Newsticker
Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise schon am Dienstag
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Prozess: Mann "erfindet" Aufbruch eines Zigarettenautomaten

Aichach

23.07.2020

Prozess: Mann "erfindet" Aufbruch eines Zigarettenautomaten

Um einen aufgebrochenen Zigarettenautomaten in Kühbach drehte sich eine Gerichtsverhandlung am Aichacher Amtsgericht.
Bild: Soeren Stache, dpa (Symbolbild)

Plus Ein 56-Jähriger behauptete, einen Zigarettenautomaten in Kühbach aufgebrochen zu haben. Warum er aus dem Aichacher Gerichtssaal rannte.

Für Verblüffung sorgte jetzt ein Angeklagter am Aichacher Amtsgericht. Der 56-Jährige aus dem Landkreissüden stand vor Gericht, weil er im Oktober vergangenen Jahres einen Zigarettenautomaten am Sportheim in Kühbach aufgebrochen haben soll. Das hatte der Nichtraucher gegenüber einem Freund behauptet. Gegen den Strafbefehl wegen Diebstahls und Sachbeschädigung legte der 56-Jährige Einspruch ein. Mitten in der Urteilsbegründung des Richters sprang der Angeklagte erbost auf und stürmte aus dem Gerichtssaal. Der Grund war nicht das Urteil.

Schaden am Zigarettenautomaten in Kühbach beträgt 1200 Euro

Bargeld und Zigaretten im Wert von rund 1200 Euro waren aus dem aufgebrochenen Zigarettenautomaten gestohlen worden. Der Sachschaden am Automaten betrug etwa 1400 Euro. Damit, dass er derjenige war, der den Automat mit einer Flex aufgeschnitten hatte, brüstete sich der Angeklagte gegenüber einem 58-jährigen Freund. Außerdem behauptete der 56-Jährige, einen ganzen Zigarettenautomaten gestohlen zu haben, den er von den Standbeinen abgeflext habe. Auf die Frage, was er als Nichtraucher mit den Zigaretten wolle, gab der 56-Jährige laut dem Zeugen folgende Antwort: Sie seien ein Mitbringsel für Damen im Bordell.

Der 58-Jährige hatte seine Zweifel, ob der Angeklagte, der psychisch angeschlagen ist, ihm die Wahrheit erzählte. Im Internet fand er jedoch tatsächlich unseren Artikel über den aufgebrochenen Zigarettenautomaten in Kühbach. Ein paar Tage später tauchte der Angeklagte wieder bei ihm auf und sagte, dass er ihn mit der Geschichte nur auf den Arm genommen hätte. Da hatte der 58-Jährige aber schon die Polizei informiert.

Die Polizei findet beim Angeklagten nur eine Zigarettenschachtel

Die begann zu ermitteln und durchsuchte im März auch die Wohnung des Angeklagten. Sie fanden dabei zwei Winkelschleifer, wie die Flex auch genannt wird, und ein Päckchen Zigaretten. Ein abgesägter Automat sei nicht darunter gewesen, sagte ein an der Durchsuchung beteiligter Polizeibeamter aus. Als „kooperativ“ beschrieb ein anderer Beamter den Angeklagten. Er habe ihnen die Zigarettenschachtel sogar persönlich übergeben. Zur Frage, ob er den Automaten aufgebrochen habe, habe der Angeklagte jedoch nichts gesagt.

Eine einzelne Zigarettenpackung sei nicht die Menge, die sich in einem Automaten wiederfinde, sagte Staatsanwältin Sabine Abt. Auch die Frage, wer den Zigarettenautomaten aufgeflext habe, war nach den Zeugenaussagen für sie nicht beantwortet. Seine Behauptung, dass er der Täter war, wertete sie als Ausdruck seiner manisch-depressiven Art. Die Staatsanwältin plädierte deshalb für Freispruch. Dem schloss sich Verteidiger Christian Geßler an.

Amtsrichter spricht von einer "erfundenen Geschichte"

Richter Hell sprach den Angeklagten frei. In der Verhandlung habe keiner gelogen, war er überzeugt. Der Freund habe es so erzählt, wie der 56-Jährige es ihm geschildert habe. Der Richter zu dem Angeklagten: „Mit erfundenen Geschichten kann man auch vor Gericht landen.“

Der 56-Jährige hatte die Verhandlung entspannt auf der Anklagebank sitzend verfolgt. Als der Richter in seiner Urteilsbegründung jedoch auf die manische Persönlichkeit des Angeklagten hinwies, sprang dieser erbost auf und rief: „Das dürfen Sie nicht sagen.“ Dann stürmte er aus dem Gerichtssaal und ließ einen verblüfften Richter zurück.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren