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Pöttmes

06.01.2021

Neues Buch erzählt Geschichten zum Pöttmeser Gumppenberg

Auf diesem Kupferstich von Michael Wening von 1701 ist Schloss Gumppenberg zu sehen.
Bild: Sub-verlag

Plus Silvia Eckert-Wagner hat ein Buch zum Gumppenberg zusammengetragen. Sie lebt selbst dort und erzählt von der wechselvollen Geschichte des Pöttmeser Hausbergs.

Er ist etwa zwei Kilometer lang, weist rund 100 Höhenmeter auf und ragt westlich von Pöttmes über die Ebene. Als Bestandteil des tertiären Hügellandes hat er mehrere Millionen Jahre auf dem Buckel. Im Süden schlängelt sich der Schimmelwiesbach vorbei, von Norden her fließt der Haselbach. Die Rede ist vom Gumppenberg, Pöttmes’ beliebtem Hausberg.

Es kann nicht an der geografischen Lage des höhenmäßig eher bescheidenen „Höhenrückens“ liegen, dass der Gumppenberg seit frühesten Zeiten eine erhöhte Aufmerksamkeit genießt. Viel eher ist es die Namensgleichheit der freiherrlichen Familie von Gumppenberg, die ihren Stammsitz in Pöttmes hat, seit 1279 im Besitz des Berges ist und im Lauf der Jahre immer wieder hier ihren Wohnsitz hatte.

Buch über Gumppenberg: Autorin durchforstete viel Quellenmaterial

Nun hat Silvia Eckert-Wagner ein Buch über den Berg geschrieben. Sie wandelt auf den historischen Spuren der Anhöhe – als erzählende Chronistin, die in Archiven gestöbert und reichhaltiges Quellenmaterial durchforstet hat. Gleichzeitig als Betroffene, da sie seit 1983 mit ihrer Familie im ehemaligen Schäfer- und Forsthaus fast auf Plateau-Höhe des Bergs lebt.

In vier Kapiteln erläutert sie die Historie des Gumppenbergs, die im Mittelalter ansetzt und über die Jahrhunderte hinweg bis zur jetzigen Zeit nie aufgehört hat, Historiker, Geschichtsforscher und Heimatkundige zu faszinieren.

Sind Bodendenkmäler erfasst, wo waren Wallbefestigungen angelegt? Gab es eine mittelalterliche befestigte Burganlage auf der Anhöhe? Stand auf dem Gumppenberg ein prachtvolles Schloss der freiherrlichen Familie? Nur vereinzelt zeugen Stiche oder Zeichnungen von Bauten, die längst verschollen oder von Kriegen zerstört wurden.

Am Pöttmeser Gumppenberg wurde gerichtet und hingerichtet

Am Gumppenberg wurde gerichtet und hingerichtet. Bis ins 15. Jahrhundert hinein stand hier ein Galgen, an dem so mancher Delinquent sein Leben ließ. Richter waren die von Gumppenberg persönlich, nachdem sie seit 1310 über die Hochgerichtsbarkeit verfügten.

In ihrem Buch "Der Gumppenberg - Geschichte und Geschichten" rekapituliert Autorin Silvia Eckert-Wagner die Geschichte des Gumppenbergs.
Bild: sub-Verlag, Repro: Vicky Jeanty

In einem zweiten Kapitel springt die Autorin bis ins beginnende 20. Jahrhundert. Im Fokus Freiherr Johannes von Gumppenberg (1891 bis 1959). Der vielseitig engagierte und äußerst geschäftstüchtige Unternehmer, Bauherr, Politiker und Ökonom verwandelte das Erscheinungsbild des Gumppenbergs. Er ließ mehrere neue Gebäude errichten, darunter die St.-Georgs-Kapelle. Er trieb die Landwirtschaft voran, hielt Kühe und Pferde und genoss vor allem ein deutschlandweites Renommee als exzellenter Schafzüchter. Zeitweise grasten über 2000 Schafe am Plateau. Er wohnte mehrere Jahre in dem von ihm entworfenen mächtigen Blockhaus. Die Tierhaltung ist seit Jahren eingestellt. Aktuell sind biologischer Ackerbau und Forstwirtschaft die wesentlichen Wirtschaftsfaktoren.

Auch die, die eine Beziehung zum Gumppenberg haben, kommen zu Wort

In zwei weiteren Kapiteln kommen all diejenigen zu Wort, die eine persönliche Beziehung zum „Berg“ haben. Sei es, dass sie dort seit vielen Jahren wohnen oder wohnten. Sei es, dass sie – wie etliche ältere Pöttmeser – berichten, den Gumppenberg als großartigen Abenteuerspielplatz oder Skipiste genossen haben. Sowohl das Gerichtsgebäude wie auch das Schäfer- und Forsthaus und das Blockhaus waren und sind durchgehend bewohnt. Im ehemaligen Schafstall stehen Therapiepferde, eine Zeit lang übten die Bogenschützen auf dem sogenannten „Armbrustacker“. Natur-, Wander- und Sportsfreunde schätzen die unberührte Natur.

1988 schien das Herzstück dieser Idylle bedroht. Der „Aktionsgemeinschaft Rettet den Gumppenberg“ gelang es in einem beispiellosen Kampf vieler Gleichgesinnter, den Bau einer vom Landkreis geplanten Hausmülldeponie mitten auf dem Gumppenberg zu verhindern. Vereitelt wurden auch die Pläne, einen Mobilfunk-Sendemast sowie eine Windkraftanlage am Berg zu installieren.

Im Rückblick gilt der Gumppenberg trotz seiner bewegten Geschichte auch heute noch als weitgehend naturbelassenes Rückzugsgebiet für Mensch und Tier. Das solle auch so bleiben, meint die Autorin in ihrem Schlusswort.

Das Buch: Silvia Eckert-Wagner: „Der Gumppenberg – Geschichte und Geschichten“, 135 Seiten, erhältlich bei Schreibwaren Schlaegel in Pöttmes oder per Mail an sub-verlag@t-online.de. Informationen auch unter 08253/7000.

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