nicht in der Etatplanung ansetzen. Das sei das völlig falsche Signal an die Baufirmen, waren sich Bau- und Umweltausschuss einig.

Brandschutz: Aktuelle Schule hat nur noch Genehmigung bis 2022

Aktuell werden im 40 Jahre alten Gebäude der Vinzenz-Palloti-Schule rund 230 Kinder in 19 Klassen unterrichtet. Trotz provisorischer Verbesserungen beim Brandschutz hat das bestehende Förderzentrum an der Wiffertshauser Straße nur noch eine Genehmigung bis zum Herbst 2022. Bis dahin muss das neue Schulhaus her.

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