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Kreis Aichach-Friedberg

05.10.2010

Pfarrer muss wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Jesuiten bieten Missbrauchs-Opfern Geld und ernten Lob
Bild: DPA

Ein früherer Pfarrer aus dem Landkreis Aichach muss sich Ende November wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Von Christian Lichtenstern

Aichach. Ein früherer Pfarrer aus dem nördlichen Landkreis muss sich Ende November wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen vor dem Amtsgericht in Aichach verantworten. Das Verfahren gegen den heute 65-Jährigen Geistlichen wird also nicht per Strafbefehl (wir berichteten) und Unterschrift im Amtsgericht geahndet, sondern in einer öffentlichen Verhandlung im Gerichtssaal aufgerollt - mit einem Urteil am Ende. Der beschuldigte Priester hätte nach Auskunft seines Rechtsanwalts Nikolaus Fackler die von der Staatsanwaltschaft Augsburg im Antrag geforderte Freiheitsstrafe (ein Jahr auf Bewährung) akzeptiert. Der Aichacher Jugendrichter Dieter Gockel hat aber den Strafbefehl nicht erlassen, sondern einen Verhandlungstermin angesetzt, teilte Richter Maximilian Hofmeister, Sprecher des Landgerichts Augsburg, gestern mit.

Der heute 65-jährige Beschuldigte war bis vor elf Jahren Seelsorger in einer Gemeinde im nördlichen Teil des Landkreises. Die fünf Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern sollen sich laut Hofmeister im Zeitraum von 1994 bis 1999 zugetragen haben. Der Geistliche ist seit seinem Abschied aus der Gemeinde nicht mehr Pfarrer und wurde heuer im März von der Diözese Augsburg auch von seinen damaligen kirchlichen Aufgaben (ohne Kontakt zu Jugendlichen) entbunden. Der Tatvorwurf sexueller Missbrauch beziehe sich im Strafrecht nicht etwa auf missverständliche Berührungen, sondern auf körperliche Handlungen, um sich sexuell zu erregen, so Richter Hofmeister. Bei der öffentlichen Verhandlung in Aichach müssen nach seinen Angaben die Opfer nicht aussagen, als Zeuge sei aber ein Polizeibeamter geladen, der die Betroffenen vernommen habe.

Diözese: Ultimatum für Priester im März nach neuen Hinweisen

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Der plötzliche und "freiwillige Abschied" (so die Diözese damals) des Pfarrers aus seiner Gemeinde vor elf Jahren war schon damals begleitet von unterschwelligen Kindesmissbrauchs-Gerüchten über angebliche Vorfälle bei seiner Jugendarbeit und Ausflügen mit Ministranten in der Kommune mit mehreren Ortsteilen. Der Verdacht wurde von der Justiz aber nicht untersucht und von der Diözese damals auf Anfrage unserer Zeitung auch nachdrücklich bestritten. Im Frühjahr 2010, im Zuge der bundesweiten Vorwürfe gegen Priester und Ordensleute der katholischen Kirche, zwang die Diözese Augsburg den früheren Pfarrer dann nach "neuen Hinweisen" mit einem Ultimatum zu einer Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Die Diözese reagierte im März mit einer Pressemitteilung konkret auf eine Nachfrage der Aichacher Nachrichten wenige Tage zuvor. Darin war die Rede von Annäherungen des Pfarrers an Kinder "auf moralisch fragwürdige" Weise. Das Bistum hätte schon 1999 solche Hinweise von Eltern erhalten. Die hätten das Ordinariat damals allerdings ausdrücklich gebeten, "im Interesse ihrer Kinder kein öffentliches Aufsehen zu erregen" und von einer Strafanzeige abzusehen.

Für Rechtsanwalt Nikolaus Fackler ist die "Hauptverhandlung nicht nötig". Sein Mandant habe Betroffenen Zeugenaussagen vor Gericht ersparen wollen: "Darum hätte er einen vom Richter erlassenen Strafbefehl auch akzeptiert." Von Christian Lichtenstern

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