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Inchenhofen

05.12.2019

Porträt: Warum Nachwuchstorhüter Florian Hartmann kein Profi werden will

Zupacken kann Florian Hartmann: Der Inchenhofener gehört in seiner Altersklasse zu den besten Torhütern Bayerns. Der angehende Flugzeuggerätemechaniker hütet das Tor der A-Junioren des FC Stätzling.
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Zupacken kann Florian Hartmann: Der Inchenhofener gehört in seiner Altersklasse zu den besten Torhütern Bayerns. Der angehende Flugzeuggerätemechaniker hütet das Tor der A-Junioren des FC Stätzling.
Bild: Sebastian Richly

Plus Der 17-Jährige kommt aus einer Torhüterfamilie und steht für die Bayernauswahl im Tor. Warum der Flugzeugerätemechaniker in Stätzling und nicht beim FCA spielt.

Nicht selten kommt es vor, dass Florian Hartmann lange warten muss, bis er ins Spielgeschehen eingreifen. Der Torhüter der U19 des FC Stätzling führt mit seinem Team souverän die Tabelle der Bezirksoberliga an. Manchmal hat er eine halbe Stunde lang nichts zu tun und ist dann plötzlich gefordert.

Für den 17-Jährigen liegt aber genau darin die Herausforderung: „Das ist als Torhüter beim Fußball so. Damit habe ich kein Problem. Ich kann die Konzentration hochhalten. Wichtig ist, dass man warm bleibt. Ein Moment kann entscheidend sein und da will ich voll da sein“, so der Inchenhofener, der zu den besten Torhütern Bayerns zählt. Der angehende Flugzeuggerätemechaniker (drittes Lehrjahr) gehört zur Bayernauswahl. Im vergangenen Jahr spielte Hartmann mit seinem Team bei einem Turnier in Karlsruhe mit, bei dem namhafte Gegner dabei waren wie etwa der Profinachwuchs der TSG Hoffenheim und des VfB Stuttgart. „Da waren eine Menge Scouts vor Ort. Nervös war ich eigentlich nicht, aber es ist schon eine große Sache, wenn man sich mit Spielern messen kann, die das Potenzial haben, später einmal in der Bundesliga zu spielen“, so Hartmann. Der Leahader selbst hat nie eine Profilaufbahn angestrebt. „Natürlich träumt man davon, aber man muss auch realistisch sein. Nur ganz wenige schaffen es und man braucht viel Glück und die richtigen Trainer. Das war nichts für mich, ich wollte lieber etwas in der Hand haben.“

Sportporträt: Warum Florian Hartmann nicht zum FC Augsburg wollte

Deshalb entschied sich Hartmann für eine Lehre. Anfragen von Bundesligavereinen gab es aber immer wieder. Mehrmals klopfte der FC Augsburg beim Inchenhofener an. Zu einem Wechsel kam es aber nicht: „Ich habe mittrainiert und hätte auch die Zusage bekommen. Die Übungen waren super und ich hätte bestimmt viel lernen können, aber diesen Schritt wollte ich nicht machen. Ich hätte auf vieles verzichten müssen und der Umgangston ist in so einer Mannschaft sehr rau.“ Deshalb blieb Hartmann in Stätzling: „Der FCS ist eine sehr gute Adresse im Nachwuchsbereich. Das Niveau ist hoch.“ Deshalb entschied sich Hartmann auch in der D-Jugend für einen Wechsel nach Stätzling. Angefangen mit dem Fußballspielen hat er beim TSV Inchenhofen im Alter von fünf Jahren. Zunächst als Stürmer, ehe er zwei Jahre später ins Tor kam: „Das war nur eine Frage der Zeit. Meine beiden großen Brüder sind ebenfalls Torhüter und da wusste der Trainer, dass ich die Position vermutlich spielen kann. Für mich war das aber kein Problem, gezwungen wurde ich nicht.“ Der älteste der Hartmann-Brüder Christoph spielt beim Regionalligisten TSV Rain am Lech. Johannes, der mittlere Bruder, ist seit dieser Saison wieder beim TSV Inchenhofen. Das Torhüter-Talent haben alle drei von Vater Richard. Auch der stand schon für Leahad zwischen den Pfosten. Florian Hartmann: „Meinen Vater habe ich nur einmal spielen sehen. Von Christoph kann ich mir einiges abschauen, er ist am Ball sehr stark. Wenn es zeitlich geht, schauen wir am Sonntag in Inchenhofen zu. Da trifft sich dann die ganze Familie.“

Porträt: Warum Nachwuchstorhüter Florian Hartmann kein Profi werden will

Ansonsten achtet der 17-Jährige ganz genau darauf, was die Profi-Torhüter machen: „Ich schaue online viele Videos mit den besten Paraden. Im Vergleich zu meinen Mitspielern achte ich auch bei einem Fußballspiel genau darauf, was die Torhüter machen und nicht wer das schönste Tor schießt.“ Das Gesehene versucht der Leahader im Training umzusetzen. Drei Mal pro Woche stehen Übungseinheiten an plus ein Spiel. Hinzu kommen Lehrgänge mit der Schwaben- und Bayernauswahl. In den vergangenen Jahren feierte Florian Hartmann einige Erfolge. Mehrmals gewann er mit Stätzling den Landkreispokal in Halle und im Freien. Der größte Erfolg war die Meisterschaft in der Bezirksoberliga in der U17. Die peilt er nun auch in der U19 an. Aktuell liegen Hartmann und Co. an der Tabellenspitze. In zehn Partien ließ der Leahader nur sieben Gegentreffer zu. Bei der Schwäbischen Hallenmeisterschaft wurde er 2019 zum besten Torhüter gekürt. Aufgrund seiner Leistungen wählten ihn auch die Leser der Aichacher Nachrichten zum AN-Sportler der Monate Juni und Juli gewählt. Für den 17-Jährigen zählt aber mehr die Teamleistung. Deshalb zahlte er seinen Gewinn auch in die Mannschaftskasse der Stätzlinger U19 ein. „Ohne meine Teamkollegen hätte ich diese Erfolge nicht feiern können.“

Wasser ist nur ein Element von Tibor Bolváry: Der 66-Jährige ist Triathlet und war früher sogar in der ungarischen Nationalmannschaft. Mehr als 40 Stunden trainierte er zu Hochzeiten pro Woche, bis ein Unfall seinen Traum vom Ironman auf Hawaii zerstörte. Der gebürtige Ungar, der 1989 nach Deutschland kam, kämpfte sich aber nach anderthalb Jahren Pause zurück.
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Bild: Sebastian Richly

Wie ein Profi: Das Ritual des Leahader Torhüters

Apropos Erfolg. Der 17-Jährige kann es nicht leiden, zu verlieren: „Ehrlich gesagt, bin ich ein schlechter Verlierer. Wenn ich auf dem Platz bin, will ich mein Bestes geben und gewinnen. Warum sollte man sonst antreten? Wenn mir ein Fehler unterläuft, ist es doppelt schlimm, ich bin eben sehr ehrgeizig.“ Deshalb hat Hartman auch die Regional- oder Bayernliga als Ziel ausgegeben: „Ich will kein Profi werden, dafür möglichst hoch im Amateurbereich spielen.“

Dafür schaut er sich von den Weltstars einiges ab. Auch der Leahader hat ein Ritual: „Vor jedem Spiel berühre ich erst einen Pfosten, dann die Latte, dann den anderen Pfosten und hänge mich schließlich kurz an die Latte. Wenn ich das vergesse und es mir später einfällt, hole ich das sogar während des Spiels nach.“ Neben dem Fußball ist Hartmann wie seine Brüder bei der Freiwilligen Feuerwehr in Inchenhofen aktiv und hilft als Ministrant. Als Ausgleich zum Fußball geht er Laufen oder Radfahren.

Manuel neuer ist das Vorbild von Florian Hartmann

Wen möchtest du gerne einmal treffen oder kennenlernen?

„Manuel Neuer. Marc-Andre ter Stegen spielt zwar auch sehr gut. Beide sind fußballerisch meine Vorbilder, aber ich bin Fan des FC Bayern München. Mit Manuel Neuer würde ich gerne mal eine Trainingseinheit machen. Von einem Torwart wie ihm kann man bestimmt so einiges lernen. Wie verhält er sich in der jeweiligen Situation und wie bereitet er sich auf ein Spiel vor, das sind Dinge, die ich von ihm wissen möchte.

Mit welcher Sportart kannst du gar nichts anfangen?

„Golf. Es gibt ja viele Fußballer, die es mögen, aber ich kann damit nichts anfangen. Vielleicht später einmal, aber aktuell nicht. Fußballgolf ist dagegen schon eher was für mich.“

Womit kann man dich so richtig auf die Palme bringen?

„Da gibt es mehrere Dinge. Ich mag es nicht, wenn jemand faul ist. Also nicht von Grund auf, aber wenn jemand eine Aufgabe bekommt und die einfach nicht macht – das geht gar nicht. Ich räume zuhause nach dem Training immer meine Fußball-Tasche aus. Bei meinen beiden Brüdern steht die tasche dann oft Tage oder sogar Wochen rum. Diese Lustlosigkeit mag ich gar nicht. Gleiches gilt aber im Beruf.“

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Porträt: Die Hartmanns - eine Familie von Fußball-Torhütern

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