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Obergriesbach

09.02.2020

Obergriesbach: Kritik am Standort des neuen Mobilfunkmasten

Mit dem Handy telefonieren wollen die meisten, einen Funkmast in der Nachbarschaft nur wenige.
Bild: Jochen Aumann

Plus Etwa 100 Obergriesbacher informieren sich bei der Interessengemeinschaft „Neuer Funkturm“ über den geplanten Mobilfunkmasten. Das beklagen die Bürger.

Muss der geplante Funkmast wirklich am vorgesehenen Ort – auf einer Anhöhe nördlich des Teils der Straße Am Weiher, die in Ost-West-Richtung verläuft – gebaut werden? Gibt es eine Chance, den Funkmast im Waldstück hinter dem Gemeinschaftshaus zu platzieren und damit auch aus dem Sichtfeld der Bürger zu rücken? Und brauchen die Bürger von Obergriesbach und Zahling den Mast überhaupt? Diese und weitere Fragen konnten die Obergriesbacher Bürger am Freitagabend im Gemeinschaftshaus stellen. Dort fand eine Informationsveranstaltung statt, die die Interessengemeinschaft „Neuer Funkturm“ initiiert und organisiert hat. Nach knapp zwei Stunden Vortragsprogramm kamen die Bürger etwa eine Stunde lang zu Wort.

Zuvor berichtete Herbert Lange als ein Vertreter der Interessengemeinschaft von der Historie des Projekts und den Folgen für das Landschaftsbild. Siegfried Zwerenz von Bürgerwelle hielt einen Fachvortrag über Funktechnik und deren gesundheitliche Auswirkungen. Die erste Frage aus den Reihen der etwa 100 interessierten Bürger war dann direkt an die Gemeinde gerichtet: Warum hat sich die Gemeinde für den Standort entschieden? In Vertretung von Bürgermeister Josef Schwegler, der nicht an der Veranstaltung teilnahm, ergriff Dritter Bürgermeister Jürgen Hörmann das Wort, der aktuell gemeinsam mit Daniel Schulz, dem Zweiten Bürgermeister, die Vertretung des Rathauschefs stemmt.

Bürger kritisiert Standortsuche für Mobilfunkmast

Hörmann umriss die Projekthistorie und stellte klar: Die Standortsuche sei ein „längerer Prozess“ gewesen. „Es wurde hier nichts übers Knie gebrochen.“ Letztendlich sei man dann aber froh gewesen, einen Standort außerhalb des Ortskerns gefunden zu haben. Dass es sich beim neuen Standort um Gemeindegrund handelt und die Kommune damit eine Pacht seitens des Betreibers erhält, sei keineswegs ein Grund für die Standortwahl gewesen, erklärten mehrere Gemeinderäte übereinstimmend. Doch genau diese Tatsache – dass bei der Suche nach einem Standort mit den Bewohnern auf dem Schlossberg gesprochen wurde, die Anlieger Am Weiher jedoch vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien – stieß einem Bürger auf. Das tat er mit diesem Vorwurf kund: „Ich folgere daraus, der Gemeinderat hat dann beschlossen, den Rest in Geheimsache zu erledigen.“ Dagegen wehrte sich Gemeinderat Stefan Asam in aller Deutlichkeit: Zweimal sei der Funkmast in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats behandelt worden, erklärte er. Schützenhilfe bekam Asam insofern, als eine Bürgerin erklärte, dass keiner den Ahnungslosen geben dürfe, denn die Infos seien lange Zeit bekannt gewesen. Stattdessen forderte sie ein Umdenken beim alltäglichen Mobilfunkkonsum.

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Thomas Hartmann, ein weiterer Vertreter der Interessengemeinschaft, fungierte als Moderator und Schlichter gleichermaßen. Während der Gesprächsrunde betonte er stets den Ansatz, keine „Gräben ziehen zu wollen“. Hörmann signalisierte Gesprächsbereitschaft seitens der Gemeinde und erklärte, die „kritischen Punkte“ im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatsitzung besprechen zu können. Versprechen könne er allerdings nichts. Asam griff die Idee eines Bürgers auf, eine weitere Meinung einzuholen – nicht von Siegfried Zwerenz und nicht von der Telekom. Gemeinderat Hans Willer, der eingangs zu den Ersten gehörte, denen die Vorgehensweise bei der Standortsuche sowie die fehlende Information der Bürger aufstieß, erklärte: „Ich würde mich freuen, wenn der Gemeinderat das Thema noch mal aufrollt.“

Mobilfunkmast in Obergriesbach: Kritik an der Telekom

Gemeinderat Hans Greppmeier ergänzte seinerseits Informationen über die Mitwirkungspflicht der Gemeinde bei der Standortsuche. Er gab auch zu bedenken, möglicherweise Schadensersatz bezahlen zu müssen, wenn die Gemeinde den Pachtvertrag nun doch nicht erfülle oder gar kündige. Darüber hinaus betonte er die zeitliche Brisanz des Themas. An den Referenten Zwerenz gewandt, sagte er: „Ich schätze Ihre Fachinformationen.“ Allerdings handle es sich bei vielen Äußerungen um „Wunschvorstellungen“, die nicht in Gesetzen aufgehen würden. Gesetzlich festgelegt sei hingegen, dass im Baugenehmigungsverfahren die Möglichkeit bestehe, Einwände kundzutun. Zwerenz zitierte in seinem Vortrag aus einer großen Anzahl an Studien, die zeigen sollten, dass die gesetzlichen Richtwerte ein Konstrukt von Akteuren seien, die vom Ausbau des Mobilfunknetzes profitieren. Er formulierte seine Sicht der Dinge so: „Die Gemeinde wurde von der Telekom getäuscht.“ Reagieren konnte die Telekom auf diesen Vorwurf nicht. Thomas Bauer von der Deutsche Funkturm GmbH hatte bereits im Vorfeld mitgeteilt, nicht an der Veranstaltung teilnehmen zu können, weil der Termin zu kurzfristig gewesen sei. Zwerenz bewertete die Nicht-Teilnahme allerdings als Eingeständnis, dass die Betreiber des Funkmastes sich nicht der Diskussion mit ihm stellen wollten.

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