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Aichach

21.10.2019

Preis für Kunst hinter verschlossenen Türen

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Der Förderverein Frauenhaft erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Aichach (von links): Birgit Cischek, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Bürgermeister Klaus Habermann, Margrit Wucherer und Kerstin Weger vom Förderverein neben Kulturreferent Helmut Beck.
Bild: Gerlinde Drexler

Exklusiv Aichach unterstützt den Förderverein Frauenhaft mit 2500 Euro. Der Verein will die Inhaftierten mit künstlerischen Aktivitäten stabilisieren

Gedanken darüber, was sie sagen würde, wenn die Wahl auf ihren Verein fiel, hatte sich Kerstin Weger, Vorsitzende des Fördervereins Frauenhaft, schon gemacht. Aber nicht damit gerechnet, dass es tatsächlich so weit kommen würde. Dann stand sie am Freitagabend am Sisi-Schloss in Unterwittelsbach (Stadt Aichach) doch am Rednerpult und konnte es noch immer kaum glauben. Der Verein Frauenhaft erhielt den Kulturförderpreis der Stadt.

Die Spannung, bis Bürgermeister Klaus Habermann das Geheimnis um den inzwischen elften Preisträger lüftete, hielt er so lange wie möglich hoch. Er erzählte, dass es heuer mit den Bewerbungen um den Preis zuerst etwas zäh angelaufen sei. Dann waren aber doch sechs aus ganz unterschiedlichen Genres bei der Stadt eingegangen. „Dies bildet dann doch die große Bandbreite kulturellen Lebens ab, hier in unserer Stadt, und das ist großartig.“

Die Jury des Aichacher Kulturförderpreises hatte es nicht leicht

Für die Jury, der Kulturreferent Helmut Beck, Birgit Cischek, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, die Stadträte Ursula Schindler, Lothar Bahn und Raymund Aigner, Kunstvereins-Vorsitzender Werner Plöckl, Franz Gutmann, Vorsitzender von Aic Creativ, Kunsterzieher Hans Wiedemann und der Bürgermeister angehörten, machte das die Auswahl nicht gerade leicht.

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Warum betreibt die Stadt den Aufwand, alle drei Jahre einen mit 2500 Euro dotierten Kulturförderpreis auszuloben? Erst das kulturelle Leben lasse eine Stadt aufblühen, sagte Habermann. „Es ist in erster Linie das geistige Leben, das einer Stadt Lebenswert und Unverwechselbarkeit verleiht.“ Die Bereitschaft, Erhaltenswertes zu bewahren und sich auch mit neuen innovativen Formen der Gegenwartskunst und -kultur auseinander zu setzen, bringe städtisches Leben weiter und habe das Gemeinwesen zu dem gemacht, was es heute ist.

"Kunst und Kultur sind Bestandteile des Lebens"

Als Beispiele nannte der Bürgermeister die erst seit kurzem im Stadtgebiet aufgestellten Skulpturen, die in den 90er Jahren im Rahmen eines städtischen Symposiums in Aichach entstanden waren. Und er erinnerte an die vielen musikalischen, literarischen oder sonstigen Höhepunkte des Jahres. „Kunst und Kultur sind mittlerweile fester Bestandteil im städtischen Leben und das ist auch gut so.“ Habermann betonte: „Wir können stolz sein auf das, was sich hier in Aichach entwickelt hat.“

Je mehr man sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen müsse, desto mehr sehne man sich nach Kreativität, sagt Cischek. „Kunst und Kultur helfen uns, Grenzen zu überwinden und sie erweitern den Horizont. Die Stadtsparkasse unterstützt den Kulturförderpreis von Anfang an. „Von der emotionalen Rendite profitieren alle in der Region“, war die Vorstandsvorsitzende überzeugt. Mit dem Kulturförderpreis will die Stadt diesmal bewusst denen Aufmerksamkeit verschaffen, die eher im Verborgenen, unter besonders schwierigen psychischen, physischen und emotionalen Bedingungen künstlerisch wertvolle Arbeit leisten. Der Förderverein Frauenhaft wurde 2013 von Mitarbeitern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach gegründet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, mit künstlerischen Aktivitäten zur psychischen Stabilisierung und Erweiterung sozialer Kompetenzen inhaftierter Frauen beizutragen.

Signal an die Gefangenen: "Ihr seid uns nicht egal"

Eine Zielsetzung, die ohne Frage erreicht werden konnte, sagte Habermann. Er wies auf die zahlreichen ausgestellten Arbeiten im Rathaus, im Sisi-Schloss oder auch im Amtsgericht hin. Der Rathausadventskalender wird heuer einmal mehr von Inhaftierten der JVA gestaltet. Die Fenster würden derzeit mit großem Eifer in stundenlanger Arbeit gestaltet werden, sagte Kerstin Weger. Sie ist Motor und Gründungsmutter des Vereins. Es berühre sie sehr, dass die Arbeit des Vereins, die ja in einer verschlossenen und von draußen abtrennten Welt stattfinde, verfolgt und gesehen werde, sagte sie. Weger verstand die Preisverleihung als Signal an die Gefangenen: „Ihr seid uns nicht egal und wir wollen euch unterstützen.“


Lesen Sie dazu auch: Aichach lobt Kulturförderpreis aus

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