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Aichach

13.07.2010

Polizei durchsucht Zuschauer im Amtsgericht

Eigentlich sollten die Streitigkeiten von Südeuropäern vor dem Aichacher Amtsgericht verhandelt werden. Aber das Gericht ließ zuerst die Prozess-Besucher auf Waffen hin untersuchen.

"Alles noch mal raus" hieß es gestern für die Zuschauer im Aichacher Amtsgericht. Über 20 Zuhörer hatten eine Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung mit verfolgen wollen. Weil die Polizei einen Tipp bekommen hatte, dass einer davon möglicherweise eine Waffe bei sich hätte, wurden alle noch mal aus dem Sitzungssaal geholt und mit Metalldetektoren überprüft. Erst dann begann die eigentliche Verhandlung, die mit einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten für den 45-jährigen Angeklagten aus Augsburg endete.

Streitigkeiten zwischen den Familienmitgliedern, die alle aus dem südeuropäischen Raum kommen, waren der Auslöser gewesen, weshalb es Ende November des vergangenen Jahres am Rehlinger Sportplatz zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Gegen 1.20 Uhr hätte der Angeklagte ein Glas mit voller Wucht auf den Kopf seines Kontrahenten geschlagen, warf ihm Staatsanwältin Constance von Stetten vor. Der trug eine Schnittwunde am Kopf davon. Seine schwangere Frau, die schlichtend eingreifen wollte, erlitt Schnittwunden an den Händen.

Ein Zuhörer war angeblich bewaffnet

Polizei durchsucht Zuschauer im Amtsgericht

Eben dieser familiäre Zusammenhang war auch der Grund, weshalb die Polizei gestern auf Nummer sicher ging. Als eine Besucherin eine Bemerkung aufgeschnappt hatte, aus der sie schloss, dass einer der Zuhörer eine Waffe dabei haben könnte, meldete sie das dem Gericht. Dort reagierte man sofort und verständigte die Polizei. Die rückte daraufhin mit drei Mann an und bat alle Zuhörer wieder aus dem proppenvoll gefüllten Sitzungssaal heraus. Taschen wurden durchsucht und jeder mittels eines Metalldetektors überprüft. Erst dann durfte einer nach dem anderen wieder im Zuschauerraum Platz nehmen.

Richterin Nadine Grimm, Staatsanwältin und Verteidigung sowie der Vertreter der Nebenkläger handelten unterdessen mit dem Angeklagten einen Deal aus. Für den Fall eines Geständnisses stellten sie ihm eine Strafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung in Aussicht. Außerdem muss er dem Ehepaar, das er verletzte, 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Ein Deal, dem der 45-Jährige, der bereits mehrere Vorstrafen, darunter auch einschlägige hat, zustimmte.

Die Verletzungen seien massiv und würden bleibende Schäden hinterlassen, sagte die Staatsanwältin. Sie hatte bei dem Deal zugunsten des Angeklagten berücksichtigt, dass die Streitigkeiten einen familiären Hintergrund hatten. Allerdings war ihm auch erst wenige Tage vor dem Streit am Sportplatz im November die Bewährung wegen einer anderen Straftat erlassen worden. "Er hätte sich viel ersparen können, wenn er schon vor einigen Monaten einen Täter-Opfer-Ausgleich angestrebt hätte", sagte der Vertreter der Nebenklage.

Gefunden hatte die Polizei bei der Durchsuchung übrigens nichts. Keiner der Zuhörer hatte eine Waffe dabei. Sicherheitshalber blieben zwei Polizeibeamte während der Verhandlung im Gerichtssaal. (drx)

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