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05.02.2015

Plädoyer für die Herzdruckmassage

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde, Defribrillatoren können helfen.

Aindlinger Gemeinderäte sind beim Thema Defibrillatoren uneins. Der Experte Fred Kurz klärt auf, dass die schnelle Hilfe das Wichtigste ist – auch ohne technisches Gerät. Viele trauen sich nicht

Sollen die Hauptgemeinde Aindling und ihre Ortsteile mit öffentlich zugänglichen Defibrillatoren (Defis) ausgestattet werden? Defis können im Notfall durch Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie etwa Kammerflimmern beenden. Defi-Trainer Fred Kurz führte den Gemeinderäten vor Augen, wie ein Defi funktioniert und wann er eingesetzt werden kann.

So stellte Kurz von Anfang an klar: „Wenn ich mit einer leblosen Person allein bin, nützt mir der Defi gar nichts. Nur wenn eine zweite Person da ist, kann diese den Defi holen.“ Kurz berichtete aus seiner langjährigen Erfahrung bei Wasserwacht, Feuerwehr und First Responder. Wenn eine Person einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleide, sei das A und O die Herzdruckmassage. Mit dieser müsse so schnell wie möglich begonnen werden. Denn: Schon nach wenigen Minuten Unterversorgung mit Sauerstoff sterben die ersten Gehirnzellen ab. Das Problem: Laut Kurz kommt es immer öfter vor, dass sich die Personen nicht trauen, zu helfen und lieber auf den Rettungsdienst warten. Diese Gefahr bestehe auch beim Defi. „Die Leute müssen sich trauen, mit diesem Gerät umzugehen“, betonte der Fachmann. Dabei sei das Gerät so angelegt, dass es jeder ohne Vorkenntnisse bedienen könne.

Darüber hinaus sei es nicht damit getan, ein paar Defis anzuschaffen. Es müsse für jedes Gerät ein Betreiber gefunden werden, der verpflichtet sei, das Gerät in Schuss zu halten. Das sei zwar nicht schwierig, aber eine dauer- und gewissenhafte Aufgabe. Zudem müsse der Defi gegen Diebstahl und Vandalismus geschützt werden und brauche eine Heizung und eine Telefonleitung.

In Aindling selbst verfügen die First Responder über zwei Defis. In Gaulzhofen gibt es ein öffentlich zugängliches Gerät. Ein Exemplar kostet je nach Hersteller etwa 2500 Euro. Auf die Frage, ob es sinnvoll wäre, weitere Geräte zu beschaffen, ging Kurz nicht konkret ein. Er betonte jedoch, dass der Defi nur im Zusammenspiel mit der Herzdruckmassage Leben retten kann.

Walter Pasker (CSU/Freie Wählergemeinschaft) kam daher zu dem Schluss, dass es sinnvoller sei, die Bürger wieder verstärkt mit der Herzdruckmassage vertraut zu machen. Helga Holland (SPD) und Bernd Aichele (Bürgerwille ’76) sehen das anders: Sie schlagen vor, ein Netzwerk von Leuten aufzubauen, das sich mit dem Thema Defi befasst und die Infos weitergibt. Stellvertretende Bürgermeisterin Gertrud Hitzler (CSU/Freie Wählergemeinschaft) würde es für „unverschämt“ halten, Defis anzuschaffen und dann Bürger, etwa Vereinsvertreter, zu nötigen, sich darum zu kümmern. „Der Weg muss anders herum sein: Vor Ort muss sich eine Gruppe zusammentun, die sich des Themas annehmen will, und dann besorgen wir den Defi“, so Hitzler.

Nach rund einstündiger Diskussion schlug Bürgermeister Tomas Zinnecker vor, die Erkenntnisse wirken zu lassen und in der nächsten Sitzung einen Beschluss anzustreben. Manfred Büchele (Bürgerwille ’76) mahnte zur schnellen Entscheidung: „Beim Herzinfarkt geht es um jede Sekunde.“

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