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Sport

08.02.2018

Politik bremst Paddel-Preis aus

Der World Paddle Award wird jedes Jahr in verschiedenen Kategorien vergeben – 2015 erstmals im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses (Bild).
Bild: Ruth Plössel

Olympiasiegerin Elisabeth Micheler-Jones wollte Verleihung der World Paddle Awards ins Friedberger Schloss holen. Außer dem Bürgermeister findet sie aber keine Befürworter.

Roter Teppich, lange Abendroben, klassische Musik, gleißendes Scheinwerferlicht: So präsentierte sich die Verleihung der „World Paddle Awards“ (WPA) 2015 im Augsburger Rathaus. 2019 hätte es im Friedberger Schloss ähnlich glanzvoll zugehen sollen. Doch die Idee der Friedberger Kanutin und Stadträtin Elisabeth Micheler-Jones (Parteifrei) und des Augsburger Sportfunktionärs Karl-Heinz Englet ging im Kultur- und Sportausschuss unter. 40000 Euro für eine Veranstaltung auszugeben, deren Werbeeffekt als ausgesprochen ungewiss angesehen wurde und von der die Friedberger selber nichts haben: Das wollten die Stadträte nicht. Letztlich stimmte außer der Olympiasiegerin selber nur Bürgermeister Roland Eichmann ( SPD) dafür. Vorangegangen war der Entscheidung eine teils scharfe Debatte.

Englet, der 1972 das olympische Feuer an der Augsburger Kanustrecke entzündet hatte, warb im Friedberger Rathaus für das Event, das 2019 stattfinden sollte. Andere Veranstaltungsorte sind Barcelona oder London. Wie berichtet, lädt die World Paddle Academy 60 Gäste, 120 Tickets für die Gala hätte es im freien Verkauf gegeben. Diese Einnahmen sollten neben Sponsoren, bei deren Werbung Englet Hilfe versprach, der Finanzierung dienen. Ein „regionales, überregionales und in der Kurzberichterstattung weltweites Ereignis“ versprach er dafür. Doch er konnte nicht überzeugen.

Man solle nicht versuchen, Friedberg zu einer Kanuhauptstadt hochzureden, sagte SPD-Fraktionschef Roland Fuchs zu Englet. Die SPD jedenfalls könne sich eine explosionsartige Renommee-Verbesserung“ als Folge des Events nicht vorstellen. „Fassungslos“ zeigte sich Marion Brülls von den Grünen ob der Idee, zumal ihre Partei stets den Gedanken des Bürgerschlosses hochhält. Eine solche Gala – die Eintrittskarten sollen mindestens 50 Euro kosten – sei aber im Wortsinn „ex-klusiv“: Sie schließe aus. Johannes Hatzold (Freie Wähler) meinte: „Das wäre den Bürgern nicht vermittelbar. Wenn die World Paddle Academy Saalmiete zahlt, kann sie gerne kommen.“

Das sind die Argumente der Politiker

Und seitens der CSU, die im Vorfeld angekündigt hatte, den Antrag ohne Diskussion abzulehnen, ergriff Peter Gürtler doch das Wort: „Wir sind in Friedberg zu weit weg von diesem Sport.“ Einzig Micheler-Jones’ Fraktionskollegin Cornelia Böhm (FDP) zeigte Initiative, den Antrag zu unterstützen. 40000 Euro seien auch für sie indiskutabel, betonte die stets zur Sparsamkeit mahnende Politikerin. Doch man solle über Gestaltungsspielräume nachdenken und sich fragen: „Was wären wir bereit, für Marketingmaßnahmen zu investieren?“ Offenbar nicht 10000 Euro für Marketing, Einladungen, Rahmenprogramm, Gastgeschenke, 8000 Euro für Unterbringung der Gäste, Flüge und Shuttle-Service, 10000 für Technik und Sicherheit, 10000 Euro für Essen, Getränke und Service plus 2000 Euro unter dem Posten „Unvorhergesehenes“. Diese Rechnung hatte Kulturamtsleiter Frank Büschel aufgestellt.

Zwar meinte Englet, durch Sponsoring und Kartenverkauf seien um die 10000 Euro zu erzielen und die Technik in Friedberg werde sicher nicht so teuer sein wie in Augsburg, doch zumindest beim zweiten Punkt konnte ihm Büschel nicht zustimmen. Sogar Micheler-Jones selber meinte, dass man die Flüge vielleicht lieber ebenfalls von Sponsoren zahlen lassen sollte.

Bürgermeister Eichmann argumentierte: „Wir spielen mit unserem Schloss nicht in der Kreisklasse.“ Es brauche auch hochkarätige Veranstaltungen. Wer zu einer solchen Gala kommt, miete die Räumlichkeiten später selber, zum Beispiel für eine Firma. Den Aufwand von letztlich 25 000 Euro stellte er in Relation zur Werbung im Fernsehsender a.tv,welche die Stadt sich das Jahr über 12000 Euro kosten lässt.

Einmal mehr gerieten Bürgermeister und Grüne in der Debatte aneinander. Marion Brülls hatte unter anderem geäußert, sie halte es für einen Affront, sich überhaupt mit dem Thema befassen zu müssen. Roland Eichmann konterte das mit der Aufforderung: „Bleiben Sie ein bisschen auf dem Teppich!“ Da fuhr dann allerdings Roland Fuchs dazwischen: „Ich bitte Sie, von Äußerungen in derartiger persönlicher Manier Abstand zu nehmen“, forderte der SPD-Fraktionschef seinen Parteigenossen auf. Letztlich fiel der Antrag mit zwei zu zehn Stimmen durch.

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