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Aichach-Friedberg

20.12.2017

Reichsbürger in Untersuchungshaft bedroht den Landrat

Aufregung am Landratsamt: Ein mutmaßlicher Reichsbürger soll zwei Personen aus dem Haus bedroht haben - darunter Landrat Klaus Metzger.
Bild: Erich Echter

Ein 51-Jähriger soll Klaus Metzger und einem weiteren Mitarbeiter des Landratsamts Aichach-Friedberg mit der Hinrichtung gedroht haben. Der Mann sitzt bereits in Untersuchungshaft.

Seit Ende November sitzt er schon in Untersuchungshaft, nun kommt zur ersten Anklage noch eine zweite dazu: Nicht nur der Generalstaatsanwaltschaft München soll ein mutmaßlicher Reichsbürger, der bis vor Kurzem noch im Landkreis Aichach-Friedberg lebte, in einem Brief massiv mit der Hinrichtung gedroht haben. Auch zwei Personen im Landratsamt erhielten wohl ein ähnliches Schreiben vom 51-Jährigen, wie Wolfgang Müller, Sprecher des Landratsamts, auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Und bei einem der beiden handelt es sich nach Auskunft von Walter Hell, Leiter des Aichacher Amtsgerichts, sogar um Landrat Klaus Metzger persönlich.

Der 51-Jährige, der der Reichsbürger-Szene zugeordnet wird, soll Klaus Metzger in seinem Brief vom September als "Nazi" beleidigt und ihm und einem weiteren Mitarbeiter des Landratsamts mit dem Tode gedroht haben. Beide würden hingerichtet oder inhaftiert werden, habe der Mann schriftlich angekündigt – so steht es Hell zufolge sinngemäß in der Anklageschrift. Landrat Klaus Metzger selbst wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

Die Polizei nahm den Reichsbürger mit sechs Mann fest

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich der Angeklagte mit derartigen Vorwürfen konfrontiert sieht. Schon im April soll sich der 51-Jährige, der bereits eine lange Vorstrafenliste hat und in den vergangenen Jahren unter anderem wegen zahlreicher Gewaltdelikte aufgefallen war, mit einem Schreiben an die Mitarbeiter der Münchner Generalstaatsanwaltschaft gewandt haben. Auch diesen habe er gedroht: Sie würden die "Naziregierung" schützen und stützen und würden bald hingerichtet werden und es werde ihm eine Freude sein, daran mitzuwirken, wie es laut Gerichtssprecherin Daniela Lichti-Rödl sinngemäß in dieser ersten Anklage heißt.

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Für dieses Schreiben sollte sich der mutmaßliche Reichsbürger, der inzwischen nach Nordschwaben gezogen ist, eigentlich im November am Amtsgericht Aichach vor Strafrichter Walter Hell verantworten. Weil er aber zur Sitzung nicht erschien, erließ der Richter einen Vorführbefehl gegen den Angeklagten. Die Polizei nahm ihn daraufhin mit sechs Mann in einer aufsehenerregenden Aktion in einem Mehrfamilienhaus in Donauwörth fest. Dabei wehrte sich der vielfach Vorbestrafte vehement.

Der Mann sitzt in Untersuchungshaft

Zunächst reagierte er nicht auf das Klingeln an der Wohnungstür. Als die Beamten die Tür öffneten, hatte er sich bereits in einem Zimmer verschanzt. Die Polizisten mussten eigenen Angaben zufolge die Tür eintreten. Der 51-Jährige habe sich in der Folge massiv zur Wehr gesetzt. Vier Beamten sei es mit vereinten Kräften gelungen, den Tobenden zu fixieren und zu fesseln. Der Mann aber gab noch immer keine Ruhe, beleidigte und bedrohte die Polizisten. Der 51-Jährige ließ sie wissen, er hätte sie "umgelegt", hätte er eine Waffe zur Hand gehabt. "Das war glücklicherweise nicht der Fall", hieß es nach dem Einsatz im Pressebericht der Donauwörther Polizeiinspektion.

Seitdem sitzt der mutmaßliche Reichsbürger, der offenbar den deutschen Staat in seiner derzeitigen Form ablehnt, in Untersuchungshaft. Im Moment läuft noch die Frist, innerhalb derer er zur zweiten Anklage Stellung beziehen kann. Erst danach wird Hell zufolge ein neuer Sitzungstermin festgelegt. Doch das könnte noch nicht alles gewesen sein für den 51-Jährigen. Denn auch eine dritte Anklage droht ihm seit der Verhaftung im November. Und zwar wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, so Richter Hell. (mit wwi)

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