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Aichach

05.07.2020

Prozess: Betrunkene junge Männer greifen in Aichach Polizisten an

Drei junge Männer standen jetzt in Aichach vor Gericht. Sie haben erst auf einer Feier in Aichach gepöbelt und dann zwei Polizisten angegriffen.
Bild: Katja Röderer (Symbolfoto)

Plus Drei Störenfriede pöbeln auf einer Feier in Aichach. Das Jugendschöffengericht lässt im Prozess nur bei einem von ihnen Milde walten.

Zwei heute 17-Jährige und ein 24-Jähriger aus Aichach scheinen bei einer Polizeikontrolle im November 2019 komplett die Kontrolle über sich verloren zu haben. Anstatt einem Platzverweis der Beamten Folge zu leisten, attackierten sie die Polizisten und beleidigten sie. Vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Aichach mussten sie sich unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, Körperverletzung und Beleidigung verantworten.

Stark alkoholisiert erschienen die Drei damals mitten in der Nacht auf einer privaten Feier in Aichach. Sie pöbelten dort einige Gäste an und versprühten den Inhalt eines Feuerlöschers in der Menschenmenge. Die herbeigerufene Polizei sprach Platzverweise aus. Als die drei Störenfriede diese ignorierten, wollten die Beamten sie mitnehmen.

Die Burschen waren laut Anklage "deutlich aggressiv"

Darauf reagierten die drei Burschen laut Anklage „deutlich aggressiv“. Einer drohte einem der Beamten, ihn „kalt zu machen“, und versuchte, ihn zu schlagen. Ein anderer trat dem Polizisten von hinten in die Beine. Um seinem Freund zu helfen, den die Beamten inzwischen am Boden hatten, schlug der 24-Jährige dem zweiten Polizisten mehrfach gegen den Kopf. Dieser erlitt Prellungen und Zahnabsplitterungen. Die Angeklagten hätten nur „mit nicht unerheblichem Kraftaufwand“ gefesselt werden können, sagte Staatsanwältin Beate Schauer.

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Alle drei Angeklagten waren geständig und beteuerten, dass es ihnen leid tue. Schauer nahm nur dem 24-Jährigen die Reue ab. Er war am nächsten Tag zur Polizei gegangen und hatte sich entschuldigt. Außerdem hatte er 1000 Euro Schmerzensgeld gezahlt sowie den Lohnausfall für den Polizeibeamten, der eine Woche krankgeschrieben war.

Einer fällt auch beim Faschingsumzug in Griesbeckerzell auf

Ähnlich aggressiv war einer der beiden 17-Jährigen heuer beim Faschingsumzug im Aichacher Stadtteil Griesbeckerzell gewesen. Dort lief er betrunken vor die Umzugswagen. Mit erheblicher Gegenwehr reagierte er auf Polizeibeamte, die ihn wegbringen wollten. Er biss einen der Beamten so fest in den Zeigefinger, dass der trotz schnittfester Handschuhe Schmerzen hatte. Er beleidigte die Beamten, versuchte, nach ihnen zu treten, und bespuckte sie. Während der Fahrt im Polizeiauto trat er so fest gegen den Oberkörper des Fahrers, dass dieser eine Notbremsung machen musste.

„Es reicht mal“, sagte Staatsanwältin Schauer mit Blick auf mehrere Verurteilungen der Angeklagten. Sie forderte für alle drei Haftstrafen: ein Jahr und zwei Monate für den 24-Jährigen, zwei Jahre und zehn Monate für den 17-Jährigen, der auch in Zell aufgefallen war, sowie ein Jahr und sechs Monate für den anderen 17-Jährigen.

Verteidigerin Alexandra Gutmeyr forderte für ihren 24-jährigen Mandanten eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant sei nicht unbedingt die treibende Kraft gewesen, sagte Anwalt Marco Müller. Er sprach sich für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten aus. Statt zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis zu gehen, hielt Verteidiger Felix Hägele ein Jahr und sechs Monate Haft für seinen 17-jährigen Mandanten für ausreichend.

Ein 17-Jähriger steht demnächst wieder vor Gericht

Wie sich der 17-Jährige gegenüber der Polizei aufgeführt habe, sei das Allerletzte, sagte Eva-Maria Grosse, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Demnächst steht er wieder vor Gericht. Es geht um gefährliche Körperverletzung.

Laut Polizei ist er der Haupttäter einer Prügelattacke gegen einen 56-Jährigen Mann im Mai unweit der Flurstraße. Das Gericht teilte die Einschätzung seines Bewährungshelfers, dass ambulante Maßnahmen bei dem 17-Jährigen nicht zu wirken scheinen. Grosse zu dem Angeklagten: „Die Polizei kann jeden Tag darauf warten, dass Sie sich wieder aufgeführt haben.“ Das Schöffengericht verurteilte ihn zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft.

Der andere 17-Jährige muss für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Auch bei ihm stehen weitere Anklagen im Raum.

Bei dem 24-Jährigen ging das Gericht zu seinen Gunsten davon aus, dass er „hoffentlich ausnahmsweise“ in die Auseinandersetzung hineingeraten war. Er kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon. Die Bewährungszeit setzte das Gericht allerdings auf vier Jahre an. „Wenn nur das Kleinste vorkommt, wird die Bewährung widerrufen“, betonte die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. Als Auflage muss er 800 Euro an das Rote Kreuz zahlen. Der 24-Jährige nahm als einziger Angeklagter das Urteil an.

Lesen Sie dazu auch Polizei ermittelt gegen aggressive Jugendliche in Aichach

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