Newsticker
RKI meldet 8103 Neuinfektionen und 96 Tote
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Pfarrermangel droht auch im Landkreis

Kirche

09.01.2019

Pfarrermangel droht auch im Landkreis

Eine Kirche ohne Pfarrer? Ist das die Zukunft? Diese Frage stellen sich viele Christen angesichts des sich abzeichnenden Priestermangels. Unser Symbolfoto zeigt die Aindlinger Filialkirche in Pichl. Archiv
Bild: Josef Abt

Planstellen sind momentan noch alle besetzt, Aufhilfspfarrer überbrücken Sommerferien. Fällt einer aus, hat das Konsequenzen

Pfarrer Ulrich Funk ist der einzige seiner Art im Dekanat Augsburg: Seit Oktober ist er als eine Art Springer für die rund 100000 evangelischen Christen in der Region im Einsatz. Er hilft in Gemeinden aus, in denen Stellen unbesetzt sind. Seine erste Station: die evangelisch-lutherischen Pfarreien in Friedberg und Stätzling. Auch in einer katholischen Gemeinde im Landkreis ist momentan eine Stelle vakant: Im Juli starb Michael Würth, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Baindlkirch. Lucian Lungu übernimmt dort momentan die Funktion eines Temporalien-Verwalters. Kürzlich warnte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dass schon im Jahr 2030 rund 14000 Pfarrer fehlen. Die evangelische Kirche bestätigte das Problem. Wie kritisch ist die Situation im Wittelsbacher Land?

Eine Prognose für die Zukunft ist schwierig

„Momentan sind die beiden Gemeinden in Friedberg die einzigen Vakanzen im Landkreis“, erklärt Christoph Burger, Referent des Regionalbischofs des Dekanats Augsburg. Er geht aber davon aus, dass sich das Problem verschärfen könnte. Denn es gebe immer weniger Theologiestudierende. Von denen wiederum immer weniger später als Pfarrer oder Pfarrerin arbeiteten. Ein weiterer Faktor: „Langsam marschieren die geburtenstarken Jahrgänge Richtung Ruhestand“, sagt Burger. Zu prognostizieren, wie groß der Mangel im Wittelsbacher Land in Zukunft sein könnte, sei allerdings schwierig. Denn vorherzusehen, wann die Pfarrer tatsächlich in den Ruhestand gehen oder die Stellen wechseln, sei eigentlich nicht möglich.

Wie Burger weiter ausführt, gibt es momentan im Dekanat viele Ideen, wie man dem Mangel in Zukunft begegnen könnte. Allerdings sei noch keine davon spruchreif. Auf der nächsten Landessynode soll das Thema konkret diskutiert werden.

Was ist, wenn der Pfarrer ausfällt?

Für Pfarrer Ulrich Funk ist seine neue Aufgabe als Springer auch eine Art Testlauf. Bisher ist diese Funktion keine feste Stelle. Sie würde in besonderen Härtefallsituationen geschaffen, sagt Burger. Funk selbst erklärt, wie er seine Aufgabe sieht: Man könne ihn mit Lehrern vergleichen, die als mobile Reserve an Schulen aushelfen. Wie die Pädagogen habe er eine Stammgemeinde. Dazu hilft er in der gesamten Region Augsburg aus.

Laut Funk haben die evangelischen Gemeinden im Hinblick auf den Pfarrermangel einen entscheidenden Vorteil gegenüber den katholischen: Denn um Gottesdienste zu feiern, braucht es keinen geweihten Geistlichen. „Hier in Friedberg gibt es fünf ehrenamtliche Prädikanten, die das übernehmen“, sagt er. Er helfe deshalb vor allem in den Bereichen aus, in denen er wirklich gebraucht wird: Zum Beispiel in der Religionspädagogik oder in der Geschäftsführung.

Wortgottesdienste, die von speziell geschulten katholischen Gemeindemitgliedern gehalten werden, sind laut Dekan Stefan Gast von Bischof Konrad Zdarsa „nicht so erwünscht“. Um dem Priestermangel entgegenzuwirken, setzt die Diözese eher auf Pfarreiengemeinschaften. „An eine Auflösung von Pfarreien wird jetzt noch nicht gedacht“, betont Gast.

Die Planstellen im Dekanat sind momentan alle besetzt. Die Sommerferien lassen sich mit Aushilfen normalerweise gut überbrücken. Fällt aber, wie in Schiltberg, ein Aushilfsgeistlicher wegen Krankheit aus, wirkt sich das unmittelbar aus. „Wir haben die Werktagsgottesdienste größtenteils ausfallen lassen“, sagt der Dekan. Für die Sonntagsgottesdienste hatten Aushilfen organisiert werden können. Die hätten ziemlich alle abgedeckt werden können, erinnert sich Gast.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Auch im Landkreis: Weniger Pfarrer, weniger Christen"

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren