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Aichach

22.04.2015

Polizei erwischt Arzt am Steuer mit 1,5 Promille

Ein Arzt wurde alkoholisiert am Steuer erwischt.
Bild: Jens Kalaene/Illustration, dpa (Symbolbild)

Ein 52-jähriger Arzt wird auf der Fahrt zum Aichacher Krankenhaus gestoppt. Zum Dienst ist er nach eigener Aussage nicht unterwegs.

Dem Angeklagten war die Situation sichtlich unangenehm: Vor dem Aichacher Amtsgericht musste sich gestern ein Arzt verantworten. Er war im November 2014 spätabends mit 1,54 Promille Alkohol im Blut in eine Verkehrskontrolle geraten. Auf der Auffahrt zum Aichacher Krankenhaus. Zum Dienst sei er aber nicht gefahren, sagte der Belegarzt gestern vor Gericht. Gegenüber den Polizisten, die ihn gestoppt hatten, hatte er sich damals anders geäußert, wie einer der Beamten als Zeuge aussagte.

Zur Verhandlung war es nur gekommen, weil der 52-Jährige gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Dieser hatte eine Geldstrafe von 6750 Euro vorgesehen und den Entzug der Fahrerlaubnis. Verbunden damit war eine Sperrfrist von zwölf Monaten, innerhalb derer keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf. Um diese Sperrfrist ging es dem Arzt bei seinem Einspruch. Die Trunkenheitsfahrt an sich bestritt er nicht. Warum er sich nach mehreren Gläsern Wein und Bier noch ans Steuer gesetzt hatte, konnte er sich gestern selbst nicht erklären. Zumal die Strecke, die er von einem Lokal zum Krankenhaus zurückgelegt hat, gerade mal 500 Meter betrug. „Da hätten Sie ja zu Fuß gehen können“, stellte Richter Axel Hellriegel fest. „Warum sind Sie denn mit dem Auto gefahren?“ Der Angeklagte sagte dazu: „Gute Frage.“ Zum Dienst sei er allerdings nicht gefahren. Er habe im Krankenhaus einen zweiten Wohnsitz, so der Angeklagte. Er habe dort ins Bett gehen wollen.

Gegenüber den Polizisten, hatte sich der Angeklagte damals anders geäußert. „Er hat gesagt, dass er Arzt ist und jetzt Dienst hat“, sagte gestern einer der Beamten als Zeuge aus. Der Angeklagte sei ansonsten sehr kooperativ gewesen. Auch ein zweiter Arzt, der dazukam, habe den Beamten erklärt, der Kollege müsse jetzt arbeiten. Dieser andere Arzt habe ihnen auch gesagt, wenn sie den Kollegen mitnehmen würden, müssten sie für Ersatz sorgen, so der Polizist. Sie nahmen den Arzt dennoch mit auf die Wache und veranlassten eine Blutuntersuchung.

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"Sie können sich nicht vorstellen, wie peinlich es ist, jetzt hier zu sitzen"

Ein Notarzt weigerte sich jedoch, diese bei dem Kollegen vorzunehmen. Ein weiterer Arzt erklärte sich zwar dazu bereit. Dessen ärztlicher Bericht verursachte im Gericht gestern allerdings Kopfschütteln, selbst bei Verteidiger Florian Wolf. Der Kollege hatte dem Belegarzt attestiert, Einfluss von Alkohol sei nicht bemerkbar gewesen. Der Polizist hatte dagegen berichtet, der Angeklagte habe geschwankt. Das Ergebnis der Blutuntersuchung ergab 1,54 Promille. Richter Hellriegel stellte fest, wären bei diesem Wert keine Anzeichen für Alkoholisierung bemerkbar, müsste man von Gewohnheitstrinken ausgehen.

Den Führerschein musste der 52-Jährige noch am selben Abend, am 23. November, abgeben. Nach dem Strafbefehl hätte er frühestens Ende November 2015 wieder eine neue Fahrerlaubnis beantragen dürfen. Zu lang, nach Auffassung des Verteidigers. Florian Wolf argumentierte mit der beruflichen Tätigkeit des Belegarztes, der auch Bereitschaftsdienste leisten muss. Mit dem Taxi seien Fahrten von seinem Wohnort zur Klinik nicht ohne Weiteres möglich. Unter Umständen sei die medizinische Versorgung im Fachbereich seines Mandanten gefährdet. Er beantragte, die Dauer der Sperre auf insgesamt acht Monate zu verkürzen, also auf weitere drei Monate. Der Angeklagte entschuldigte sich: „Sie können sich nicht vorstellen, wie peinlich es ist, jetzt hier zu sitzen. Es tut mir sehr leid.“ Staatsanwältin Verena Schön forderte eine Sperre von weiteren sechs Monaten, insgesamt also elf Monate. Die Geldstrafe sollte auf 7650 Euro erhöht werden.

Richter Axel Hellriegel verurteilte den Arzt zu einer Geldstrafe von 9000 Euro und einer Führerscheinsperre von weiteren sechs Monaten. Er hielt ihm zugute, dass er nicht vorbestraft ist und nur eine kurze Strecke gefahren ist. Er sei aber erheblich alkoholisiert gewesen. Deshalb sei die Sperre im unteren angemessenen Bereich. „Auf ein weiteres Herabsenken konnte sich das Gericht nicht einlassen“, sagte er. Es gehe darum, die anderen Verkehrsteilnehmer zu schützen. Beruflich müsse das organisiert werden, vom Angeklagten oder vom Krankenhaus, so der Richter: „Deswegen kann man jemanden, der betrunken fährt, trotzdem nicht auf die Straße lassen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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