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Pöttmes

20.11.2019

Post: So sollen E-Transporter die Luft verbessern

Die Deutsche Post trägt Briefe und Pakete in Pöttmes und Aindling seit zwei Jahren mit elektrischen Fahrzeugen aus. Postbote Janos Kreisz aus Ungarn freut sich darüber und findet die Autos praktisch. Er kann besser einsteigen und direkt die Bremse runterdrücken.
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Die Deutsche Post trägt Briefe und Pakete in Pöttmes und Aindling seit zwei Jahren mit elektrischen Fahrzeugen aus. Postbote Janos Kreisz aus Ungarn freut sich darüber und findet die Autos praktisch. Er kann besser einsteigen und direkt die Bremse runterdrücken.
Bild: Philipp Schulte

Plus Die Post setzt in Pöttmes und Aindling auf Elektro-Fahrzeuge. Warum sich Kunden noch nicht daran gewöhnt haben.

Wenn Janos Kreisz durch Pöttmes fährt, hört er alles. Ihn aber hört fast niemand. Der 54-Jährige ist Postbote und an diesem sonnigen Herbstmorgen mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Wie alle Post-Autos ist es knallgelb und hat schwarze Schriftzüge. Kreisz, Brille, Post-Montur, nach hinten gekämmtes Haar, fährt durch die Pöttmeser Hochfeldstraße, biegt in die Dr.-Franz-Hefele-Straße ein, öffnet eine Garage, legt ein Paket hinein. Das ist so abgesprochen, die Leute vertrauen ihm. (siehe auch: Kommentar)

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Pöttmes: Die elektrischen Fahrzeuge sind seit zwei Jahren unterwegs

Seit zweieinhalb Jahren bringen Boten der Deutschen Post von den Stützpunkten Pöttmes und Aindling aus Briefe und Pakete mit sogenannten Streetscootern an Frau und Mann. Das sind elektrisch betriebene Kleintransporter (siehe Infokasten). Von Pöttmes aus werden die Gemeinde selbst, Inchenhofen und Teile von Ehekirchen beliefert. Vom Stützpunkt Aindling, der sich im Ortsteil Stotzard befindet, aus geht es nach Aindling selbst, nach Petersdorf mit seinen Ortsteilen und in Ortsteile von Affing. Aindling verfügt über fünf, Pöttmes über acht Streetscooter. Deutschlandweit sind 10000 unterwegs. Die Post will dadurch zum einen die Luft in Städten und auf dem Land verbessern. Und die Treibhausgasemissionen sollen sinken: Die Streetscooter können mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Zum anderen will die Post 60 bis 70 Prozent der Kosten für Kraftstoff sparen. Kosten für Wartung und Verschleiß sollen sich um 60 bis 80 Prozent reduzieren. Bis die gesamte Flotte der Fahrzeuge elektrisch fährt, dauert es aber noch Jahre, heißt es bei der Post. Konkreter: Bis 2025 sollen Pakete und Briefe zu 70 Prozent emissionsfrei zugestellt werden.

Zur Abholung der Post aus den gelben Briefkästen fährt Janos Kreisz ebenfalls mit dem Streetscooter.

Der Scooter von Janos Kreisz hat heute wieder viele Pakete auf der Ladefläche. In Deutschland werden einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge so viele Pakete verschickt wie in kaum einem anderen Land – pro Person und Jahr 24. Auch einen Blumenstrauß bringt Kreisz später einer Frau vorbei, die sich riesig freut. Briefe und Zeitschriften liegen im Fußraum des Fahrzeugs in einer Kiste, Post aus England ist genauso an Bord wie die Aichacher Nachrichten und der Kicker.

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Kunden hätten sich noch nicht an die neue Technik gewöhnt, sagt Walter Grob, regionaler Betriebsleiter der Post. Wenn sie früher das herkömmliche Auto gehört hätten, seien sie aus dem Haus gekommen, um ihre Post entgegenzunehmen. Nun ist der Postbote leise unterwegs und sollte hupen. Grob sagt auch: „Viele Kunden sprechen unsere Zusteller unterwegs an und wollen alles über die Streetscooter wissen.“

Post: Ein paar Geräusche macht der Postbote dann doch

Ein paar Geräusche macht Janos Kreisz dann doch: Seine Bremse quietscht. Hupen muss er heute nicht. In Pöttmes ist gerade kaum jemand auf der Straße. Für Kreisz haben die Elektrowagen auch einen Vorteil: Wenn er einsteigt, drückt er parallel die Bremse runter. Das sei einfacher als beim Post-Caddy, sagt er. Auch der Laderaum öffnet sich auf Knopfdruck und der Scooter hat eine höhere Ladefläche. Das schont den Rücken.

25 bis 30 Postboten gibt es am Poststandort Pöttmes. Der Zustellbereich ist in 16 Bezirke aufgeteilt. Zwei Bezirke muss Kreisz heute abgrasen. In sechs wird er, der seit drei Jahren Postbote ist und seit 2011 in Deutschland lebt, regelmäßig eingesetzt. Er stammt aus Ungarn, seine Frau und sein Sohn leben dort. In Rain am Lech ist Kreisz zu Hause. Die Stadt ist die Partnerstadt von Kreisz’ Heimatgemeinde Taksony, südlich von Budapest gelegen.

An Weihnachten will Kreisz seine Familie besuchen, davor muss er aber noch den Pakete-Wahnsinn kurz vorher überstehen, sagt er. Das Fest ist eine Wegmarke für Arbeitnehmer in der Logistik-Branche. „Wie viele Weihnachten hast du noch?“, fragen sich die Kollegen untereinander, wenn es um den Renteneintritt geht.

Die Elektro-Fahrzeuge werden in Pöttmes am Stützpunkt in der Von-Gumppenberg-Straße geladen. Er ist ungefähr so groß wie ein Supermarkt mit Parkplatz. Die Ladeklappe der Scooter befindet sich an der linken Seite in der Nähe des Scheinwerfers. „Natürlich naturgemäß“ und „Go Green“ steht auf den Autos, Windräder sind abgebildet. Sechs der acht gelben Elektrofahrzeuge stehen jetzt gegen Mittag wieder an den Ladesäulen. Die Boten haben das Gros der Briefe und Pakete ausgetragen. Mitarbeiter betreten und verlassen das Dienstgebäude.

Janos Kreisz ist noch unterwegs. Die Batterie seines Fahrzeugs ist jetzt noch zu 92 Prozent geladen, was 120 Kilometer Reichweite entspricht. So weit muss der Ungar heute nicht mehr fahren, auch wenn er nun raus in den Pöttmeser Ortsteil Gundelsdorf muss. Außerdem sei montags weniger los. Das entspricht einer Forderung der FDP, nach der die Zustellung am ersten Tag der Woche keine Pflicht mehr sein sollte.

Dass die Post montags nicht mehr kommt, würde einem Mann, der gerade hinter einem Zaun auf den Postboten wartet, nicht gefallen. „Ich freue mich immer, wenn er kommt“, sagt er und grinst. Kreisz hat heute leider keine Post für ihn. Morgen hat Kreisz vielleicht das Paket einer Autofirma dabei – mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es ein Teil für ein Auto mit einem Verbrennungsmotor.

Lesen Sie auch einen Kommentar zu diesem Thema: Post: Andere Firmen müssen ebenfalls umrüsten

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