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Pöttmes-Handzell

02.07.2018

Radlklau beendet Benefiz-Radtour vorzeitig

Auf 1700 Meter überquerten Gaby und Klaus Piepenstock die Grenze zwischen Italien und Frankreich. In Clavière -.Montgenèvre hatten sie fast die Hälfte ihrer geplanten 3.500 Kilometre langen Benefiztradtour zurückgelegt. Kurz darauf wurde ihnen ihre Räder in Grenoble geklaut.
Bild: Klaus Piepenstock

Gaby und Klaus Piepenstock aus dem Pöttmeser Ortsteil Handzell müssen ihre Tour nach 1500 Kilometern in Grenoble abbrechen. Ihre Fahrräder wurden gestohlen.

Gaby und Klaus Piepenstock sind sich einig: „Europa ist toll. Ich hoffe, das bleibt auch so. In Österreich, Italien und Frankreich haben wir unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt“, sagt Gaby Piepenstock. Da sitzt sie mit ihrem Mann schon wieder im Wohnzimmer ihres Hauses im Pöttmeser Ortsteil Handzell. Eigentlich müssten die beiden jetzt am Genfer See entlangradeln und in der Schweiz ihr nächstes Quartier beziehen. Wie berichtet, hatte sich das sportliche Ehepaar vor gut einem Monat auf eine 3500 Kilometer lange Strecke gemacht, auf der sie auf dem Rad einmal um die Alpen fahren wollten. Im französischen Grenoble war dann aber Schluss: Auf dem Gelände ihres Hotels wurden ihre angeketteten Mountainbike-Elektroräder nachts geklaut.

„Eine Horrorgeschichte“, sagt Gaby Piepenstock rückblickend, um im gleichen Atemzug mit großer Überzeugung hinzuzufügen: „Man hat uns die Räder gestohlen. Aber unsere Erlebnisse auf der einmonatigen Fahrt kann man uns nicht nehmen. Die bleiben in unserem Herzen.“ Horror sei der Anblick des leeren Baumes gewesen, an den sie, laut Empfehlung der Hoteldirektion in Grenoble, ihre Räder mit massiven Schlössern angekettet hatten. Der Bereich sei videoüberwacht, zudem sei der gesamte Hotelbereich nachts abgeschlossen.

Eher frustrierend die Meldeaktion bei der Polizei in Grenoble: vier Stunden warten, erhebliche Verständigungsprobleme, nachdem die Piepenstocks kein Französisch und die Franzosen kein Deutsch sprechen. Am Ende unterschreiben sie ein achtseitiges Dokument, auf dem sie die Fahrgestellnummern ihrer hochwertigen Räder und ihre Kontaktdaten angeben.

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Schwierig die Rückfahrt: Aufgrund eines Zugstreiks und enormen Preisvorgaben für ein Leihauto von Grenoble nach Augsburg steigen sie in den Bus und landen nach über 16 Stunden Fahrzeit in Augsburg. Abenteuerlich die Beigaben: Die Bordtoilette funktioniert nicht, in Lyon gibt es eine äußerst knappe Rast, und der Getränkeautomat in der Schweiz will nur mit Rappen und Franken gefüttert werden. „Am Sonntagabend haben uns Freunde aus Handzell in Augsburg abgeholt. Die hatten Kekse dabei. Toll“, findet Gaby Piepenstock.

Aber die Piepenstocks wären nicht die Piepenstocks, wenn sie sich durch das noch so widrig-abrupte Ende ihrer hoffnungsvollen Radtour in ihrem Elan hätten einbremsen lassen. „Wir haben kurz überlegt, ob wir in Frankreich neue Räder kaufen oder ausleihen sollen. Das ging leider nicht, da mein Mann an unseren Rädern eine spezielle Vorrichtung für die Gepäcktaschen gebaut hatte“, erklärt Gaby Piepenstock. Dem Ziel, mit ihrer Bene- fiz-Tour das Waisenhaus-Projekt „Home of smile“ von Achim Fuchs zu unterstützen, sind sie trotz der halben Strecke und den über 2000 Kilometern näher gekommen. Knapp über 1000 Euro Spendengelder sind in einem Monat eingelaufen, davon gehen allein über 400 Euro auf das Konto der 23 Handzeller, die beim Start vor Ort waren. Die Piepenstocks hatten ein einfaches, aber erfolgreiches Konzept: In regelmäßigen Abständen postete Gaby Piepenstock über Facebook einen Kurzbericht über ihre Fahrt. Mit Angaben beispielsweise zu der Anzahl an Kirchtürmen, Ortschildern oder den erklommenen Höhenmetern (knapp 17600 Meter) konnte pro Zahl ein bestimmter Betrag gespendet werden. Gelegentlich gaben auch die jeweiligen Herbergseltern einen Obolus.

In Handzell rekapitulieren die Piepenstocks die vielen besonderen Begebenheiten und Bekanntschaften auf ihrer Radlreise. „Unsere bisher schönste Radtour im Leben“, betonen beide. Dazu gehören: 2058 Meter auf dem Col du Galibier in den französischen Alpen, ein „geschenkter Tag“ auf der Hotel-Dachterrasse in Maribor dank eines Gutscheins eines ihrer drei Kinder, die Nachricht, dass ein weiteres Enkelkind im Kommen ist. Unbeschreiblich beeindruckende vorbeifließende Landschaften, tolle Radwege, belebende Bekanntschaften unterwegs, hilfsbereite Radlfans, die auch beim platten Reifen mit zur Hand gehen, köstliche Verköstigungen in den Herbergen. Aber auch: zwei Stunden Dauerregen in San Daniele, 25 Prozent Steigung in Traviso mit anschließender stockfinsterer Tunneldurchquerung aufgrund des nicht funktionierenden Bewegungsmeldungssystems.

Gaby und Klaus Piepenstock werden sich ein paar Tage in Österreich ausruhen. Eines ist ganz sicher: Der Fahrradklau wird sie nicht davon abhalten, irgendwann eine ähnliche Tour erneut in Angriff zu nehmen. Dafür sprechen ihre Weltoffenheit, ihre sportliche Einstellung und vor allem ihre Überzeugung, dass ein Rückschlag am besten mit dynamischem Optimismus und persönlicher Aktivität verdaut werden kann.

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