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Pöttmes-Immendorf

11.07.2019

Preis: Bei Leo Kammerer wächst der Wald der Zukunft

Leo Kammerer aus Pöttmes-Immendorf hat den Preis für den Zukunftswald 2019 des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg gewonnen. Er bekam eine Stele, Weißtannen-Pflanzen und 500 Euro geschenkt. Seine Frau Ingrid gratulierte. Die Verleihung fand in seinem Wald bei Pöttmes-Immendorf statt.
Bild: Philipp Schulte

Der Immendorfer Leo Kammerer gewinnt den ersten Wald-Preis im Landkreis. Damit setzt er sich gegen drei andere Kandidaten im Wittelsbacher Land durch. Worauf es der Jury bei der Bewertung ankommt.

Wenn Leo Kammerer von seinem Wald schwärmt, breitet er die Arme aus, weiten sich seine Augen, lächelt er. „Sie müssen mal am Sonntagmorgen um vier Uhr in den Wald gehen“, sagt er. „Das kann man sich nicht vorstellen. Das hat was.“ Wenn er zu dieser Zeit da draußen sei und jage, höre er nichts. Es sei einfach still. Kurze Zeit später ginge es aber los mit den Geräuschen. Der erste Vogel, der zu singen beginne, sei die Amsel. Dann der Sonnenaufgang. „Das ist ein Ausgleich für mich“, sagt er. Zum Frühstück um acht Uhr sei er wieder zurück und bringe seiner Familie Semmeln mit.

Kammerer wohnt im Pöttmeser Ortsteil Immendorf, ihm gehören 18,7 Hektar Wald. Er hat gestern den Zukunftswald-Preis 2019 erhalten. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg hat ihn verliehen und die Zeremonie in seinem Waldstück stattfinden lassen. Die Auszeichnung ist Teil der „Initiative Zukunftswald Bayern“. Nominiert waren vier Waldbesitzer aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. In Kammerers Wald gibt es Kirschbäume, Esskastanien, Roteichen, Eichen, Lerchen, Elsbeeren, Douglasien, Birken, Vogelkirschen, Weißtannen, Hainbuchen, Ahornbäume und viele mehr. Die Jury würdigte, dass sich Kammerer für einen artenreichen Mischwald einsetze. „Er hat Mut, Baumarten auszuprobieren“, sagte Wolfgang Sailer, Leiter des Forstamts, bei der Preisverleihung.

Wald der Zukunft: Der Klimawandel macht dem Wald zu schaffen

Besonders wichtig sei, dass Kammerers Wald zukunftsfähig ist. Der Klimawandel berge Sailer zufolge Risiken für die Wälder. In der Region Augsburg bestünden die Wälder zu 60 Prozent aus Fichten. Bei dieser Baumart bestehe das Risiko, dass sie in trockeneren und heißeren Zeiten nicht mehr über 100 Jahre alt würde. Das gelte auch für Kiefern. Diese Baumarten seien eher für kühle und feuchte Regionen ausgelegt, sagt Forstwissenschaftler Sailer, während er mit dem rechten Arm an einer Lerche lehnt. Sailers Strategie gegen den Klimawandel geht so: Abgestorbene Fichten nicht mit neuen ersetzen, sondern etwa nicht-heimische Douglasien pflanzen. Eine Baumart, die besser mit Trockenheit und Hitze klar komme. Dazu passe eine Buche, die Mutter des Waldes.

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Pöttmes-Immendorf: Leo Kammerer geht in den Wald statt ins Fitness-Studio

Seit der vergangenen Prognose des Amtes vor einigen Jahren gebe es fünf bis zehn Prozent weniger Feuchtigkeit und es sei „zwei, drei, vier“ Grad wärmer, sagt Sailer. Dennoch stehe der Wald im Landkreis im bayernweiten Vergleich gut da. Schäden etwa durch Käfer hielten sich in Grenzen. Waldbesitzer sollten alle zwei Wochen ihre Bäume auf Käfer kontrollieren. Leo Kammerer hat zwar mit Borken- und Rüsselkäfern zu kämpfen. Vielmehr hofft er aber, dass es bald mal wieder regnet. Aber „ohne Sturm“, wie er sagt. Orkan Lothar habe 1999 sein heutiges Waldgebiet „komplett niedergelegt“. Ein Jahr später übernahm der 50-Jährige den Wald, der schon lange in Familienbesitz ist. Er habe bisher eher mit kleineren Stürmen und mit Mountainbikern Probleme gehabt. Wenn die Biker durch frisch gesäte Pflanzen fahren und nicht auf den Wegen bleiben, störe ihn das, sagt er. Kurz nach der Preisverleihung zeigt Kammerer, der als Metallbauer arbeitet, seinen Wald. Er und seine Frau stapfen eine Anhöhe hoch. Kammerer rupft dabei ein indisches Springkraut heraus und zeigt auf eine Schlucht. Sie durchzieht seinen Wald wie ein Fluss eine Berglandschaft.

Was sagt eigentlich seine Frau Ingrid dazu, dass er ständig im Wald unterwegs ist, manchmal fünfmal die Woche nach Feierabend? „Man gewöhnt sich dran“, sagt sie. Sie unternehme mit ihm auch hin und wieder Spaziergänge. Außerdem: „Andere gehen ins Fitnessstudio, wir gehen in den Wald“, sagt Leo Kammerer.

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