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Aichach-Friedberg

19.05.2020

Reisebüros im Kreis Aichach-Friedberg kämpfen ums Überleben

Wegen der Corona-Krise gilt eine Reisewarnung. Sie soll bald enden – und so scheint ein Urlaub im Jahr 2020 doch noch möglich. Zumindest innerhalb Deutschlands.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Plus Die weltweite Reisewarnung läuft bald aus. Die Corona-Krise trifft die Reisebüros im Landkreis aber weiter hart. Sie hoffen auf staatliche Hilfe und treue Kunden.

Wohin geht der Urlaub im Corona-Jahr 2020? Übernächste Woche beginnen die Pfingstferien und die weltweite Reisewarnung des Bundesaußenministeriums endet genau nach den Ferien. Klingt nach Urlaub daheim. Viele Reisebüros wollen erst im Juni wieder öffnen. Die Mitarbeiter, die im Homeoffice oder einsam im Büro arbeiten, sind größtenteils damit beschäftigt, alle Reisen bis zum 14. Juni zu stornieren. Da es keine Einnahmen gibt, finanzieren sich die meisten Reisebüros aktuell aus Rücklagen. Aber die sind bald aufgebracht. Ob die rund 11.000 Reisebüros in Deutschland auf staatliche Hilfe hoffen können, soll sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Die Rücklagen der Reisebüros sind bald aufgebraucht

Stefanie Deiters-Galiläa, Inhaberin des Reisebüros Urlaubsoase.net in Aichach, macht sich große Sorgen um ihr Büro. „Wenn die Rücklagen zu Ende gehen, muss ich einen Kredit aufnehmen und schlimmstenfalls Mitarbeiter entlassen“, so Deiters-Galiläa. Ihre sechs Mitarbeiter sind zu 50 Prozent in Kurzarbeit. Zu tun hat das Team dennoch reichlich, denn es musste etwa 500 Reisen rückabwickeln. Das entspricht laut Deiters-Galiläa inklusive Pfingstferien einem Reisebudget von knapp einer Million Euro. Für diese mühevolle und zweitaufwendige Arbeit mit vielen Telefonaten und Debatten mit den Reiseveranstaltern erhalten die Reisebüros aber kein Geld. Denn sie haben nur Anspruch auf ihre Provision, wenn der Kunde seinen Urlaub auch antritt.

Soforthilfen reichen für Reisebüros im Aichacher Land nicht aus

Diese Regelung bringt auch Robert Reichle, Inhaber des Reisebüros am Tandlmarkt in Aichach, in finanzielle Not. „Ohne Kredit wird es nicht gehen; die Reserven sind bald erschöpft“, erklärt Reichle. Zwar hat er vom Freistaat und vom Bund Soforthilfe bekommen, was eine „schöne Sache“ sei, aber dieses Geld reiche bei Weitem nicht aus. Derzeit würden nicht nur sämtliche Reisen des letzten Dreivierteljahres storniert, ohne einen Cent zu verdienen. Auch bereits ausgezahlte Provisionen würden wieder abgebucht.

 

Trotzdem lebt bei Reichle die Hoffnung. „Ich habe ein gutes Gefühl, was die Kunden betrifft. Das Mitgefühl und der Zuspruch sind groß“, so der 45-Jährige. Das mache Mut. Zudem haben die ersten Kunden wieder Reisen gebucht, vorwiegend innerhalb Deutschlands: Nordsee, Ostsee, Mecklenburgische Seenplatte. Auch das Interesse für den Bayerischen Wald und das Allgäu sei groß. Viele Bürger brennen laut Reichle darauf, bald wieder in den Urlaub fahren zu können.

Aber auch die Fraktion derer ist groß, die unter den aktuellen Bedingungen lieber nicht in den Urlaub fahren wollen. Am Ferienort Maske tragen zu müssen oder womöglich nur zu bestimmten Zeiten an den Strand oder ins Restaurant zu können, kommt für sie nicht in Frage.

Fridolin-Busreisen schickt alle zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit

Wegen derartiger Einschränkungen befürchtet auch Jürgen Senger, dass viele Kunden abgeschreckt werden und die Reisesaison für dieses Jahr im Großen und Ganzen gelaufen ist. Er hofft aber noch auf Tages- oder Vereinsfahrten im Herbst und Fahrten zu Weihnachtsmärkten, sofern diese stattfinden. Senger ist Inhaber von Fridolin-Busreisen in Kühbach. Die sechs Busse sind derzeit abgemeldet, alle zwölf Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

 

Senger bietet in seinem Katalog etwa Reisen bis nach Marokko oder Albanien an. Er organisiert aber auch Fahrten für Vereine und Organisationen und befördert Schüler im Linienverkehr. Nur Letzteres, sein drittes Standbein, läuft derzeit langsam wieder an. Auch Fridolin-Reisen muss um seine Existenz bangen.

Reisen mit dem Bus: "Kein Problem mit dem Abstand"

Dabei hat Jürgen Senger zumindest das Abstandsproblem in seinen Bussen nicht. Seit etwa zehn Jahren sind bei ihm jeweils zwei Sitze pro Person reserviert. „Früher sind wir dafür ausgelacht worden, aber jetzt kommen die Kunden gerade deshalb zu uns.“ Ein Lichtblick ist für ihn ohnehin die Stammkundschaft. So musste er zwar ebenfalls alle Buchungen bis zum 14. Juni stornieren, 80 Prozent der Katalog-Kunden haben ihre Reise aber einfach auf 2021 verschoben.

Weil die momentane Unsicherheit über die künftigen Abläufe und Vorschriften vor Ort groß ist, zögert Deiters-Galiläa noch, neue Reisen zu verkaufen. Fraglich ist etwa, wie die Benutzung von Pools geregelt werden könnte. Sie hofft aber, dass Reisen beispielsweise nach Österreich, Kroatien oder Griechenland spätestens ab Mitte August wieder problemlos möglich sind.

Krise könnte auch positive Folgen haben

Viele Fachleute befürchten, dass Reisen aufgrund der vielen Vorgaben zum Schutz vor dem Virus teurer werden dürften. Reichle hofft aber auch auf positive Effekte der Corona-Krise, etwa eine verbesserte Hygiene und weniger überlaufene Urlaubsorte.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Trotz Corona-Krise: Ja zum Sommerurlaub

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