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Politik

16.01.2019

Pflege: Strohmayr fordert Vollversicherung

Ludwig Kummer, SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr, stellvertretende Pflegedienstleiterin Andrea Deistler, Heimleiterin Andrea Neukäufer, Sebastian Hartmann, Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Aichach, und Leiter der Geschäftsstelle in Pöttmes, Stefan Hummel.
Bild: Iris Bergweiler

Im Caritas-Pflegezentrum St. Hildegard in Pöttmes hört Abgeordnete von Kostendruck und Bürokratie

Einen positiven Eindruck hat die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr bei ihrem Besuch im Pöttmeser Caritas-Pflegezentrum St. Hildegard laut Pressemitteilung gewonnen. Heimleiterin Andrea Neukäufer führte sie durchs Haus und erklärt ihnen das Konzept, zu dem auch Aromatherapie gehört. Neben den festen Mitarbeitern, die sich um Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft, Technik, Tiere und Garten kümmern, sind es Ehrenamtliche, die regelmäßig mit den Bewohnern lesen, singen, backen oder auch Gymnastik und Sturzprävention machen. Doch gibt es auch einige Probleme. Sebastian Hartmann, Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Aichach, sagt, der Kostendruck auf die Einrichtungen in der Altenpflege sei sehr hoch. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssten stationäre Einrichtungen nahezu permanent voll belegt sein. Die Kurzzeitpflege verursache Belegungslücken und damit eine niedrigere Auslastung. Diese Finanzierungslücke sei bis dato finanziell nicht ausgeglichen worden. Der Aufnahme- und Verwaltungsaufwand sei aber für einen Kurzzeitpflegegast genauso hoch wie für einen Dauerpflegegast.

Eine Erschwernis für die Pflegekräfte sei auch der hohe Aufwand für die Dokumentation. Prüfrichtlinien und Prüfverfahren änderten sich für die Einrichtungen in zu kurzen Zeiträumen. Hartmann: „Gerade hat man seine Mitarbeiter geschult und auf die Prüfverfahren eingestellt, kommt wieder eine Veränderung. Die Mitarbeiter in der Pflege brauchen Kontinuität und Sicherheit.“

Einrichtungsleiterin Neukäufer und stellvertretende Pflegedienstleiterin Andrea Deistler bestätigen, dass die Dokumentation künftig weitaus umfangreicher gemacht werden müsse – ohne zusätzliches Personal. Die meisten Mitarbeiter seien schon lange im Haus. Der Fachkräftemangel betrifft St. Hildegard bisher also noch nicht. Ob das so bleiben wird, sei nicht sicher: In den nächsten Jahren werden sich einige Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden.

Strohmayr sagt: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Tarifverträge allgemein verbindlich sind und für alle Einrichtungen gelten.“ Zudem fordert sie eine Vollversicherung. „Mit einer Teilversicherung ist Pflege in Würde nicht möglich. Dafür müssen vor allem die Besserverdienenden aufkommen.“ Sie gibt zu bedenken: „Wer soll sich einen guten Heimplatz überhaupt noch leisten können, wenn die durchschnittliche Rente von Männern in Bayern bei circa 1000 und von Frauen bei etwa 500 Euro liegt? Das reicht hinten und vorne nicht aus.“

Es war der Fall eines Rentners, durch den Strohmayr auf das Caritas-Pflegezentrum aufmerksam wurde. Der Pöttmeser Ludwig Kummer musste aus gesundheitlichen Gründen seine Frau, die er zuvor 20 Jahre lang zu Hause gepflegt hatte, ins Heim geben. Bei der Bemühung um einen Heimplatz und den damit verbundenen Fragen hatte Strohmayr den Senioren unterstützt. Darüber war Kummer laut Pressemitteilung so glücklich, dass er die Politikerin zu einem Besuch ins Pflegeheim einlud und versprach: „Wenn alles gut ausgeht, dann werde ich einen SPD-Ortsverein in Pöttmes gründen.“ (AN)

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