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Corona-Pandemie

22.05.2020

Professorin aus Adelzhausen im Oman: "Ich hätte zurückfliegen können"

Professorin Sybille Brunner lebt derzeit im Oman.
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Plus Sibylle Brunner aus Adelzhausen besucht fast jährlich den Oman, nun ist sie nun länger in dem Land als sonst. Sie erzählt, warum sie nicht die letzten Flüge genommen hat.

Sibylle Brunner wohnt den größten Teil des Jahres in Adelzhausen. Sie ist Professorin für Volkswirtschaft, seit September 2019 zwar im Ruhestand, aber noch freiberuflich tätig. Seit Jahren betreut sie für die Hochschule Neu-Ulm Hochschulkooperationen im Sultanat Oman. Eine Partneruniversität im Sultanat ist die German University of Technology in der Stadt Muscat. Hier war sie im Februar/März 2020 für eine Blockvorlesung über Health Economics eingeladen. Wegen der Corona-Pandemie konnte sie nicht mehr zurückreisen.

Sie sind jetzt seit Monaten im Sultanat Oman. Wann wollten Sie eigentlich wieder zurück?

Sibylle Brunner: Eigentlich wollte ich am 4. April zurückfliegen, rechtzeitig zur Karwoche und zu Ostern. Ende März wurde der Flughafen aber geschlossen.

Professorin aus Adelzhausen im Oman: "Ich hätte zurückfliegen können"

Sie hätten noch vorher zurückfliegen können.

Brunner: Ich hätte zurückfliegen können, als auch alle Touristen aus dem Land geschickt worden sind. Ich wollte aber meinen Mann, der dauerhaft im Oman lebt, gerade in der Corona-Situation nicht allein lassen und nur mit ihm gemeinsam nach Deutschland zurückfliegen. Er wiederum konnte aus beruflichen Gründen noch nicht weg, und seither gibt es keine Flüge mehr.

Wo leben Sie jetzt? In einem Hotel?

Brunner: Nein, in unserem Haus. Mein Mann und ich haben beide einen Zweitwohnsitz im Sultanat.

Sie sind also oft im Oman.

Brunner: Ich kenne den Oman bereits seit über 30 Jahren. Ich war zwar noch nie so lange am Stück dort, habe das Land aber fast jedes Jahr besucht – meist mehrfach. Ich fühle mich zu Hause.

Sind Sie die einzige Deutsche, vielleicht sogar die einzige Europäerin in Ihrer nächsten Umgebung, oder gibt es andere, die nicht mehr zurück konnten?

Brunner: Es sind inzwischen keine Touristen mehr im Land. Seit Mitte März werden auch keine Touristenvisa mehr ausgestellt. Diejenigen Europäer, die jetzt noch hier sind, leben und arbeiten hier. Davon gibt es aber eine ganze Menge aus unterschiedlichen europäischen und anderen Ländern. Unsere unmittelbaren Nachbarn sind zum Beispiel Österreicher, Engländer, Deutsche und Südafrikaner.

Adelzhausener Professorin Sibylle Brunner ist derzeit im Oman.
Bild: Niedermayer

Was vermissen Sie von zu Hause?

Brunner: Vor allem meine Familie und Freunde, aber auch meine drei Katzen, den bayerischen Frühling in meinem Garten und Waldspaziergänge. Auch Spargel aus Schrobenhausen, Salami und Leberkäse von meiner Metzgerei in Sielenbach, Schokolade vom Konditor. Außerdem vermisse ich die Münchner Oper, Konzerte und Ausstellungen. Aber die gibt es momentan ja ohnehin nicht.

Was werden Sie aus Ihrer Zeit im Oman vermissen?

Brunner: Immer wenn ich zu Hause in Bayern bin, vermisse ich den Oman und umgekehrt. Das ist das Los von Leuten mit mehreren Heimaten! Der Oman ist ein wunderbares Land mit einer faszinierenden Kultur und Natur. Am meisten aber besticht das Land durch die unglaubliche Gastfreundschaft, die Höflichkeit, Sanftmut und Toleranz seiner Bewohner. Wo auch immer ich hinkomme: Omani vermitteln mir das Gefühl, wirklich willkommen zu sein.

Aber auch hier ist es sicherlich anders als sonst. Wie geht der Oman mit Corona um?

Brunner: Im Oman traten die ersten Corona-Infektionen erst Ende Februar auf. Trotzdem reagierte das Land ungefähr zur selben Zeit wie Deutschland, nämlich bereits ca. Mitte März, mit der Schließung aller Schulen, Hochschulen, Restaurants und Hotels, öffentlicher Parks und anderer Einrichtungen, aller Läden mit Ausnahme der Supermärkte und Apotheken. Auch hier war es von da an verboten, sich außerhalb der Familie mit Leuten zu treffen. Der Flughafen wurde am 29. März geschlossen. Es folgte das Verbot, die Stadt und sogar den Stadtteil zu verlassen. Einige Stadtteile mit besonderen Corona-Hotspots wurden rundum abgeriegelt. Überall in der Stadt und sogar am Strand patrouilliert die Polizei und achtet darauf, dass alle die Vorschriften einhalten. Dennoch schnellen die Infektionszahlen derzeit täglich in die Höhe. Oman scheint die Situation bislang aber immer noch besser im Griff zu haben als die Nachbarländer auf der arabischen Halbinsel.

Inzwischen werden an vielen Stellen schon Corona-Regelungen gelockert. Wann planen Sie zurückzukommen?

Brunner: Ich hoffe, dass wie derzeit angekündigt, Anfang Juni der Linienverkehr nach München wieder aufgenommen wird. Da wäre ich gerne dabei. Allerdings müssen wir dazu erst eine Ausreisegenehmigung vom Sultanat einholen.

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