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Natur

20.06.2018

Renaturierung der Ecknach kommt voran 

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Peter Gerrer, Eigentümer des Weihers bei Heretshausen, erklärt anschaulich, wie er zu Beginn des Jahres denselben ausgebaggert hat, um ihn langfristig wieder nutzbar zu machen und mit Fischen zu besiedeln.
Bild: Alice Lauria

Das Projekt Ecknachtal macht weiter Fortschritte. Davon überzeugt sich der Arbeitskreis Bayern-Netz-Natur zwischen Adelzhausen und Sielenbach.

Der Weiher war fast schon verlandet. Doch jetzt fließt langsam wieder Wasser ein. Später sollen auch wieder Fische darin schwimmen. Der Weiher am kleinen Brand bei Heretshausen (Gemeinde Adelzhausen) ist ein weiterer Baustein des Projekts Ecknachtal. In diesem arbeitet der Arbeitskreis Bayern-Netz-Natur seit 1999 daran, das Ecknachtal zu renaturieren. Projektkoordinatorin Hildegard Wessel und eine Reihe von Mitgliedern machten sich jetzt vor Ort an verschiedenen Stationen ein Bild vom Erfolg einzelner Maßnahmen.

Träger des Projekts sind die Kommunen Aichach, Sielenbach und Adelzhausen, durch deren Gebiet die Ecknach fließt. Sie gründeten 1999 den Arbeitskreis, der in dem Gebiet das Bayerische Arten- und Biotopschutzprogramm umsetzen soll. Ziele sind, seltene Pflanzen und Tiere neu oder wieder anzusiedeln und die bereits bearbeiteten Flächen zu pflegen. Dem Arbeitskreis gehören neben Vertretern der Kommunen und Behördenvertretern der Landschaftspflegeverband (LPV), Naturschutzverbände, Landwirte, Fischer, Jäger, Waldbesitzer und Grundeigentümer an.

Der Weiher bei Heretshausen ist Privateigentum von Peter Gerrer. Er erklärte den Arbeitskreismitgliedern, wie er den vor drei Jahren abgelassenen und zwischenzeitlich fast vollständig verlandeten Weiher Anfang des Jahres mithilfe eines großen Böschungsbaggers ausgehoben hatte. Seit einigen Wochen fließt nun langsam wieder Wasser nach. Gerrer hofft, dass, sobald der Weiher wieder ausreichend Wasser führt, auch der Springkraut-Bewuchs des Ufers zurückgeht. Dieses „eingewanderte“ Gewächs ist zwar hübsch anzuschauen, breitet sich aber explosionsartig aus und lässt heimischen Pflanzen keinen Raum mehr. Gerrer plant außerdem, den Weiher wieder mit Fischen zu besiedeln. Der ausgebaggerte Schlamm wurde auf den umliegenden Feldern und Äckern als nährstoffreicher Boden verwendet. Rund 4500 Euro habe er sich als Eigentümer das Projekt kosten lassen, so Gerrer.

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Nächster Anlaufpunkt waren Flächen bei Weinsbach (Gemeinde Adelzhausen) an der Ecknach, die der Landschaftspflegeverband bearbeitet hatte. Wie Geschäftsführerin Angela Rieblinger erläuterte, hat der Verband dort im Herbst unterhalb eines Wäldchens mühsam die Beton-Sohlschalen aus dem Flussbett entfernt und den Lauf der Ecknach wieder in natürlichere Bahnen gelenkt. Dazu hätten die Mitarbeiter Totholz eingebaut und Gehölze an gepflanzt, so Rieblinger. Aufwendig sei dort die Pflege, zum Beispiel das Mähen in dem sehr unwegsamen Gelände. Im gesamten Verlauf der Ecknach sind nun nur noch etwa 200 Meter mit Beton-Sohlschalen versehen.

Von den Flächen bei Weinsbach nur durch einen Feldweg getrennt liegt eine Ausgleichsfläche der Firma Schmaus. Das Unternehmen hat auf einem etwa 150 Meter langen Geländestreifen verschiedene Wildblumen angesät. Obwohl die Voraussetzungen bei der Aussaat meteorologisch perfekt schienen, ist die Saat, weil der Regen fehlte, nicht wie erhofft aufgegangen. Allerdings, betonte Angela Rieblinger vom LPV, brauche die Natur gerne auch mal ein wenig mehr Zeit. Gut möglich, dass die Saat im nächsten Jahr richtig aufgeht, meinte sie.

Sehr erfolgreich war dagegen die Arbeit an der nächsten Station: Eine Fläche aus der Flurneuordnung bei Irschenhofen (Gemeinde Adelzhausen), die über lange Zeit hinweg vernachlässigt worden war, war 2017 erstmalig wieder gemäht worden, abgelagertes Holz wurde mühsam entfernt. Mit viel Pflege habe der Landschaftspflegeverband hier mit Unterstützung der Gemeinden eine wirklich schöne und artenreiche Wildblumenwiese geschaffen, so Rieblinger. Doch auch hier ist die Arbeit noch lange nicht getan. Es muss noch weiteres Holz entfernt werden, allein schon, um bei der Mahd die Mähwerke nicht zu zerstören. Die letzte Station der Besichtigungstour war bei Tödtenried eine Fläche des Bundes Naturschutz. Hier werden seit Anfang des Jahres auf einem langen Streckenstück Richtung Sielenbach die Wassergräben und Überfahrten nach und nach hergerichtet und nachgestaltet. Die parallel laufenden Gräben werden teilweise aufgeweitet, andere wiederum verschmälert. Die Schwierigkeit hier liegt unter anderem darin, die Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Gräben nicht negativ zu beeinflussen. Wegen des abschüssigen Geländes ist auch die Mahd an den Ufern der Gräben kompliziert. Wegen des Sonneneinfalls sollen möglichst keine Erlen und Weiden an den Ufern der Gräben wachsen. Das kann nur durch regelmäßige Pflege erreicht werden. Erfreulicherweise könne man an den Ufern bereits wieder Blutweiderich, Mädesüß und Sumpf-Storchschnabel blühen sehen, wurde berichtet. Aber auch für Insekten wie zum Beispiel Libellen ist ein sonnendurchflutetes Gewässer unverzichtbar für ihre Larven. Die parallelen Gräben sollen in den nächsten Jahren noch weiter aufgearbeitet werden. Hildegard Wessel zeigte sich sehr optimistisch, wie gut die Renaturierung des Ecknachtals voranschreitet. Sogar einen jungen Kiebitz hat sie kürzlich auf einer Ausgleichsfläche für die Autobahn zwischen Tödtenried und Adelzhausen entdeckt. Das sei ein wunderbares Zeichen, dass die Kiebitze ins Ecknachtal zurückzukehren scheinen.

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