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Aichach-Friedberg

15.04.2019

Psychiatrische Ambulanz in Aichach rückt näher

In psychischen Krisen ist professionelle Hilfe nötig.
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Plus Schon lange hofft der Landkreis Aichach-Friedberg auf eine psychiatrische Ambulanz. Nun sehen die Bezirkskliniken Schwaben Grund für vorsichtigen Optimismus.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es Bemühungen, im Landkreis eine psychiatrische Ambulanz einzurichten. Bislang waren sie ohne Erfolg geblieben. Bei einer Infoveranstaltung im November in Aichach hatte Landrat Klaus Metzger in scharfen Worten das Vergabeverfahren als intransparent eingestuft und geschimpft: „Die Arroganz, die hinter diesem Verhalten steht, ist etwas, was ich nicht zulassen kann.“ In der vergangenen Woche kündigte Metzger im Kreistag weitere Gespräche mit den Bezirkskliniken Schwaben für Ende April an.

Vorsitzender des Vereins „Kennen und Verstehen“ verbreitet Euphorie

Nun scheint sich etwas zu bewegen. Beim Verein „Kennen und Verstehen“, der sich seit seiner Gründung für die teilstationäre und ambulante Versorgung psychisch kranker Menschen einsetzt, sorgte das umgehend für Euphorie. Bei der Eröffnung der Psychiatrietage sagte der Vorsitzende, Fritz Schwarzbäcker: Nach Ostern werde in Aichach mit einer Sprechstunde begonnen Er sprach von einem „Meilenstein“.

Doch ganz so schnell wird es nicht gehen. Das ergab eine Nachfrage unserer Redaktion bei den Bezirkskliniken Schwaben. Schwarzbäckers Äußerungen beruhten auf einer E-Mail, die ihm der Vorstandsvorsitzende der Kliniken, Thomas Düll, zwei Tage vor der Eröffnung der Psychiatrietage geschickt hatte.

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Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken sieht sich von Verein falsch wiedergegeben

Darin teilte Düll mit, dass der Berufungszulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung „allem Anschein nach [...] die Außensprechstunde in Aichach, wenn auch unter Auflagen, genehmigt hat“. Düll schrieb weiter, er sondiere derzeit die Rechtslage. Er „gebe gleichzeitig zu bedenken, dass die Angelegenheit für beide Seiten (Bezirkskliniken/Zulassungsausschuss) frühestens nach Ostern rechtskräftig sein wird, solange keine Klage eingereicht wird“. Er bat Schwarzbäcker, diesen „gedämpften Optimismus“ nur „unter Verweis auf meine Formulierungen“ weiterzugeben. Nun sagt er: „Ich bin sehr unglücklich darüber, dass der Inhalt meines Schreibens nicht so wiedergegeben wurde, wie er formuliert war.“

Die Entscheidung müsse erst rechtskräftig werden. Von einer Sprechstunde, die nach Ostern beginne, könne nicht die Rede sein. Es sei nicht einmal sicher, ob ein Start bis zu den Sommerferien möglich sei. „Das dauert“, so Düll. Nach Ostern werde man sich im Aichacher Krankenhaus treffen und Räume anschauen, in denen eine Sprechstunde stattfinden könnte – sei es im Alt- oder im Neubau.

Verein und Bezirkskliniken sind sich einig: Sprechstunde muss kommen

Schwarzbäcker hatte bei der Eröffnung der Psychiatrietage nach eigenen Angaben zwar darauf hingewiesen, dass die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist. Dülls E-Mail las er jedoch nicht im Wortlaut vor, sondern gab ihren Inhalt in eigenen Worten wieder. Er räumt ein: „Ich gebe gerne zu, dass ich als Interessenvertreter ein bisschen blumiger formuliere.“ Ob die Sprechstunde nach Ostern, im Mai oder Juni starte, sei für ihn nicht entscheidend. Hauptsache, sie komme. Die noch nicht rechtskräftige Entscheidung für die neue Anlaufstelle in Aichach sei jedoch ein „Schritt in die richtige Richtung“, so Schwarzbäcker.

Er und Düll betonen, gerne zusammenzuarbeiten. Beide sind sich einig, dass die Sprechstunde in Aichach kommen muss. Düll spricht von einer Außensprechstunde, weil dabei Personal der Bezirkskliniken außerhalb der Klinik für die Patienten da ist. Im Landkreis war bislang eher der Begriff der psychiatrischen Institutsambulanz geläufig. Gemeint ist laut Düll dasselbe. In der neuen Anlaufstelle würde multifunktionell gearbeitet: Die Bezirkskliniken hätten neben einem Psychiater und einem Psychotherapeuten beispielsweise auch einen Ergotherapeuten und einen Sozialpädagogen an Bord, um Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen.

Bezirkskliniken sehen „Versorgungsengpass“ im Landkreis

Düll spricht von einem „regionalen Versorgungsengpass, vielleicht dem letzten größeren in Schwaben“ – auch wenn der Landkreis als statistisch gut versorgt eingestuft wird. Metzger sagte im Kreistag, das habe mit dem tatsächlichen Versorgungsgrad wenig zu tun.

Derzeit müssen Patienten, die ärztliche Hilfe benötigen, zu einem niedergelassenen Psychiater, Neurologen oder Psychotherapeuten gehen. Doch die Wartezeiten sind lang – oft mehrere Monate. Düll sagt: „Das hilft nichts, wenn Sie eine psychische Krise haben.“ Wer schneller Hilfe braucht, muss in ein Bezirkskrankenhaus (BKH) – Menschen aus dem Landkreisnorden nach Günzburg, Bewohner aus dem Süden nach Augsburg. Der – vor allem nach Günzburg weite – Weg wäre Düll zufolge möglicherweise unnötig, wenn es im Landkreis ambulante Hilfe gäbe. Auch Schwarzbäcker fordert: „Wir brauchen eine schnelle Anlaufstelle, wo man hingehen kann für eine Akutversorgung.“

Konsildienst für Patienten an Krankenhäusern Aichach und Friedberg

Für Patienten der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg gibt es einen Konsildienst: Eine Ärztin des BKH Augsburg ist zwei- bis dreimal pro Woche vor Ort und schaut sich Patienten an, die Hilfe brauchen. Sie kann Medikamente verordnen oder gibt dem Personal Tipps.

Ob die Entscheidung für die Sprechstunde in Aichach nun rechtskräftig wird oder nicht – Düll ist überzeugt: „Irgendwann haben wir das Ding in Aichach. Auch wenn wir noch mal eine Instanz gehen müssen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Anlaufstelle in Aichach für seelische Notfälle muss kommen

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