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Aichach

04.07.2019

Nur ein halbes Kilo Futter: Frau lässt ihre Kühe im Stall hungern

Ließ eine Besitzerin von 20 Kühen (hier ein Symbolfoto) die Tiere hungern? Darum drehte sich ein Prozess vor dem Aichacher Amtsgericht.
Bild: Christoph Lotter (Symbol)

Plus Mehrmals kontrollieren Amtstierärzte im Stall einer 46-Jährigen bei Aichach. Doch ihre Ratschläge nimmt die Frau nicht an. Jetzt wurde sie wegen Tiermisshandlung verurteilt.

Die Rippen standen hervor, die Tiere brüllten vor Hunger. Das war der Tenor mehrerer Zeugenaussagen vor dem Aichacher Amtsgericht. Mehrfach bemängelten Amtstierärzte die mangelnde und falsche Ernährung der 20 Kühe. Die Besitzerin, eine 46-Jährige aus dem Raum Aichach, zeigte sich jedoch immun gegen die Ratschläge der Fachleute. Wegen Tiermisshandlung durch Unterlassen erhielt sie schließlich einen Strafbefehl, gegen den sie allerdings Einspruch einlegte. Daher kam es zum Prozess am Amtsgericht Aichach. Am Mittwoch fiel das Urteil.

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Ein halbes Kilo Futter für die Kühe - statt 30 Kilo

Etwa ein halbes Kilo Futter lag im Trog, als der Amtstierarzt Ende Oktober 2018 erneut zur Kontrolle in den Stall der Frau kam. Viel zu wenig, so der Zeuge. „Kühe fressen 30 bis 40 Kilogramm pro Tag. Es muss immer wieder nachgeschoben werden.“ Einen Großteil der Tiere stufte er als abgemagert ein. Außerdem bemängelte er in seinem Bericht unter anderem, dass das Futter verschmutzt war, die Tränken nicht richtig funktionierten und die Halsketten der Kühe zu kurz waren.

Der schriftliche Abschlussbericht des Amtstierarztes bestätigte, was die Staatsanwaltschaft der 46-Jährigen bereits im Strafbefehl zur Last gelegt hatte: Dass die Fütterung der Tiere von August bis Oktober 2018 weder ausreichend noch ausgewogen war. Deutlich zu wenig Äpfel, aber zu viel Stroh habe die Besitzerin verfüttert, heißt es in der Anklageschrift. Deswegen hätten die Tiere in Folge der Mangelernährung unter massiven Schmerzen gelitten.

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Richter lehnt Gutachten ab

Sie habe ihre Tiere nach bestem Wissen und Gewissen versorgt, sagte die 46-Jährige. „Sie haben bei der Schlachtung sogar überdurchschnittliche Werte erreicht.“ Um zu beweisen, dass der Ernährungszustand der Tiere nicht per se zu erheblichem Leiden führte, beantragte Verteidiger Reinhard Baade ein Gutachten. Das lehnte Richter Walter Hell ab. Seine Begründung: Es gehe aus der Sachverständigenäußerung der Tierärztin glaubhaft hervor, dass andauerndes Hungern für die Tiere ein Leiden darstelle.

Für Staatsanwältin Alisa Starflinger war es unverständlich, warum jemand Tiere hält, wenn ihm dessen Wohlergehen völlig egal zu sein scheint. Der Amtstierarzt hatte mit Fotos deren Zustand dokumentiert. Sie zeigten unter anderem die hervorstehenden Rippen. Die Staatsanwältin plädierte für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 50 Euro (7500 Euro). Im Strafbefehl hatte sie bei 3000 Euro (60 Tagessätze à 50 Euro) gelegen.

Verteidiger Baade forderte Freispruch. Man könne nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob der Zustand der Tiere auf die Fütterung zurückzuführen sei. Er war der Meinung, seine Mandantin habe ausreichend gefüttert. „Wenn sie Fehler gemacht hat, war es Unkenntnis.“ Sollte es zu einer Verurteilung kommen, solle der Tagessatz maximal zehn Euro betragen, sagte er mit Blick auf das Einkommen seiner Mandantin.

Unkenntnis gilt als Entschuldigung nicht

Unkenntnis ließ Richter Walter Hell nicht gelten. Schließlich war es die Angeklagte selbst gewesen, die darauf hingewiesen hatte, dass sie in einem Milchviehbetrieb groß geworden war. Sie hatte im Prozess betont, sie wisse, wie man Kühe versorge: Die gelernte Immobilienkauffrau arbeitet derzeit bei einer Sicherheitsfirma. Ihr Lebensgefährte, ein Biolandwirt und Metzger, hatte die Tiere gefüttert.

Der Richter verurteilte sie wegen Tiermisshandlung durch Unterlassen in 20 Fällen zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 20 Euro (2000 Euro). Damit fällt sie zwar niedriger aus als im Strafbefehl, die Frau gilt nun aber als vorbestraft, weil sie zu über 90 Tagessätzen verurteilt wurde. Bisher hatte sie keine Vorstrafe gehabt.

Schon mit dem Vorbesitzer der Kühe gab es Ärger

Schon dem Vorbesitzer der Tiere war ein Halteverbot auferlegt worden, weil es Missstände gab – allerdings nicht bei der Ernährung. Der Mann musste seine Tiere abgeben. 20 Kühe und drei Kälber schenkte er der 46-Jährigen. Bald aber stahl er mit einem Bekannten zwei der Kälber. Die Frau zeigte ihn an. Das Verfahren wurde nach einem Prozess gegen eine Geldauflage eingestellt.

Warum er die Tiere „zurückgestohlen“ hatte, wurde nicht näher thematisiert. Offenbar hatte der Mann das Gefühl, dass es den Tieren woanders besser ginge. Inzwischen wurden alle Kühe geschlachtet.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.07.2019

"Der Richter verurteilte sie wegen Tiermisshandlung durch Unterlassen in 20 Fällen zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 20 Euro (2000 Euro)."
Wenn ihr schon das Wohl der Tiere egal war, wie egal wird ihr wohl diese Strafe sein?

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