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Aichach

26.11.2019

Petition im Landtag: Wie viel darf ein ÖPNV-Ticket für Azubis kosten?

Ein Aichacher reichte eine Petition für ein bayernweit gültiges Azubi-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr in einem Ausschuss des Landtags ein und scheiterte. (Symbolfoto)
Bild: Ute Krogull

Plus Ein junger Aichacher hat sich für eine vergünstigte Fahrkarte für ganz Bayern eingesetzt. Seine Petition ist im bayerischen Landtag abgelehnt worden.

Ein bayernweit gültiges Azubi-Ticket: Mit dieser Idee ist ein Aichacher Auszubildender im Ausschuss des Bayerischen Landtags für Wohnen, Bau und Verkehr gerade gescheitert. Die Bayerische Regierung werde dem Vorschlag nicht nachkommen, erklärte der Berichterstatter aus dem Ausschuss, der Münchner Abgeordnete Josef Schmid CSU), auf Anfrage der Aichacher Nachrichten.

Aichach: Der Azubi wohnt in der Paarstadt

Der Azubi wohnt in Aichach und fuhr bis vor Kurzem regelmäßig in den Münchener Nordosten nach Unterföhring an seinen Ausbildungsplatz. Das habe ihn 240 Euro im Monat gekostet, wie sein Vater erklärte. Viel Geld für einen jungen Menschen, der in der Ausbildung noch nicht auf einen vollen Monatslohn zurückgreifen kann. Der Azubi nutzte regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel der Bayerischen Regionalbahn (BRB), der Deutschen Bahn (DB) und des Münchener Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), um an seinen Ausbildungsplatz nach Unterföhring zu kommen. In der Petition hatte die Familie jetzt ein Azubi-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr gefordert, das in ganz Bayern gültig wäre. Wie der Vater des Azubis sagte, seien andere Bundesländer finanziell zwar schlechter aufgestellt als Bayern, trotzdem gebe es dort weitaus günstigere Angebote. „Dann würde die alles entscheidende Frage eines jungen Menschen in der Ausbildung nicht mehr lauten: Wann kaufe ich mir mein erstes Auto?“, gab er zu bedenken. Hessen oder Thüringen seien da beispielsweise schon weiter.

In Bayern soll im kommenden Jahr ein so genanntes 365-Tage-Azubi-Ticket im Raum Nürnberg getestet werden. Damit können junge Leute in der Ausbildung 365 Tage für insgesamt 365 Euro mit dem öffentlichen Nahverkehr im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) fahren.

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Ausschuss-Berichterstatter Josef Schmid sagt, dass dann errechnet werden könne, welche finanziellen Einbußen den Verkehrsunternehmen durch so ein Ticket entstehen. Er ging davon aus, dass staatliche Zuschüsse nötig sein werden, weil die Verkehrsbetriebe nicht mehr kostendeckend arbeiten würden, sobald sie solche Angebote machen. Das derzeitige Prinzip der Eigenwirtschaftlichkeit würde aufgegeben werden. Schmid verwies auf das subventionierte Wiener Modell: Jahres- und Monatskarten in der österreichischen Landeshauptstadt wurden günstiger angeboten, Fahrscheine für gelegentlich Fahrende teurer. Bei der Finanzierung des Ausbaus des Wiener Verkehrsnetzes helfen auch Arbeitgeber, die pro Arbeitnehmer und Woche Gebühren bezahlen. Hierzulande müssten zunächst vorhandene Verkehrskapazitäten ausgelotet und ausgebaut werden, um ein 365-Euro-Ticket anbieten zu können, erklärte Schmid.

Eine bayernweite Monats- oder Jahreskarte wäre für den jungen Mann hilfreich gewesen

Mit der vergünstigten Azubi- und Schülerjahreskarte könnten sich die jungen Menschen dann aber lediglich im Raum eines einzelnen Verkehrsverbundes bewegen. Im speziellen Fall des Aichacher Azubis wäre es allerdings nötig, die Gebiete mehrerer Tarifverbünde zu durchfahren. Das Ticket hätte also überregional Gültigkeit haben müssen: Eine bayernweite Monats- oder Jahreskarte wäre für ihn hilfreich gewesen. Die sei zwar wünschenswert, aber im Moment schlicht nicht machbar, erklärte Berichterstatter Josef Schmid aus dem Ausschuss: „Wir sind noch meilenweit davon entfernt.“

Im Moment bekommen Azubis aus dem Landkreis Aichach-Friedberg überhaupt keine finanzielle Unterstützung für ihren Weg bis zum Ausbildungsplatz, wie die Schülerbeförderungsstelle des Landratsamtes mitteilte. Auch die Fahrkarten für den Weg bis zur Berufsschule müssen sie zunächst selber kaufen. Die können sie aber am Ende des Schuljahres zur Erstattung bei der Beförderungsstelle einreichen.

Allein die Schülerbeförderung hat im vergangenen Jahr laut Landratsamt im Landkreis etwa 3,1 Million Euro gekostet. Der Freistaat übernahm davon etwa 2,3 Millionen Euro. Den Rest bezahlt der Landkreis aus der eigenen Kasse. Grundsätzlich wird der Schulweg an die aus verkehrlicher Sicht nächstgelegene Schule subventioniert. Schüler aus Aindling, Baar, Rehling und Todtenweis dürfen allerdings ins Paul-Klee-Gymnasium nach Gersthofen fahren, Kühbacher und Pöttmeser Kinder auch ins Gymnasium nach Schrobenhausen. Schulen in Augsburg und Schrobenhausen kämen nur in Betracht, wenn sie eine pädagogische Eigenheit aufweisen, die es im Wittelsbacher Land so nicht gibt, hieß es vom Landratsamt.

Der Aichacher Azubi fährt inzwischen nicht mehr bis nach Unterföhring. Die Fahrt habe einfach zu viel Zeit in Anspruch genommen, begründete sein Vater die Entscheidung. Der junge Mann sei am Tag mehrere Stunden unterwegs gewesen. Das sei mit dem Lernaufwand nur schwer vereinbar gewesen.

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