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Justiz

26.06.2020

Prozess: Ausgebremst auf der B300

Nach einem Überholmanöver bremst ein Fahrer bis zum Stillstand. Das Manöver hat ein Nachspiel vor Gericht

Den Nachfolger ausbremsen bis zum Stillstand – und das auf der B300. Mit einem solchen Manöver hat ein 44-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis offenbar einen 27-jährigen Autofahrer genötigt. Einen Strafbefehl über 2800 Euro (40 Tagessätze zu je 70 Euro) wollte er aber nicht akzeptieren. Der 44-Jährige legte Einspruch ein. Bei Richter Walter Hell kam seine Version bei der Verhandlung vor dem Aichacher Amtsgericht nicht gut an. Hell sprach von einer Zumutung.

Der Angeklagte gab zu, an einem Morgen auf dem Weg zur Arbeit zwischen Dasing und Friedberg das Auto des 27-Jährigen auf der Bundesstraße überholt zu haben. Aus seiner Sicht war das trotz Gegenverkehr locker möglich: „Ich habe locker den Abstand gehabt zum Überholen.“ Beim Wiedereinscheren habe sein Hintermann energisch mit der Lichthupe und der akustischen Hupe Signal gegeben. Der Angeklagte weiter: „Das war in dem Moment für mich eine Warnung, dass es gleich knallen wird.“ Er sei verunsichert gewesen, habe stark abgebremst und versucht, die Situation vor sich neu einzuschätzen. Vor Gericht sagte der 44-Jährige: „Im Nachgang muss ich sagen: Es war nichts.“ Er wisse nicht, warum der 27-Jährige aufgeblendet habe.

Sowohl der 27-Jährige als auch seine 25-jährige Beifahrerin schilderten die Situation anders. Danach hatte der Angeklagte zuerst einen Lastwagen überholt und war ihnen dann so dicht aufgefahren, dass sie nicht einmal mehr das Nummernschild erkennen konnten. Als der 44-Jährige zum Überholen ansetzte, verlangsamte der 27-Jährige vorsichtshalber sein Tempo. Der Zeuge berichtete: „Ich musste stark bremsen, um zu verhindern, dass ich am Kotflügel gerammt werde.“ Als er daraufhin den 44-Jährigen anhupte, habe der ohne jeden Grund eine Vollbremsung gemacht. Der Zeuge: „Ich musste bis zum Stillstand bremsen.“ Einige Sekunden, so schätzte der 27-Jährige, seien beide Autos auf der B300 gestanden, bis der 44-Jährige wieder losfuhr.

Prozess: Ausgebremst auf der B300

Den kompletten Stillstand auf einer Straße, auf der Autos mit 100 Stundenkilometern unterwegs sind, legte Staatsanwältin Sabine Abt „deutlich zu Lasten“ des Angeklagten aus: „Das war ein großes Gefahrenpotenzial.“ Sie plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 3850 Euro (70 Tagessätze zu je 55 Euro) und ein fünfmonatiges Fahrverbot. Im Strafbefehl standen drei Monate.

Verteidiger Thomas Reutemann plädierte auf Freispruch. Er glaubte seinem Mandanten, der vehement abstritt, den 27-Jährigen absichtlich gefährdet zu haben. Ob der Überholvorgang tatsächlich so knapp gewesen sei, lasse sich rückblickend nicht mehr sagen, so Reutemann.

Richter Hell sah das anders. Der Angeklagte habe den anderen Autofahrer disziplinieren wollen: „Sie haben überholt – knapp überholt – und dann erlaubt sich dieser Mensch zu hupen.“ Deswegen, so Hell, habe der 44-Jährige eine Vollbremsung hingelegt. Hell zum Angeklagten: „Sie haben nicht die Courage zu sagen, dass es knapp war.“ Und der Angeklagte zeige keinerlei Einsicht, führte der Richter aus.

Deshalb verurteilte der Richter den 44-Jährigen wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 3850 Euro und einem viermonatigen Fahrverbot. Dabei machte Hell deutlich, dass der Angeklagte mit dem Fahrverbot noch Glück gehabt hatte: „Es ist knapp am Führerscheinentzug vorbei.“

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