Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Protest für „Sandras“ Freiheit im Ursberger Klosterhof

Todtenweis/Ursberg

23.03.2015

Protest für „Sandras“ Freiheit im Ursberger Klosterhof

Eine Mahnwache für das Mädchen Sandra (Name von der Redaktion geändert) veranstaltete die Bürgerinitiative Todtenweis im Ursberger Klosterhof. Mit dabei waren die ehemaligen Pflegeeltern des Mädchens (3. und 5. von links) sowie der Todtenweiser Bürgermeister Konrad Carl und Altbürgermeister Josef Kodmeir (beide nicht auf dem Bild).
Bild: Foto: Patrick Lindermüller

Die Todtenweiser Bürgerinitiative hielt mit rund 60 Unterstützern eine Mahnwache in Ursberg ab. Es ging um ein 15-jähriges Mädchen.

Vor Gericht ist der Weg der Todtenweiser Familie Wackerl um die Rückkehr ihrer früheren Pflegetochter „Sandra“ (Name von der Redaktion geändert) zumindest vorerst beendet. Das Oberlandesgericht München hat den Antrag auf Rückführung des heute 15-jährigen Mädchens im Dezember in zweiter Instanz abgelehnt.

Die Wackerls und eine Bürgerinitiative geben aber auch nach drei Jahren ihren Kampf gegen die Unterbringung der Jugendlichen in einer stationären Einrichtung nicht auf und gehen ihren Weg über die Öffentlichkeit weiter.

Rund 2500 Unterschriften wurden gesammelt, Petitionen eingereicht und Politiker eingeschaltet. An einer Mahnwache „Freiheit für ,Sandra‘“ am Samstagnachmittag am Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg (Kreis Günzburg) nahmen rund 60 Unterstützer der Bürgerinitiative aus Todtenweis und der Region teil.

Sie verteilten vor der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen Flugblätter und Kopien eines Briefes, den nach Aussage der Demonstranten Sandra selbst geschrieben habe. Ein Satz daraus: „Mir geht’s sehr schlecht.“ Sie wolle zurück nach Todtenweis.

Petra Wackerl formulierte vor Ort die Forderungen der Initiative so: „Sandra“ solle einen Zugang zu einem Anwalt erhalten, bei ihrer mittlerweile volljährigen Halbschwester (ebenfalls ein Pflegekind der Wackerls) leben und ihren Willen frei bekunden dürfen.

Die Mahnwache habe etwa eine Stunde gedauert und sei nicht umsonst gewesen, berichtet Anton Wackerl. Es habe auch Kontakt zu Verantwortlichen der Einrichtung gegeben und eventuell werde ein runder Tisch anberaumt. Für Wackerl ist der beste Platz für „Sandra“ nicht ein Heim, sondern ihre „Familie“ und das sei in erster Linie ihre Schwester. Das würden er und seine Frau mit aller Kraft unterstützen.

„Sandra“ war nach Informationen unserer Zeitung am Samstag nicht in Ursberg. Laut Gertraud Siebenhüter, gerichtlich bestellte Sorgerechtspflegerin der Jugendlichen, lebt sie aber gerne dort und möchte auch in der Einrichtung bleiben.

Weitere Wünsche des Mädchens laut Siebenhüter: Sie möchte ihren Frieden haben und dass sich die Erwachsenen vertragen. Für Siebenhüter schaden die Aktionen der früheren Pflegeeltern und ihrer Unterstützer der Jugendlichen. Die Wackerls würden das Kontaktverbot missachten. Siebenhüter spricht sogar von „Stalking“.

Das Dominikus-Ringeisen-Werk wehrt sich in einer Stellungnahme zur Mahnwache gegen Vorwürfe der Initiative. Die Betreuungsqualität des Mädchens sei auf Antrag der Wackerls mehrfach durch die Heimaufsicht der Regierung von Schwaben überprüft worden und ohne geringste Beanstandung verlaufen, so Paul Steghöfer, Leiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit des Werkes.

Das Mädchen sei auch nie in einer geschlossenen Wohngruppe untergebracht gewesen, wie von der Bürgerinitiative Todtenweis behauptet. Sie lebe in einer offenen Wohngruppe und dies sei vom Amtsgericht überprüft und bestätigt, so Steghöfer.

Die Jugendliche fühle sich in Ursberg wohl und möchte auch dort bleiben, bestätigt Steghöfer die Aussage der Pflegerin. Das habe „Sandra“ bei gerichtlichen Anhörungen geäußert und das sei in Sachverständigengutachten bestätigt worden. Steghöfer: „Sie ist keinesfalls isoliert oder gar weggesperrt.“

Und weiter: Das Kontaktverbot des Ehepaars Wackerl zu dem Mädchen sei nicht auf Antrag oder Betreiben des Dominikus-Ringeisen-Werks ausgesprochen worden. Es sei das Ergebnis einer jahrelangen Vorgeschichte, „in die das Werk in keinster Weise involviert war“. Die Sorgerechtspflegerin, die leiblichen Eltern des Mädchens und das Ringeisenwerk legen in der Stellungnahme Wert darauf, dass sie die Betreuung des Mädchens in Ursberg für die bestmögliche für die Entwicklung und Förderung der 15-Jährigen halten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren